Rote Röhrenspinne - Das Wichtigste in Kürze
Verfasst: 18. Aug 2007, 00:57
Hi, hier die kleine Doku über Eresus cinnaberinus:
Bild 1: Das Männchen nochmal in einer leichten Frontalansicht. Die Art ist in Deutschland auf die wärmsten Gebiete beschränkt, so z.B. Kaiserstuhl, Rheinhessen, Kyffhäuser, Altmühlalb, Jena, Lüneburger Heide, Mainzer Sand usw. Sie ist nach der Deutschland RL stark gefährdet, in Bayern vom Aussterben bedroht und daher auch gesetzlich geschützt. Das Männchen läuft im August und im September bei Sonnenschein durch ihren Lebensraum um Weibchen in ihrer Erdröhre zu finden. Damit unterscheidet sie sich auch von ihrer Schwesternart E. sandaliatus, deren Männchen im Mai/ Juni auf Brautschau sind.
Bild 2: Die Färbung und Zeichnung des Männchens wird von den meisten Arachnologen als Marienkäfer – Mimikry gedeutet. Von Mimikry spricht man ja dann, wenn ein an sich harmloses (oder durchaus genießbares) Tier in seinem Aussehen einem gefährlichen, wehrhaften (oder ungenießbaren) Tier ähnlich sieht. Da Marienkäfer von sehr vielen Fressfeinden gemieden werden, scheint Eresus durch die Ausbildung von Marienkäfermerkmalen einen Selektionsvorteil zu genießen. Auch wenn diese Mimikry nicht nachzuweisen ist, zeigt sie doch mit den Signalfarben Rot/Schwarz auf jeden Fall eine ausgeprägte Warntracht und signalisiert dadurch (eine nicht vorhandene) Gefährlichkeit. Also wenn man sich schon nicht verstecken kann und darf, dann am besten „Auffallen um jeden Preis“. Wird das Männchen trotzdem belästigt kann es sein, dass es kurze Zeit eine Drohstellung einnimmt um ihre Gefährlichkeit zu demonstrieren. Ideal zum Fotografieren – wenn man das Glück hat zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein! Übrigens hat mich Götz (Deckname Eisvogel) heut informiert, dass er diese Pose auch schon gefotet hat. Bin wahnsinnig gespannt auf sein Bild!!!
Bild 3. Das Wohngespinst wird von Eresus c. bei uns hauptsächlich auf Trockenrasen, in Heiden oder auf Sandböden angelegt. Bevorzugt werden windgeschützte meist mikroklimatisch sehr warme Stellen. An solch geeigneten Stellen kommt es zu hohen Populationsdichten. Ich hab bei Jena auf 10 qm ca. 25 Gespinste gefunden, man kann fast von Koloniebildung sprechen. Trotzdem lebt in jeder Erdhöhle nur ein Tier, nur während der Paarungszeit trifft man Pärchen in der Röhre an. Die Röhre reicht nach Literaturangaben bis zu 10cm in den Boden hinab und wird oberirdisch von einem optimal getarnten Gespinstbaldachin überdacht. Das heißt, wenn man nicht weiß wo und nach was man suchen muss hat man keine Chance solche Kolonien zu finden! Das oberirdische Gespinst aus cribellaten Spinnfäden (Spinnfäden, die mit „Kräuselwolle“ und nicht mit Leimtröpfchen besetzt sind) dient auch als Signalgeber für die lauernde Spinne und hält darüber krabbelnde Insekten kurzfristig fest. So erbeutet sie vorwiegend Käfer.
Bild 4. Man sollte so einen Bau wegen des Schutzstatus der Spinne auf keinen Fall aufbuddeln um das Weibchen sehen zu können. Weibchen vor ihrer Höhle zu sehen ist Zufall, ab und zu kommen sie heraus um Beutereste nach außen zu transportieren. Warum sie früher Schwarze Röhrenspinne hieß (E. niger) ist denk ich am Bild des Weibchens leicht zu erkennen. Die Dame wird bis zu doppelt so groß wie das Männchen und verbringt ihr ganzes Leben in der Erdröhre. Eine auffällige Warntracht ist deshalb auch nicht nötig. Bei genauerer Betrachtung kann man allerdings eine leicht gelbe Behaarung im Kopfbereich erkennen.
Bild 5: Hier seht ihr nun eine E. c. Dame vom Plattensee mit intensiv gelb gefärbten Gesicht, wie ich es bei hiesigen Exemplaren noch nicht beobachtet habe. Mit dieser auffälligen Färbung scheint das Weibchen Eindringlinge in ihren Bau abschrecken zu wollen, denn das erste was einem in der Röhre entgegenkommt ist eben die gelbschwarze Warnfärbung.
So ich denk das reicht erst mal. Hoffe ich hab euch nicht gelangweilt. Bild 1 und 3 sind aus Jena, 2, 4 und 5 sind Diascans und in Ungarn entstanden. Hoffe die Quali ist für die Doku noch ausreichend! Aber es gab halt auch mal ein Leben vor der Digimakro ! ( Die älteren unter euch werden sich noch dunkel erinnern!)
