Was Insekten betrifft, habe ich in tausenden Aufnahmen über viele Jahre noch nie eine Reaktion auf den Blitz
festgestellt. Aber die sitzen ja ohnehin stundenlang in der grellen Sonne, ohne mit der Wimper zu zucken. Offensichtlich
sind die Facettenaugen unempfindlich gegen Blitzlicht oder er wird als natürlicher Blitz interpretiert.
Aber auch die Fledermäuse im Münchner Tierpark Hellabrunn zeigten keine Scheu, als ich dort dreimal über Nacht die
Lichtschranke aufgebaut hatte. Bei
ca. 200 Fledermäusen kam es pro Nacht zu rund 1000 Durchflügen, und das bis
Mitternacht stark zunehmend. Die hätten auch anders fliegen können, um an ihr Abendessen zu kommen, aber nein, manche
sind gleich paarmal durch die Lichtschranke geflogen, was anhand ihres Mannas im Maul zu erkennen war. Hat denen ganz
offensichtlich Spaß gemacht und war eine prima Abwechslung. Ähnlich die Flughunde im Tropenhaus. Einer hing an einem Ast
und hat 20mal nacheinander die Lichtschranke und damit die Blitze ausgelöst. Und das als Nachttier mit riesigen Augen in
völliger Dunkelheit. Hätte dem das keinen Spaß gemacht, hätte er es gelassen. Der Tierparkchef, ein Tierarzt, der die
Fotosession genehmigte, hatte auf meine diesbezügliche Nachfrage keine Bedenken.
Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der »Klassiker« unter den Naturfotografen. Eric Hosking z.B. sagte: »Als einer
der Pioniere in Europa in der Verwendung des Elektronenblitzes für die Vogelfotografie kann ich ohne den geringsten
Zweifel sagen, daß Vögel überhaupt keine Notiz vom Elektronenblitz nehmen, vorausgesetzt, daß Vorsorge getroffen wurde,
daß sie Zeit hatten, sich an die Reflektoren zu gewöhnen.« Und Hosking war berühmt für seine nächtlichen Eulenfotos.
Günter Olberg bemerkte, daß einige Insektenarten ein wenig auf die Wärmestrahlung des Blitzes reagierten, aber meistens
keinerlei Auswirkungen. Auch Walter Wissenbach und Heinz Sielmann konnten keine größeren Reaktionen feststellen.
Allgemein galt, daß der Blitz nur dann stört, wenn der Mensch dazu in Erscheinung trat. Blitzfotos ohne Mensch stören
dagegen wenig bis gar nicht.
Nachzulesen in »Tierfotografie« von Drechsler/Moll, Fotokinoverlag Halle 1963.