Perseiden 2018

Landschaftsfotos sowie Fotos aus Flora und Fauna, die keine Makrofotos sind, also einen Abbildungsmaßstab < 1:15 haben.
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mehr-licht
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Perseiden 2018

Beitragvon mehr-licht » 14. Jun 2019, 22:15

Hallo zusammen,

da es hier ja auch ein paar passionierte Astrofotografen gibt, wollte ich mal meinen ersten echten Gehversuch auf diesem Gebiet teilen. Sie stammt noch aus dem letzten Jahr und zeigt den Perseiden-Strom, der Mitte August zuverlässig für tolle Sternschnuppen sorgt.

Die Aufnahme entstand unter denkbar kuriosen Bedingungen: Eigentlich war ich zum Kloster Marienrode nahe Hildesheim hinausgefahren, um dort die Sternschnuppen oberhalb des Klostersees einzufangen, die Klosterkirche im Hintergrund. (Siehe Bild 2) Das permanente Glucksen des Sees in der totalen Dunkelheit der tiefen Nachtstunde war schon etwas unheimlich; auch war ich mit der Ausbeute nicht recht zufrieden.

Also wendete ich mich der nahen Mühle zu, die praktischerweise nachts angestrahlt wird. Wie ich so am Wegesrand stand, 3:00 Uhr nachts, und eine geeignete Komposition für die Mühle suchte, hörte ich in der Finsternis aus Richtung des Sees auf einmal Schritte auf dem Kies kratzen. Keine gemütlichen Gehschritte, sondern Marschtempo. Und diese schnellen Schritte kamen direkt auf mich zu. Ich grüßte von Ferne in die Dunkelheit hinein, um mich bemerkbar zu machen; einmal, um niemanden zu erschrecken, zum anderen, um einschätzen zu können, wer da kam. Ich bekam aber keinerlei Reaktion, nur das Knirschen des Kies unter zwei fremden Füßen. Langsam löste sich eine Gestalt aus den Schatten. Ich grüßte erneut. Erneut kam kein Gruß zurück, nur weiter diese raschen, knirschenden Schritte direkt auf mich zu. Irritiert und mit deutlich erhöhtem Puls bewegte mich etwas vom Weg herunter und löste das zweite Stativ von meinem Rucksack. Eines der Beine lässt sich abschrauben, um es als Einbeinstativ zu verwenden, und unterhalb der Gumminoppen befinden sich Spikes; im Notfall lässt sich daraus eine brauchbare Waffe improvisieren. Die Gestalt war nun auf 10 Meter heran, und ich grüßte nochmals schroff, um sicher zu sein, dass wer-auch-immer-da-ging mich gehört hatte und wusste, dass ich auf ihn gefasst war. Auch diesmal blieb eine Reaktion aus. Allerdings bemerkte ich, dass die Schritte nicht länger auf mich zusteuerten, sondern tatsächlich nur dem Weg folgten, an dessen Rand noch meine Kamera auf dem anderen Stativ stand. Gebannt beobachtete ich, wie der Schweigende auf meine Kamera zuging, dann daran vorbei, dann weiter in Richtung der fernen Hügel. Als die Gestalt die Mühle passierte, fiel deren Scheinwerferlicht auf sie. Ich erkannte - Nonnenkluft.

Ich habe später mit Freunden über diese seltsame Begegnung gesprochen. Wir haben uns einiges zusammengereimt, was nicht zwangsläufig stimmen muss, aber die Ereignisse zumindest plausibel erklärt. Die Nonne brach spät nachts aus dem Kloster auf, um anderenorts in die Frühmesse zu gehen. Lange Wanderschaften mit spiritueller Zielsetzung, auch zu "unchristlichen" Uhrzeiten, sind auch heute noch hoch im Kurs, siehe Jacobsweg. Auch ihr Schweigen lässt sich erklären: Womöglich hat sie sich ein Schweigegelübde auferlegt; vielleicht hatte sie aber auch nur genausoviel Schiss vor mir wie ich vor ihr. :laugh3:

