Lerchenfenster

Was wir lieben, wollen wir schützen. Doch ist Naturschutz gleich Naturschutz? Brauchen wir Naturschutz mit musealem Charakter oder lassen wir der Natur freien Lauf? Muss der Mensch für Naturschutz zurückstecken oder können wir auf Naturschutz verzichten? Welche Naturschutzprojekte sind für den Makrofotografen interessant? Wie können sie umgesetzt werden? Suchen wir nach Antworten.

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Die Feldlerche als Flaggschiff-Art:
Die Feldlerche wird, wie auch der umgangssprachliche Name verrät, seit jeher mit dem kulturellen Offenland in Verbindung gebracht, wo sie oft hoch am Himmel ihren charakteristischen Gesang erklingen lässt. Doch die Bestände sind seit einigen Jahren stark rückläufig. Seit den 90er Jahren sind die Bestände in Deutschland und Europa stellenweise um die Hälfte zurückgegangen. In der 2007 aktualisierten Roten Liste für Brutvögel wird die Feldlerche erstmals unter Anhang 3 als gefährdet eingestuft. Gefährdungsursachen sind vor allem der gemeinhin dichtere Pflanzenwuchs im Feld aufgrund optimierter Nährstoffzuführung durch Düngung sowie der Rückgang des Anbaus von Sommergetreide zugunsten des Anbaus von Raps und Wintergetreide, welches schnell beinahe undurchdringliche Wuchsformen bildet und damit typische Zweit- und Drittbruten unmöglich machen.
Wie die Feldlerche leiden aber auch zahlreiche andere Arten der Kulturlandschaft unter der Intensivierung der Landwirtschaft. So sind auch Rebhuhn, Wachtelkönig und andere Bodenbrüter immer seltener anzutreffen. Gelingt es günstige Lebensbedingungen für die Feldlerche zu schaffen und zu pflegen wird letztlich eine Vielzahl von Bewohnern des Kulturlandes profitieren.

Lerchenfenster als nutzungsintegrierte Artenschutzmaßnahme:
Lerchenfenster wurden als Maßnahme zum Schutz bodenbrütender Feldvögel in England entwickelt. Dabei werden kleine Flächen im Feld beim Sähen ausgespart. Obwohl diese bei den nachfolgenden Arbeitsgängen wie der Düngung oder dem Pestizideinsatz wie die übrige Fläche behandelt werden können, wodurch Kosten und Mehraufwand für den Landwirt praktisch gegen Null tendieren, kann sich dort statt der Kulturpflanzen des Feldes lückiger Bewuchs mit Wildkräuter ansiedeln. Oder aber die Fläche bleibt weitestgehend bewuchsfrei. Auf diese Weise wird dem Problem entgegengewirkt, dass die dichten Kulturpflanzenbestände der Lerche und anderen Bodenbrütern keinen Raum zum Nisten lassen. Die britischen Untersuchungen ergaben, dass bereits zwei Fenster pro Hektar den Bruterfolg der Feldlerchen verdoppeln können. Dabei ist es wichtig diese Fenster in einigen Metern Entfernung zu Fahrrinnen oder Feldrändern anzulegen, um den Feinddruck durch Füchse oder Katzen gering zu halten.

Das Projekt "1000 Fenster für die Lerche" in Deutschland:
Zwischen 2009 und 2011 wurde im Rahmen des Projektes "1000 Fenster für die Lerche" dieses Konzept auch in Deutschland mit großem Erfolg erprobt. Bundesweit nahmen mehr als 500 Landwirte freiwillig und unentgeldlich daran Teil. Dabei wurden auf über 1200 Äckern über 5000 Lerchenfenster angelegt. Für dieses Projekt haben der NABU und der deutsche Bauernverband erstmalig eng zusammengearbeitet und damit einen Rahmen geschaffen, um gegenseitige Vorurteile zwischen Naturschützern und Landwirten abzubauen. Neben den sozialen Erfolgen haben sich aber auch naturschutzfachliche Ergebnisse und Erfolge abgezeichnet.

Der Bruterfolg der Lerche konnte insbesondere auf Flächen mit Wintergetreide und Raps deutlich gesteigert werden. Insbesondere Zweit- und Drittbruten waren erfolgreicher als auf Flächen ohne Lerchenfenster. Allerdings war es hierzu wichtig bestimmte Eigenschaften der Fenster einzuhalten (, Größe der Fläche mindestens 20m², Entfernung zur nächsten Randstruktur mindestens 25m, mindestens 2 Fenster pro Hektar..).
Aber nicht nur Lerchen profitieren von Feldlerchenfenstern. Auch andere Bodenbrüter wie Wachtel oder Rebhuhn nutzen diese Flächen. Im Zuge dessen kreisen auch Wiesenweihen wieder häufiger über den Feldern. Aber auch Säugetiere wie zum Beispiel Feldhasen finden hier Nahrung und Rückzugsorte.

Dieses und ähnlich angelegte Projekte haben gezeigt, dass die Bereitschaft der Bauern zur Umsetzung entsprechender Maßnahmen im Allgemeinen auch ohne finanzielle Anreize recht hoch ist. Dies ist sicherlich nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass der finanzielle Ausfall und Arbeitsaufwand für den Landwirt gering gehalten werden kann. Jedoch kann durch staatliche Prämien das Interesse an der Zusammenarbeit im Sinne des Naturschutzes noch gefördert werden.


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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Userbeitrag von LaLuz:
"Die Feldlerche zählt zu den ersten Heimkehrern im zeitigen Frühjahr und ist vielen Menschen besonders durch ihren Gesang bekannt, der vorwiegend im Flug in bis zu 50m Höhe ausgetragen wird. Ihr Lebensraum ist die offene Feldflur mit nicht zu dichtem niedrigen Bewuchs.
Besonders durch die Intensivierung der Landwirtschaft ist ihr Bestand in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen. Mittlerweile erscheint sie sogar auf der Roten Liste. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit einigen Jahren das Projekt "Lerchenfenster", das ursprünglich in England entwickelt wurde. Dabei sparen Landwirte bei der Aussaat des Getreides einige ca. 20qm große Flächen aus, die den Lerchen und anderen Offenlandbewohnern als Anflug- und Ruheplatz dienen. Pro Hektar Land sind 2 - 10 Lerchenfenster vorgesehen. Die Freiflächen müssen einige Bedingungen erfüllen. So dürfen sie nicht in unmittelbarer Nähe zu den Fahrspuren angelegt werden, weil hier durch Fressfeinde und landwirtschaftliche Maschinen tödliche Gefahren drohen. Zu geschlossenen Ortschaften, Straßen, Gebüschen und Bäumen sind bestimmte Abstände einzuhalten."


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