Spinnwebfäden - Auflicht vs. Durchlicht
Verfasst: 13. Mai 2013, 15:59
Liebe Makrofreunde und Experten,
Spinnwebfäden sind ein sehr herausforderndes Motiv. Zum einen sind sie sehr dünn, was eine hohe Auflösung der Objektive erfordert. Zum anderen sind sie farblos, was sie perfekt geeignet macht für Tests von Objektiven und Beleuchtungen (siehe Beitrag "Spinnwebfäden - Ein Motiv zum Testen der Ausrüstung").
Dieses Jahr habe ich mich nochmal an dieses Motiv herangewagt, und zwar unter dem Aspekt des Einflusses der Beleuchtung auf das Bildergebnis, insbesondere Auflicht vs. Durchlicht.
Mein Objekt waren die Spinnwebfäden einer Radnetzspinne (die Art weiß ich [noch] nicht), die gerne an Fenstern, Fenstersimsen und Hauswänden ihr Netz aufspannt. Für den Netzbau werden zwei Fadensorten verwendet, (i) klebstofffreie für den Rahmen und die Radien und (ii) mit Klebstoff versehene für die Fangspirale, die sogenannten Klebfäden. Für die Herstellung der Klebfäden wird aus einer speziellen Drüse, die neben der für Rahmen und Radien zuständigen Drüse liegt, ein zähflüssiger Klebstoff aufgestrichen. Beim anschließenden Trocknungsprozess zieht sich der Klebstoff zu ovalen Kügelchen zusammen, sodass die Fangfäden dann wie Perlschnüre aussehen (Literatur: H.Stern, E.Kullmann "Leben am seidenen Faden"). Gemeinsam ist den Fäden und der Klebmasse ihre Durchsichtigkeit und Farblosigkeit. Ihre Transparenz macht sie zu einem schwierig zu fotografierenden Objekt, schlicht zu einer Herausforderung, da Kontraste nur durch unterschiedliche Brechungsindices zustandekommen.
Aus den folgenden Aufnahmen der Klebfäden habe ich folgende Größen bestimmt: Durchmesser der Fäden ca. 0,004 mm; Durchmesser der unteren größeren Kügelchen ca. 0,03 mm; Durchmesser der oberen Kügelchen ca. 0,02 mm. Dazwischen liegen manchmal noch sehr viel kleinere.
Nun zu den Aufnahmen. In den ersten zwei Bildern wird der Einfluß der Beleuchtung (Auflicht vs. Durchlicht) demonstriert, jeweils bei diffusem Licht. Bei Auflicht (Bild 1) sind die Kontraste überall hoch, es gibt komplexe Lichtbrechungen und Reflexe durch die gekrümmten Strukturen und Beugungserscheinungen. Im rechten Bereich ist CA zu erkennen, die vom verwendeten Lomo 20x APO Objektiv stammt.
Bei Durchlicht (Bild 2) sind die Kontraste angenehm, es gibt weniger Lichtbrechungen und Reflexe durch die gekrümmten Strukturen und kaum Beugungserscheinungen. Im rechten Bereich ist wieder CA zu erkennen, die vom verwendeten Lomo 20x APO Objektiv stammt.
Das 3. Bild ist mit einem Lomo 40x Phasenkontrast-Objektiv im diffusen Durchlicht aufgenommen und ist zweifach digital vergrößert. In dieser Einzelaufnahme kann man sogar den Tragfaden innerhalb der Klebkügelchen erkennen. Das ist nur möglich, weil Faden und Klebstoff einen geringfügig unterschiedlichen Brechungsindex besitzen. Mit Auflicht kann man dieses Detail nicht sichtbar machen. Interessant ist noch, dass in dem linken Klebkügelchen der Tragfaden durch die Brechung des Klebkügelchen nach oben versetzt erscheint. Er verläuft offensichtlich nicht ganz zentral im Klebkügelchen.
Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.
Viele Grüße
Hawi
Spinnwebfäden sind ein sehr herausforderndes Motiv. Zum einen sind sie sehr dünn, was eine hohe Auflösung der Objektive erfordert. Zum anderen sind sie farblos, was sie perfekt geeignet macht für Tests von Objektiven und Beleuchtungen (siehe Beitrag "Spinnwebfäden - Ein Motiv zum Testen der Ausrüstung").
Dieses Jahr habe ich mich nochmal an dieses Motiv herangewagt, und zwar unter dem Aspekt des Einflusses der Beleuchtung auf das Bildergebnis, insbesondere Auflicht vs. Durchlicht.
Mein Objekt waren die Spinnwebfäden einer Radnetzspinne (die Art weiß ich [noch] nicht), die gerne an Fenstern, Fenstersimsen und Hauswänden ihr Netz aufspannt. Für den Netzbau werden zwei Fadensorten verwendet, (i) klebstofffreie für den Rahmen und die Radien und (ii) mit Klebstoff versehene für die Fangspirale, die sogenannten Klebfäden. Für die Herstellung der Klebfäden wird aus einer speziellen Drüse, die neben der für Rahmen und Radien zuständigen Drüse liegt, ein zähflüssiger Klebstoff aufgestrichen. Beim anschließenden Trocknungsprozess zieht sich der Klebstoff zu ovalen Kügelchen zusammen, sodass die Fangfäden dann wie Perlschnüre aussehen (Literatur: H.Stern, E.Kullmann "Leben am seidenen Faden"). Gemeinsam ist den Fäden und der Klebmasse ihre Durchsichtigkeit und Farblosigkeit. Ihre Transparenz macht sie zu einem schwierig zu fotografierenden Objekt, schlicht zu einer Herausforderung, da Kontraste nur durch unterschiedliche Brechungsindices zustandekommen.
Aus den folgenden Aufnahmen der Klebfäden habe ich folgende Größen bestimmt: Durchmesser der Fäden ca. 0,004 mm; Durchmesser der unteren größeren Kügelchen ca. 0,03 mm; Durchmesser der oberen Kügelchen ca. 0,02 mm. Dazwischen liegen manchmal noch sehr viel kleinere.
Nun zu den Aufnahmen. In den ersten zwei Bildern wird der Einfluß der Beleuchtung (Auflicht vs. Durchlicht) demonstriert, jeweils bei diffusem Licht. Bei Auflicht (Bild 1) sind die Kontraste überall hoch, es gibt komplexe Lichtbrechungen und Reflexe durch die gekrümmten Strukturen und Beugungserscheinungen. Im rechten Bereich ist CA zu erkennen, die vom verwendeten Lomo 20x APO Objektiv stammt.
Bei Durchlicht (Bild 2) sind die Kontraste angenehm, es gibt weniger Lichtbrechungen und Reflexe durch die gekrümmten Strukturen und kaum Beugungserscheinungen. Im rechten Bereich ist wieder CA zu erkennen, die vom verwendeten Lomo 20x APO Objektiv stammt.
Das 3. Bild ist mit einem Lomo 40x Phasenkontrast-Objektiv im diffusen Durchlicht aufgenommen und ist zweifach digital vergrößert. In dieser Einzelaufnahme kann man sogar den Tragfaden innerhalb der Klebkügelchen erkennen. Das ist nur möglich, weil Faden und Klebstoff einen geringfügig unterschiedlichen Brechungsindex besitzen. Mit Auflicht kann man dieses Detail nicht sichtbar machen. Interessant ist noch, dass in dem linken Klebkügelchen der Tragfaden durch die Brechung des Klebkügelchen nach oben versetzt erscheint. Er verläuft offensichtlich nicht ganz zentral im Klebkügelchen.
Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.
Viele Grüße
Hawi