Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:... leider muss ich feststellen, dass die Bitte um einen entspannteren Ton vergebens war ...
Nun ... mit meiner Bitte, zuerst das Hirn einzuschalten, richtig nachzulesen und dann erst zu antworten, ergeht es mir ganz ähnlich.
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:"Dummheit, Faulheit und Gedankenlosigkeit" ... muss das wirklich sein?
Siehst du, was ich meine? Ich schrieb nämlich "Dummheit, Faulheit oder Gedankenlosigkeit". In der Sprache, die ich spreche, besteht ein gewisser Unterschied zwischen "und" und "oder". Und da soll man einen entspannten Ton bewahren ...
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:Du sagst, du weißt, welchen Hintergedanken ich habe, wenn ich von Fehlern beim WW spreche ... kommt in deinen Überlegungen auch das Stichwort Retrofokusdesign [...] vor?
Ja, selbstverständlich.
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:Wenn ja, bitte ich um eine Erklärung, warum die von dir benutzte Formel auch dann exakt gilt ...
Weil weder die Schnittweite noch der Hauptebenenabstand in der Formel vorkommen. Schließlich haben sie keinerlei Einfluß auf die effektive Brennweite. Ein 35-mm-Objektiv ist ein 35-mm-Objektiv, einerlei ob Retrofokus oder konventionell, einerlei ob lichtstark oder lichtschwach. Falls du's nicht glaubst, dann nimm einen 36-mm-Zwischenring, setze ein beliebiges, auf unendlich eingestelltes 35-mm-Weitwinkelobjektiv darauf (oder ein auf diese Brennweite eingestelltes Zoom) und schau, welcher Abbildungsmaßstab sich ergibt. Du wirst sehen, daß haarscharf knapp über 1:1 herauskommt ... 1,03:1, um genau zu sein, oder 36/35. Oder nimm irgendein anderes Weitwinkel und irgend einen beliebigen Zwischenring, und du wirst sehen: die Formel stimmt immer und ganz exakt (nur bei sehr langen Zwischenringen -- deutlich länger als die Brennweite -- kann es passieren, daß sich kein reeller Fokuspunkt vor der Frontlinse mehr ergibt ... aber bis dahin stimmt's 100%ig). Falls du den Abbildungsmaßstab per Blick durch den Sucher ermittelst, berücksichtige bitte die Differenz zwischen Sucherbild und Film- bzw. Sensorbild deiner Kamera.
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:Formeln als Kondensationskern tiefen Verständnisses sind ein gutes Bild ... leider sind sie in der Praxis leider eher Maske für Halbwissen ...
Aber überhaupt nicht. Als "Maske für Halbwissen" erscheinen sie allenfalls dem, der sie nicht versteht.
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:... aber wenn du ein wenig das Internet zum Thema Zwischenring, Abbildungsmaßstab und ähnliches bemühst, wirst du in Zusammenhang mit der von dir benutzten Formel oft auf Phrasen wie "in etwa", "in erster Näherung" usw. treffen -- merkwürdig ...
Das erscheint dir deshalb merkwürdig, weil du's nicht verstehst. Unter welchen Umständen meine Formel exakt gilt, hatte ich ja klar und deutlich hingeschrieben -- und dann noch einmal extra darauf verwiesen. Da ich also annehmen kann, daß du's gelesen hast, muß ich nunmehr davon ausgehen, daß du's nicht verstanden hast.
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:Mal schauen, ob ich die Übungsaufgabe umgekehrt stellen kann ... wie funktioniert ein WW-Objektiv, wenn der Abstand Hauptachse Linsensystem zu Bildebene größer als die Brennweite ist (und das gilt ungefähr ab 40 mm abwärts)?
Ach, Andreas ... jetzt faselst du.
Erstens: Hauptachse Linsensystem -- was bitte soll das sein? Das ist ein Ausdruck, den du dir soeben ausgedacht hast, und den du bitteschön erst einmal definieren solltest, statt zu erwarten, daß ich rate, was du damit meinst. Du könntest zum Beispiel "optische Achse" meinen ... doch aufgrund des Kontextes darf man annehmen, daß es das wohl nicht ist. Du könntest "Hauptebene" meinen ... fragt sich nur, welche, die vordere oder die hintere. Aber wer so mit "Fachausdrücken" (hmpf) um sich wirft, weiß sicher, daß der Abstand der hinteren Hauptebene von der Bildebene auch bei Retrofokusobjektiven grad genau der Brennweite entspricht (bei Einstellung auf unendlich). Also kannst du das auch nicht meinen. Wahrscheinlich weißt du letztlich selber nicht so genau, was du eigentlich meinst.
Zweitens: der Abstand von "konfusem Haupt-Irgendwas-Gedöns" zu Bildebene ist für das, was du meinst, völlig irrelevant. Du willst auf Retrofokus-Objektive hinaus ... und ein Objektiv ist ein Retrofokus-Objektiv, wenn bei Einstellung auf unendlich die
Schnittweite größer ist als die Brennweite. Und die Schnittweite wiederum ist der Abstand des hinteren Hinterlinsenscheitels zur Bildebene.
Drittens: Retrofokus-Weitwinkelobjektive funktionieren ganz genauso wie konventionelle Weitwinkel-, Standard- oder Teleobjektive, jedenfalls was ihre Funktion mit Zwischenringen angeht. Für alle gilt: m = e / f (mit e = b - f ... aber ich wiederhole mich).
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:Der kritische Punkt in der Formel ist nicht das e (wovon ich glaube, es verstanden zu haben) ...
Das glaube ich nicht. Stattdessen argwöhne ich, du hältst e für die Länge der Zwischenringe. Tatsächlich aber ist es die Auszugsverlängerung, also die Differenz zwischen Bildweite b und Brennweite f (wie ich extra für dich nun bereits mehrfach wiederholt habe). Und unter welchen Umständen e identisch ist zur Länge der eingesetzten Zwischenringe, habe ich nun auch schon mehrfach wiederholt. Nämlich dann, wenn das Objektiv ohne Zwischenringe auf unendlich fokussiert ist.
Andreas 'chemischenk' hat geschrieben:... sondern das f ...
Auch das f und dessen "Probleme" habe ich bereits ausführlichst erläutert -- hier und im Parallel-Unterforum in der Diskussion über die Sinnhaftigkeit von Einstellschlitten (siehe dort). Selbstverständlich ist stets die effektive Brennweite einzusetzen, welche vom Nennwert unter Umständen erheblich abweichen kann. Doch eine solche Abweichung ergibt sich ggf. nicht aus einer Retrofokus-Bauweise, sondern aus einer Innenfokussierung (oder einer Variante davon), wenn der Fokussierring des Objektives nicht auf unendlich eingestellt ist.
-- Olaf