Feuchtwiese

Einführung - Berg-Mähwiese - Fettwiese - Feuchtwiese - Flachland-Mähwiese

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Feuchtwiese

Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Feuchtwiesen entstehen auf Böden, die überdurchschnittlich stark vernässt werden. Dies kann an Hanglagen ebenso der Fall sein wie in Flussniederungen oder bei hoch anstehendem Grundwasser. Dabei kann der Grad der Durchnässung mehr oder minder starken jahreszeitlichen Schwankungen unterliegen und kann auch mosaikartig zum gleichen Zeitpunkt recht verschieden sein. Dies ermöglicht ein vielfältiges Nebeneinander von Arten mit unterschiedlichen Ansprüchen. Nicht zuletzt dieser Umstand macht bestimmte Feuchtwiesen zu einem sehr artenreichen Lebensraum.

Viele Vogelarten sind explizit auf die Feuchtwiesen angewiesen. Nicht nur als Rast- und Nahrungsflächen sind sie für ziehende Wasservögel von großer Bedeutung, sondern auch als Brutflächen für Uferschnepfe oder Wachtelkönig bieten sie optimale Bedingungen. Viele Amphibienarten verbringen einen Teil ihres Lebens in Feuchtwiesen, was wiederum Schreitvögel wie Reiher oder Störche anlockt. Auch eine Unzahl an Insekten und Spinnentieren mögen das feuchte Milieu. Einige Schmetterlingsarten sind auf Pflanzen angewiesen, die auf Feuchtwiesen wachsen. Dazu gehören der Dunkle (Maculinea nausithous) und der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Phengaris teleius), der Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino) und der Spiegelfleck-Dickkopffalter (Heteropterus morpheus). Auf manchen Feuchtwiesen wurden bis zu 3500 Tierarten gezählt.
Aufgrund des Lebensraumverlusts finden sich viele typische Feuchtgrünlandarten heute auf der Roten Liste Deutschlands.

Nass- und Feuchtwiesen können je nach Pflanzengesellschaft in unterschiedliche Typen unterteilt werden. Welche Pflanzen sich ansiedeln, ist neben dem Feuchtigkeitsregime auch von der Verfügbarkeit der Nährstoffe und dem pH-Wert abhängig. So werden zum Beispiel Sumpfdotterblumenwiesen, Pfeifengraswiesen, Flutrasen oder Brenndolden-Auenwiesen und unzählige mehr unterschieden.

Das auf Feuchtwiesen gewonnene Grünfutter ist in der Regel nur für die Pferdewirtschaft von Interesse. Häufig wurden diese Flächen als sogenannte Streuwiesen genutzt, das heißt, das hier gewonnene Material wurde lediglich als Einstreu in der Viehhaltung verwendet.
Heute wurden die Feuchtwiesen entweder entwässert und gedüngt um geeignetere Wirtschaftsflächen zu erhalten oder die Bewirtschaftung wurde auf vielen Feuchtwiesen gänzlich aufgegeben.
Ohne regelmäßige Bewirtschaftung oder Pflege entwickeln sich die Feuchtwiesen der meisten Standorte in Deutschland über Hochstaudenfluren hin zu Auen- und Bruchwäldern. Extensiv genutzte Sumpfdotterblumenwiesen und Flutrasen gelten in Deutschland als stark gefährdete Biotoptypen. Pfeifengraswiesen gelten offiziell sogar als "von vollständiger Vernichtung bedroht".


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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Userbeitrag von LaLuz:
"Leider sehr selten geworden, umso erfreulicher, einen solchen Lebensraum fast vor der Haustür zu finden: Die beiden Landschaftsaufnahmen zeigen eine Feuchtwiese mit einer faszinierenden Vielfalt an Pflanzen, Insekten und Kleinlebewesen. Sie liegt etwas abseits von der Oberahr in der Hillesheimer Kalkmulde zwischen moderat gedüngten Mähwiesen an einem Bachlauf in vollsonniger Lage. Ab Ende April blühen dort Hunderte von Sumpfdotterblumen (Caltha palustris). Das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) erscheint etwas später, begleitet von z.B. Wiesen-Schlüsselblumen (Primula veris), Sumpf-Vergißmeinnicht (Myosotis scorpioides) und Bach-Nelkenwurz (Geum rivale). Im Hochsommer ist dieses Stück Wiese ein weiß-blauer Blütenflor, der sich aus Mädesüß (Filipendula ulmaria) und Blauem Eisenhut (Aconitum napellus) zusammensetzt."

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Anders als der Name vermuten lässt, muss die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) selbst in einer Sumpfdotterblumenfeuchtwiese nicht unbedingt vorkommen. Typisch hingegen ist die Anwesenheit von zu den Sauergräsern gehörenden Binsen und Seggen, die als Feuchtezeiger gelten (hier im Bild als horstige Gräser hinter der Sumpfdotterblume erkennbar). Sumpfdotterblumenwiesen können je nach Pflanzengesellschaft in eine Reihe weiterer verschiedener Formen wie Kohldistelwiesen, Wassergreiskraut-Wiesen, Waldsimsen-Wiesen und weitere unterteilt werden.
Sumpfdotterblumenwiesen werden oft intensiver genutzt als andere Feuchtwiesen, und bis zu zweimal jährlich gemäht.


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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Auf ungedüngten Feuchtwiesen kommt das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) teils noch häufig vor. Es bevorzugt sonnige, stickstoffarme Standorte mit einem feuchten bis nassen Bodenmilieu. Es reagiert jedoch nicht ganz so empfindlich auf Veränderungen wie andere Orchideen und verschwindet daher meist als eine der letzten Angehörigen der Pflanzenfamilie von einem gestörten Standort. Dennoch ist es aufgrund des allgemeinen Rückgangs geeigneter Feuchtwiesen bedroht und steht wie alle Orchideen in Deutschland unter besonderem Schutz.

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Als typische Pflanze nährstoffreicher Feuchtwiesen dominiert das Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis) im Frühjahr bis zum Frühsommer häufig entsprechende Standorte. Unter anderem das Auftreten des Aurorafalters (Anthocharis cardamines), der Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) und der Sandbienenart Andrena lagopus sind mehr oder weniger eng mit dem Vorkommen des Wiesenschaumkrauts als Nahrungspflanze verbunden. Aber auch viele andere Insektenarten saugen an den nekarreichen Blüten gern.

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