Natur des Jahres: Usedomer Küstenwald
Verfasst: 16. Jun 2016, 16:39
Hallo zusammen,
zum Waldgebiet des Jahres 2016 wurde der Küstenwald in Usedom erklärt.
Da der gerade noch in meinem fotografischen Einzugsgebiet liegt, habe ich dort
gestern eine kleine Tour (leider die meiste Zeit bei starkem Regen) gemacht.
Das Waldgebiet des Jahres wird seit 5 Jahren vom Bund Deutscher Förster (BDF) benannt.
Damit sollen besonders vorbildlich und nachhaltig bewirtschaftete Waldsysteme in Deutschland
ausgezeichnet werden. Da Usedom bekannter Weise ein beliebtes Tourismusziel ist, muss hier
insbesondere der Spagat zwischen Erholungsfunktion, Nutz- und Schutzfunktion und der
Lebensraumfunktion für verschiedene Tiere und Pflanzen gemeistert werden.
Der Usedomer Küstenwald erstreckt sich auf einer Fläche von 5000 Hektar entlang der gesamten
äußeren deutschen Küstenlinie der Insel Usedom, und ist damit das nord-östlichste deutsche
Waldgebiet. Es handelt sich um einen Kiefern-Mischwald, der auf gesamter Strecke aber fast 50
Baumarten umfasst. Am häufigsten sind Buchen, Erlen und Eichen unter die Nadelbaumbestände
gemischt. Dabei wird die Dominanz der Kiefer in manchen Bereichen offensichtlicher, während sie
in anderen Waldzonen eher in den Hintergrund rückt.
Kiefern sind wie Birken auch typische Pionierarten, die schnell neue Standorte besiedeln können,
sich im Verlauf der fortschreitenden Verwaldung aber als konkurrenzschwach erweisen und oft von
anderen Baumarten verdrängt werden . Auf den ”schlechten” Böden der Ostseeküsten, die oft sandig,
kalkig und damit nährstoffarm und trocken sind, hat es die Konkurrenz allerdings auch nicht leicht,
und so kann sich die Kiefer auch unter natürlichen Umständen hier oft lange behaupten.
Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass der Mensch wie quasi überall in deutschen
Waldgebieten hier aber auch seine Finger im Spiel hat. Der Usedomer Küstenwald wird bewirtschaftet.
Allerdings geschieht das auf nachhaltige Weise. Die Waldbestände der Insel wachsen jedes Jahr weiter
an, aber nur etwas mehr als die Hälfte des Zuwachses wird wirtschaftlich genutzt. Man muss kein
Adam Ries sein, um sich auszumalen, dass das auf lange Sicht eine Vergrößerung des Waldbestandes
bedeutet. In den letzten Jahren hat die Forstverwaltung zudem aktiv den Rückbau von Gebäuden auf
100 Hektar des Waldgebiets vorangetrieben. Durch geschickte Besucherlenkung kann der Tourismus
in bestimmten Waldzonen aktiv beruhigt werden. In den Besucherbereichen finden sich regelmäßig
Rastmöglichkeiten und Hinweistafeln mit Informationen zu Prozessen und Funktionen des Waldes
(Schutzfunktionen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Wasserkreislauf usw.), und erfüllen somit
gleichzeitig eine weitere wichtige Funktion – eine Lehrfunktion.
Usedom hat eine aktive Küstenlinie, die sich durch Abtragung und Anlagerung regelmäßig verändert.
Hier übt der Wald eine Schutzfunktion aus, der die Abtragung durch Wind und Regen mindert.
Gleichzeitig wird entlang der Abbruchkanten die Baumlinie in den meisten Bereichen auf etwa
10 Meter zurückgeschlagen, um eine Lockerung des Untergrundes durch die Verwurzelung und damit
die Abbruchgefahr der Küste zu mindern.
Die ruhigeren Zonen des Küstenwaldes bilden Rückzugsorte für die Natur. Gut ein Drittel des Waldes
(1720 Hektar) sind als FHH-, Naturschutz- und in einem Fall als Besonderes Schutz-(Vogelschutz)
gebiet unter Schutz gestellt. So siedeln im Küstenwald zum Beispiel Seeadler, Kraniche und Fischotter.
Außerdem sind dort verschiedene Orchideen, Leberblümchen oder Sonnentau zu finden.