Ein zufriedenstellendes Bild der Perseiden über der Mühle habe ich an diesem Abend dann auch mitgenommen (Bild 1), bevor ich um 4:30 Uhr endlich die Segel strich. Und jedes Mal, wenn ich es jetzt sehe, muss ich an die nächtliche Begegnung mit der schweigenden Marsch-Nonne denken. :D
Dateianhänge
Kamera: Canon EOS 60D
Objektiv: EF-S10-22mm f/3.5-4.5 USM @ 12mm
Belichtungszeit: 20s
Blende: f/3.5
ISO: 1600
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):
Stativ: Manfrotto 190XPROB mit Triopo B-2
Infos zu Multishot-Techniken (z.B. Stack, HDR, Stitch):
IMG_6190-1 entrauscht-1 (1200px).jpg (498.86 KiB) 181 mal betrachtet
IMG_6190-1 entrauscht-1 (1200px).jpg
Kamera: Canon EOS 60D
Objektiv: EF-S10-22mm f/3.5-4.5 USM @ 10mm
Belichtungszeit: 20s
Blende: f/3.5
ISO: 1600
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):
Stativ: Manfrotto 190XPROB mit Triopo B-2
Infos zu Multishot-Techniken (z.B. Stack, HDR, Stitch): -
---------
Aufnahmedatum: 13.08.2018
kNB: Habe mir die künstlerische Frechheit genommen, die Sternschnuppe an einen ästhetisch befriedigenderen Ort zu klonen. Im Bild war sie durchaus, aber nicht dort, wo sie jetzt zu sehen ist.
IMG_6085-1 (1200px).jpg (468.34 KiB) 181 mal betrachtet
IMG_6085-1 (1200px).jpg
Zuletzt geändert von mehr-licht am 15. Jun 2019, 10:11, insgesamt 1-mal geändert.
Mit besten Grüßen
Maximilian
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Perseiden 2018

Beitragvon Hans.h » 15. Jun 2019, 07:46

Hallo Maximilian,

Zwei schöne, romantische Bilder von den Perseiden, mit jeweils sehr ansehnlichem VG.
Mir gefallen die Beiden Bilder sehr gut!
Dazu die Geschichte mit der" unheimlichen Begegnung" ..Das macht die Sache erst so richtig rund :wink:
Das ist Astronomie...Dunkelheit, Stille, seltsame Geräusche, und darüber ein stiller Himmel dessen Tiefe man nicht begreifen kann.
Sehr schöne Dokumentation des Sternschnuppenstromes.

Hans. :)
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Perseiden 2018

Beitragvon Ricci » 15. Jun 2019, 08:59

Hallo Maximilian,

Eine spannende Geschichte und dazu zwei schöne Bilder. Von solchen Aufnahmen des
Sternen Himmels bin immer begeistert. Und wenn auch noch paar Meteoriten rumfliegen einfach toll.
Mir gefällt`s.

Lg Richard
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Beitragvon mosofreund » 15. Jun 2019, 10:09

Moin Maximilian,

spannende, gut erzählte Geschichte.....wozu ein Stativ im Notfall zu gebrauchen ist. :DD

Das sind zwei wirklich schöne Bilder geworden. Im zweiten gefällt mir die Spiegelung der Sterne auf dem Wasser auch besonders gut. Könnte man unten auch etwas beschneiden.
Macht Spaß mit dem Sternenhimmel oder?

lg
Wolfgang
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Beitragvon ULiULi » 15. Jun 2019, 13:06

Hallo Maximilian,

das alte Säbelzahntigerprogramm läuft in uns allen immer noch - meistens isses gar keiner :)

Vor allem das zweite (gebastelte) Bild überzeugt mich. Beim ersten fremdele ich doch spürbar mit den "Kunstlichtfarben". Abgesehen davon ist es aber eine schöne Aufnahme, bei der der Zufall gut mitgespielt hat.
Die Aufnahmeidee ist eine gute. Bei so viel Kunstlicht muss man allerdings schon Glück haben, dass in den paar Sekunden Belichtungszeit überhaupt eine Schnuppe ins Bild kommt.