LG Jürgen
Bild 1: Das Männchen nochmal in einer leichten Frontalansicht. Die Art ist in Deutschland auf die wärmsten Gebiete beschränkt, so z.B. Kaiserstuhl, Rheinhessen, Kyffhäuser, Altmühlalb, Jena, Lüneburger Heide, Mainzer Sand usw. Sie ist nach der Deutschland RL stark gefährdet, in Bayern vom Aussterben bedroht und daher auch gesetzlich geschützt. Das Männchen läuft im August und im September bei Sonnenschein durch ihren Lebensraum um Weibchen in ihrer Erdröhre zu finden. Damit unterscheidet sie sich auch von ihrer Schwesternart E. sandaliatus, deren Männchen im Mai/ Juni auf Brautschau sind.
Bild 2: Die Färbung und Zeichnung des Männchens wird von den meisten Arachnologen als Marienkäfer – Mimikry gedeutet. Von Mimikry spricht man ja dann, wenn ein an sich harmloses (oder durchaus genießbares) Tier in seinem Aussehen einem gefährlichen, wehrhaften (oder ungenießbaren) Tier ähnlich sieht. Da Marienkäfer von sehr vielen Fressfeinden gemieden werden, scheint Eresus durch die Ausbildung von Marienkäfermerkmalen einen Selektionsvorteil zu genießen. Auch wenn diese Mimikry nicht nachzuweisen ist, zeigt sie doch mit den Signalfarben Rot/Schwarz auf jeden Fall eine ausgeprägte Warntracht und signalisiert dadurch (eine nicht vorhandene) Gefährlichkeit. Also wenn man sich schon nicht verstecken kann und darf, dann am besten „Auffallen um jeden Preis“. Wird das Männchen trotzdem belästigt kann es sein, dass es kurze Zeit eine Drohstellung einnimmt um ihre Gefährlichkeit zu demonstrieren. Ideal zum Fotografieren – wenn man das Glück hat zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu sein! Übrigens hat mich Götz (Deckname Eisvogel) heut informiert, dass er diese Pose auch schon gefotet hat. Bin wahnsinnig gespannt auf sein Bild!!!
Bild 3. Das Wohngespinst wird von Eresus c. bei uns hauptsächlich auf Trockenrasen, in Heiden oder auf Sandböden angelegt. Bevorzugt werden windgeschützte meist mikroklimatisch sehr warme Stellen. An solch geeigneten Stellen kommt es zu hohen Populationsdichten. Ich hab bei Jena auf 10 qm ca. 25 Gespinste gefunden, man kann fast von Koloniebildung sprechen. Trotzdem lebt in jeder Erdhöhle nur ein Tier, nur während der Paarungszeit trifft man Pärchen in der Röhre an. Die Röhre reicht nach Literaturangaben bis zu 10cm in den Boden hinab und wird oberirdisch von einem optimal getarnten Gespinstbaldachin überdacht. Das heißt, wenn man nicht weiß wo und nach was man suchen muss hat man keine Chance solche Kolonien zu finden! Das oberirdische Gespinst aus cribellaten Spinnfäden (Spinnfäden, die mit „Kräuselwolle“ und nicht mit Leimtröpfchen besetzt sind) dient auch als Signalgeber für die lauernde Spinne und hält darüber krabbelnde Insekten kurzfristig fest. So erbeutet sie vorwiegend Käfer.
Bild 4. Man sollte so einen Bau wegen des Schutzstatus der Spinne auf keinen Fall aufbuddeln um das Weibchen sehen zu können. Weibchen vor ihrer Höhle zu sehen ist Zufall, ab und zu kommen sie heraus um Beutereste nach außen zu transportieren. Warum sie früher Schwarze Röhrenspinne hieß (E. niger) ist denk ich am Bild des Weibchens leicht zu erkennen. Die Dame wird bis zu doppelt so groß wie das Männchen und verbringt ihr ganzes Leben in der Erdröhre. Eine auffällige Warntracht ist deshalb auch nicht nötig. Bei genauerer Betrachtung kann man allerdings eine leicht gelbe Behaarung im Kopfbereich erkennen.
Bild 5: Hier seht ihr nun eine E. c. Dame vom Plattensee mit intensiv gelb gefärbten Gesicht, wie ich es bei hiesigen Exemplaren noch nicht beobachtet habe. Mit dieser auffälligen Färbung scheint das Weibchen Eindringlinge in ihren Bau abschrecken zu wollen, denn das erste was einem in der Röhre entgegenkommt ist eben die gelbschwarze Warnfärbung.
So ich denk das reicht erst mal. Hoffe ich hab euch nicht gelangweilt. Bild 1 und 3 sind aus Jena, 2, 4 und 5 sind Diascans und in Ungarn entstanden. Hoffe die Quali ist für die Doku noch ausreichend! Aber es gab halt auch mal ein Leben vor der Digimakro ! ( Die älteren unter euch werden sich noch dunkel erinnern!)
LG Jürgen