Menschgemachte und natürliche Dramen

Bilder von Vögeln unabhängig vom Abbildungsmaßstab
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Ajott
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Menschgemachte und natürliche Dramen

Beitragvon Ajott » Di Sep 15, 2015 16:17

Hallo zusammen,

in diesem Jahr war ich mehrfach in einer Kormorankolonie in meiner Nähe zu Besuch, um die Balz und
Brut der Tiere zu verfolgen. Die Kolonie ist bekannt und auch eine Horde interessierter
Naturfotografen kann meiner Ansicht nach dort keinen größeren Schaden verursachen, daher teile ich
in diesem Fall den Standort bewusst und gerne.

Die Kormorankolonie im NSG Niederhof ist unterteilt in eine Waldkolonie mit etwa 2200 besetzten
Nestern und eine mit etwa 260 Nestern kleinere Feldkolonie (Stand 2014). Sie sind in den 1950er
Jahren aus einer Hand voll Brutpaare hervorgegangen, die von ihren angestammten Brutplätzen auf
Rügen vertrieben worden waren. Die Geschichte der Kormorane is eine voller Hochs und Tiefs. Der
Einsatz von DDT und gezielte Maßnahmen zur Eindämmung der Kormoranpopulationen hat bis in die 1980er
Jahre hinein die Bestände stark dezimiert. Nur noch etwa 800 Brutpaare siedelten an wenigen Stellen
in Deutschland, die Art galt als vom Aussterben bedroht. Seither steht die Art in Deutschland unter
Schutz und es gibt heute wieder um die 150 Kolonien unterschiedlicher Größe in ganz Deutschland
(2012). Nach einem rasanten Bestandsanstieg in Folge der Unterschutzstellung haben sich die
deutschen Bestände heute bei etwa 25.000 Brutpaaren eingepegelt. Harte Winter wie zum Beispiel in
den Jahren 2009/10 und 2010/11 führen zu natürlichen Bestandsregulationen. Dennoch werden saisonale
Abschüsse (Winterhalbjahr) außerhalb von Brutgebieten im Umfeld fischereiwirtschaftlich genutzter
Seen und Teiche in Mecklenburg-Vorpommern zur Vergrämung und Bestandsregulation eingesetzt. Auch
werden verschiedene Methoden untersucht, um den Bruterfolg der Kormorane schonend zu regulieren.

2010 war der Kormoran der Vogel des Jahres was zu starker Kritik seitens der Angler und
Fischereiwirte führte. Das Ziel, den Dialog um den Kormoran mit der Wahl zum Vogel des Jahres zu
versachlichen wurde nur bedingt erreicht. Stattdessen hält die von beiden Lagern oft sehr einseitige
geführte Diskussion weiterhin an.

Das hier gezeigte Tier ist ein Jungvogel aus diesem Jahr. Unterhalb der Kolonie erstreckt sich ein
Tümpel, in dem außer Algen nicht viel zu leben scheint. Auf mich erscheint es immer wie eine
Giftbrühe, verätzt durch den tagtäglich in Massen herabplatternden Vogelkot. Jungkormorane, die bei
ihrem ersten Ausflug das Pech haben in dieser Brühe zu landen sind nicht selten verloren. Die
Elterntiere füttern sie dort unten nach meinen Beobachtungen nicht, sodass sie über Tage qualvoll
verhungern, wenn es ihnen nicht gelingt ihr Gefieder zu trocknen und sich irgendwie wieder in die
oberen Äste zu schwingen. Einige Tiere musste ich dieses Jahr dort dabei beobachten, wie sie
zunehmend schwächer wurden und schließlich starben. Auch wenn ich den genauen Verbleib des gezeigten
Tieres nicht kenne bin ich für diesen hier optimistisch, dass er es geschafft hat. Er wirkte kräftig
und fit und sein Gefieder nicht zu sehr beschmutzt.. zudem hatte er eine gute Stelle außerhalb der
Brühe gefunden, um sich zu trocknen.
Um das Tier nicht zu beunruhigen bin ich hinter einem Busch geblieben...da rühren auch die nebeligen
Stellen her.

liebe Grüße
Aj
Dateianhänge
Kamera: EOS 600D
Objektiv: Sigma 70-300mm f/4-5.6 DG @ 300
Belichtungszeit: 1/320
Blende: 8
ISO: 400
Beleuchtung: bewölkt
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG):
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe): oben und unten ins Pano
Stativ: keins
---------
Aufnahmedatum: 25.07.15
Region/Ort: Kormorankolonie Niedernhof
vorgefundener Lebensraum: Eschen-Buchenwald
Artenname: Kormoran (Phalacrocorax carbo) Jungtier
NB
sonstiges:
kormoran01makro.jpg (431.12 KiB) 1405 mal betrachtet
kormoran01makro.jpg
: ǝʌıʇʞǝdsɹǝd uǝɹǝpuɐ ɹǝuıǝ snɐ ןɐɯ ǝzuɐƃ sɐp ɹıʍ uǝʇɥɔɐɹʇǝq :
"Der Wunder höchstes ist, daß uns die wahren, echten Wunder so alltäglich werden können." (Lessing)

Von vielen kleinen Wundern berichten die Arten- und die Dokugalerien
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Beitragvon Harmonie » Di Sep 15, 2015 17:32

Hallo Anja,

ein sehr interessanter Bericht! Danke dafür!
Dadurch, dass du durch das Gebüsch fotografiert hast, wirkt die Aufnahme auch etwas "verstohlen",
als hättest du etwas verbotenes getan.
Trotz deine Verstecks ist dir da eine sehr schöne Aufnahme gelungen, die nicht nur mit einer schönen BG
sondern auch mit schönen Spiegelungen daher kommt.