Anbei ein aar Bilder mit verschiedenen Aspekten des Waldes.
liebe Grüße
Aj
zum Waldgebiet des Jahres 2016 wurde der Küstenwald in Usedom erklärt.
Da der gerade noch in meinem fotografischen Einzugsgebiet liegt, habe ich dort
gestern eine kleine Tour (leider die meiste Zeit bei starkem Regen) gemacht.
Das Waldgebiet des Jahres wird seit 5 Jahren vom Bund Deutscher Förster (BDF) benannt.
Damit sollen besonders vorbildlich und nachhaltig bewirtschaftete Waldsysteme in Deutschland
ausgezeichnet werden. Da Usedom bekannter Weise ein beliebtes Tourismusziel ist, muss hier
insbesondere der Spagat zwischen Erholungsfunktion, Nutz- und Schutzfunktion und der
Lebensraumfunktion für verschiedene Tiere und Pflanzen gemeistert werden.
Der Usedomer Küstenwald erstreckt sich auf einer Fläche von 5000 Hektar entlang der gesamten
äußeren deutschen Küstenlinie der Insel Usedom, und ist damit das nord-östlichste deutsche
Waldgebiet. Es handelt sich um einen Kiefern-Mischwald, der auf gesamter Strecke aber fast 50
Baumarten umfasst. Am häufigsten sind Buchen, Erlen und Eichen unter die Nadelbaumbestände
gemischt. Dabei wird die Dominanz der Kiefer in manchen Bereichen offensichtlicher, während sie
in anderen Waldzonen eher in den Hintergrund rückt.
Kiefern sind wie Birken auch typische Pionierarten, die schnell neue Standorte besiedeln können,
sich im Verlauf der fortschreitenden Verwaldung aber als konkurrenzschwach erweisen und oft von
anderen Baumarten verdrängt werden . Auf den ”schlechten” Böden der Ostseeküsten, die oft sandig,
kalkig und damit nährstoffarm und trocken sind, hat es die Konkurrenz allerdings auch nicht leicht,
und so kann sich die Kiefer auch unter natürlichen Umständen hier oft lange behaupten.
Es soll allerdings nicht verschwiegen werden, dass der Mensch wie quasi überall in deutschen
Waldgebieten hier aber auch seine Finger im Spiel hat. Der Usedomer Küstenwald wird bewirtschaftet.
Allerdings geschieht das auf nachhaltige Weise. Die Waldbestände der Insel wachsen jedes Jahr weiter
an, aber nur etwas mehr als die Hälfte des Zuwachses wird wirtschaftlich genutzt. Man muss kein
Adam Ries sein, um sich auszumalen, dass das auf lange Sicht eine Vergrößerung des Waldbestandes
bedeutet. In den letzten Jahren hat die Forstverwaltung zudem aktiv den Rückbau von Gebäuden auf
100 Hektar des Waldgebiets vorangetrieben. Durch geschickte Besucherlenkung kann der Tourismus
in bestimmten Waldzonen aktiv beruhigt werden. In den Besucherbereichen finden sich regelmäßig
Rastmöglichkeiten und Hinweistafeln mit Informationen zu Prozessen und Funktionen des Waldes
(Schutzfunktionen, Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Wasserkreislauf usw.), und erfüllen somit
gleichzeitig eine weitere wichtige Funktion – eine Lehrfunktion.
Usedom hat eine aktive Küstenlinie, die sich durch Abtragung und Anlagerung regelmäßig verändert.
Hier übt der Wald eine Schutzfunktion aus, der die Abtragung durch Wind und Regen mindert.
Gleichzeitig wird entlang der Abbruchkanten die Baumlinie in den meisten Bereichen auf etwa
10 Meter zurückgeschlagen, um eine Lockerung des Untergrundes durch die Verwurzelung und damit
die Abbruchgefahr der Küste zu mindern.
Die ruhigeren Zonen des Küstenwaldes bilden Rückzugsorte für die Natur. Gut ein Drittel des Waldes
(1720 Hektar) sind als FHH-, Naturschutz- und in einem Fall als Besonderes Schutz-(Vogelschutz)
gebiet unter Schutz gestellt. So siedeln im Küstenwald zum Beispiel Seeadler, Kraniche und Fischotter.
Außerdem sind dort verschiedene Orchideen, Leberblümchen oder Sonnentau zu finden.
Anbei ein aar Bilder mit verschiedenen Aspekten des Waldes.
liebe Grüße
Aj