Bewegungsunschärfe

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Bewegungsunschärfe

Beitragvon nemo » Do Dez 29, 2016 16:56

Hallo Theoretiker

gibt es hier oder wo anders eine brauchbare Liste bzw. Berechnungsformel, zu diesem Themenkomplex

Abhängigkeit Verschußzeit zu Bewegtem Objekt bei vorgegebener Entfernung, je nach Objektiv

dass dabei der Winkel und die Pixel sowie Auflösung eine Rolle spielen ist mir bewußt, daher wird die Berechnung nicht einfach

es würde ja für unsere Zwecke schon eine Annäherungsberechnung ausreichen.

Die Frage konkret:
1. ein Fahrrad fährt mit 10km/h=10000m/h = 10000000mm/60x60sec im Abstand 1000cm
2. Schmetterling Flugzeit x bei Abstand 100cm
welche Verschußzeit ist dazu passend
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Bewegungsunschärfe

Beitragvon HCS » Sa Dez 31, 2016 00:11

Hallo Carl,
so schwierig ist das gar nicht. Zuerst mußt du festlegen, was du als »scharf« empfindest. Ein Maß dafür ist der zulässige Durchmesser des Unschärfekreises, wie er z.B. bei der Bestimmung der Schärfentiefe herangezogen wird. Üblicherweise wird er mit 1/1500 der Bilddiagonale angenommen, bei einem APS-C-Sensor also D=0,018mm. Damit das Bild scharf erscheint, darf die Bewegungsunschärfe diesen Wert nicht überschreiten. Die Belichtungszeit ergibt sich dann aus der einfachen Beziehung Zeit gleich Weg durch Geschwindigkeit, also t=D/v. Mit der Geschwindigkeit ist hier allerdings die des Abbildes auf dem Sensor gemeint, nicht die des realen Objekts. Es muß also noch der Abbildungsmaßstab ß berücksichtigt werden. Vorausgesetzt, die Bewegung erfolgt rechtwinklig zur optischen Achse, ergibt sich die Belichtungszeit zu t = D/(v*ß).
Für dein Beispiel des Fahrrads ist die Geschwindigkeit v=2,7m/s und D=0,018mm. Der Abbildungsmaßstab bei 10m Entfernung wird der Einfachheit halber mit 1:100, also ß=0,01 angenommen. Eingesetzt in die obige Formel ergibt sich t=0,66ms oder 1/1500s.
Im Falle des Schmetterlings sieht es schlechter aus. Bei v=1m/s und einem Abbildungsmaßstab von 1:5 folgt t=90µs oder 1/11000s. Das geht dann nur noch mit dem Blitz. Die Flügel sind wahrscheinlich noch schneller und erfordern noch kürzere Belichtungszeiten.
Die von dir aufgeworfene Frage ist ein zentrales Problem in der Kurzzeitfotografie. Bei Makroobjekten können sich wegen des großen Abbildungsmaßstabs extrem kurze Belichtungszeiten ergeben. Im u.g. Buch habe ich es auf Seite 42-44 noch etwas ausführlicher behandelt.
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Bewegungsunschärfe

Beitragvon nemo » Sa Dez 31, 2016 10:40

[quote="HCS"][post]1456287[/post] [/quote]

Hallo Christian

Ich danke Dir, das ist wunderbar erklärt und man kann es sehr gut nachvollziehen.

hiermit ist sehr gut ersichtlich, wieso manches verwackelt ist.

DANKE :sm2:
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Bewegungsunschärfe

Beitragvon HCS » Sa Dez 31, 2016 12:51

Hallo Carl,
freut mich, daß es dir weitergeholfen hat. "Verwackelt" ist aber streng genommen etwas anderes als Bewegungsunschärfe. Beim Verwackeln kommt die Unschärfe durch eine Bewegung der Kamera während der Belichtung zustande, d.h., es ist alles unscharf. Dagegen hilft ein Stativ. Die Unschärfe, um die es hier ging, wird durch die Bewegung des Objekts während der Belichtung hervorgerufen. Das ist unscharf, der Hintergrund ist scharf. Dagegen hilft nur eine ausreichend kurze Belichtungszeit.

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