LG / ULi
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Beitragvon mehr-licht » 15. Jun 2019, 14:39

Hallo zusammen,

danke für alle eure Rückmeldungen! :)

Eine Anmerkung hierzu:

ULiULi hat geschrieben:Quelltext des BeitragsBei so viel Kunstlicht muss man allerdings schon Glück haben, dass in den paar Sekunden Belichtungszeit überhaupt eine Schnuppe ins Bild kommt.


So viel Kunstlicht war's auch wieder nicht; ich habe versucht, immer 20 Sekunden Belichtungszeit zu erzielen. Längere Belichtungszeiten sind nicht sinnvoll, weil die Sterne dann schon anfangen, ihre Punktform zu verlieren und zu Streifen zu werden. Das ist eine kleine Erinnerung des Universums daran, dass wir auf einem Felsball sitzen, der mit unvorstellbaren 100.000 km/h durch die Gegend rast :!:

Was mir die Arbeit (einmal mehr) sehr erleichtert hat ist die Custom-Firmware Magic Lantern, die ich mittlerweile auf sämtliche meiner SD-Karten aufgespielt habe. Sie ergänzen meine Kamera um ein paar wertvolle Features, die Canon seinen Kunden sonst lieber Scheibchenweise in Form neuer Kameramodell verkauft hätte. :sm2: Damit habe ich die Kamera darauf programmiert, konstant nach jedem Verschlussvorhang erneut auszulösen, so dass sie quasi im automatisierten "Dauerfeuermodus" fast pausenlos den Himmel abgelichtet hat. Der Rest ist zu Hause dann nur noch Auslese, sprich: Man vernichtet all die Aufnahmen, auf denen nichts zu sehen ist. ;)
Zuletzt geändert von mehr-licht am 15. Jun 2019, 14:40, insgesamt 1-mal geändert.
Mit besten Grüßen
Maximilian
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Perseiden 2018

Beitragvon Corela » 15. Jun 2019, 15:01

Hallo Maximilian,

dieses Erlebnis wirst du nie wieder vergessen.
Zu den Bildern kann ihc nur schreiben: Ich bin begeistert!
lG
Conny

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Beitragvon HärLe » 15. Jun 2019, 19:42

Hallo Maximilian,
die Mühle vor dem Sternhimmel schaut gut aus. Wie hast Du verhindert, dass bei den 20s Belichtungszeit das Gebäude bei der Beleuchtung nicht ausfrisst?

Gruß Herbert

P.S.: Spannende Geschichte der Nacht-Wandel-Nonne :)
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Beitragvon mehr-licht » 15. Jun 2019, 20:28

Hallo Herbert,

HärLe hat geschrieben:Quelltext des BeitragsWie hast Du verhindert, dass bei den 20s Belichtungszeit das Gebäude bei der Beleuchtung nicht ausfrisst?


Ich habe eben nochmal nachgesehen, damit ich keinen Unfug erzähle. :P Es ist nur eine einzelne Aufnahme, heißt: Das Kunstlicht war schwach genug, damit der VG nicht ausbrennt. Sonst wäre ein exposure blending aus zwei unterschiedlichen Aufnahmen nötig gewesen.
Zuletzt geändert von mehr-licht am 15. Jun 2019, 20:29, insgesamt 1-mal geändert.
Mit besten Grüßen
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Beitragvon Gabi Buschmann » 15. Jun 2019, 21:17

Hallo, Maximilian,

zwei beeindruckende, sehr stimmungsvolle und
super gelungene Bilder und eine ebenso beeindruckende
Geschichte, die einem einen angenehmen Gruselschauer
über den Rücken jagt :lol: .
Liebe Grüße Gabi

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