LG
Christine
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Wenn die Sonne lacht, wähle Blende 8 - wenn es regnet hier, nimm Blende 4 und fotografierst du ein Ei, nutze die Blende 3
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Beitragvon segeiko » Di Sep 15, 2015 18:02

Hallo Anja,

danke für diesen ausführlichen Bericht. Tönt interessant.
Die Brühe mit den Schlieren sieht schon nicht so einladend aus und
mein Mitgefühl geht an die Jungvögel, welche darin scheinbar oft den Tod
finden.
Deine Aufnahme wirkt in der Tat so etwas verstohlen. Die grüne Bereiche
unten lassen so den Schlüsselloch-Effekt entstehen.

Den Kormoran hast du gut fotografiert, die Details des Federkleides zeichnen
sehr schön und die Schärfe überzeugt. Ich war der Meinung, dass die Augenfarbe
der Kormorane so blau/grün ist. DAs scheint hier nicht der Fall zu sein, oder ist
des der Jugend des Kormorans geschuldet und die Farbe verändert sich noch?

Vielen Dank für den interessanten Bericht auf alle Fälle!

Lieben Gruss
Beatrice
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Beitragvon SunTravel » Di Sep 15, 2015 19:03

Hi Anja,

nicht nur das Bild finde ich klasse, sondern auch Deinen fundierten Bericht, aus dem ich wieder was gelernt habe.

Kormorane finde ich besonders interessant aufgrund ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten sich in der Luft und im Wasser zu
bewegen.

Glücklicherweise kann ich auch immer welche an den Bächen neben der Hundewiese beobachten.

Gruß

Uwe
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Beitragvon Fietsche » Mi Sep 16, 2015 17:15

Moin Anja,

Komorane sind wohl die am meisten gehasten Vögel hier im
Norden, weil ihr Kot sehr viel zerstört hat. Kleine Insel mit
Baumbewuchs sind vollkommen zerstört dort will kein Mensch mehr
hin. Es ist natürlich so das die Meinungen verschieden sind,
die eine wollen die schützen die anderen wiederum ausroten.
Am schlimsten finde ich die Angler und Fischer die da gross behaupten
sie würden ihnen die Fische wegfressen,vorallem die grossen.
Blödsinn die Komorane können gar keine grossen Fische schlucken.
Selber finde ich sie gehören in die Natur wie der Mensch auch.
LG. Fietsche

www.fietsche.fi
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Beitragvon wilf » Mi Sep 16, 2015 21:20

Moin moin Anja,

Kormorane sind (finde ich) einfach klasse Vögel, ich mag diese Fischpiraten. Ich schaue mir Kormorane öfter mal in den
Elbauen an und bin immer wieder begeistert. Für mich dürfte der Kormoran ruhig nochmals Vogel des Jahres werden!

LG
Wilfried
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Beitragvon Hans.h » Fr Sep 18, 2015 09:15

Hallo Anja,

Ein schönes und ungewöhnliches Kormoranbild.
Die Unschärfen im VG.und die Schlieren,geben dem Bild einen besonderen Reiz.
:good:

Gruß Hans. :)
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Beitragvon Felix Stark » Fr Sep 18, 2015 10:30

Hallo Anja,

wirklich ein interessanter Bericht. Dein Bild gefällt mir ausgezeichnet, wie Du den Stamm ins Bild integriert hast und
der weiche "Rahmen", dadurch fühlt man sich wie ein heimlicher Beobachter - sehr schön. Auch die Spiegelung
des Schilfes passt sehr gut dazu. Der Panoramaschnitt passt gerade wegen der Schlieren im Wasser hervorragend.

LG

Felix
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Beitragvon winterseitler » Sa Sep 19, 2015 05:57

Hallo Anja,

danke für deine interessanten Ausführungen, die du mit diesem gelungenen Bild
des Jungvogels abschließt.
Viele Grüße aus dem Schwarzwald

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----- (_)/ (_)

Markus
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Beitragvon Gabi Buschmann » Sa Sep 19, 2015 14:03

Hallo, Anja,

deine Informationen habe ich mit großem Interesse gelesen. Ist ja
Wahnsinn, wie sich diese Vogelkolonie entwickelt hat, so viele
Kormorane an einem Platz kann ich mir gar nicht vorstellen.
Bei deinem Bild hast du aus der Not eine Tugend gemacht, die grüne
Umrahmung durch den Busch macht sich sehr gut und harmoniert sehr mit
der Farbe der "Giftbrühe". Den Kormoran hast du super
fotografiert und sehr schön im Bild platziert. Gefällt mir sehr gut!
Liebe Grüße Gabi

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