Unerwartete Vielfalt
Verfasst: 20. Jul 2020, 18:53
Moin,
schon lange wollte ich euch mal diese Beobachtung der Flora von Kreta zeigen. Wenn man sich aber erstmal durch knapp 5000 Bilder durcharbeiten muss, dann dauert es halt etwas länger, bis man so weit ist.
Kreta wird ja schon sehr lange beweidet. Diese Beweidung hat in vielen Regionen schon zu einer starken Überbeweidung geführt, so dass sich dort nur noch Pflanzen halten können, die den Ziegen/Schafen entweder nicht schmecken (einige Lippenblüter) oder stark dornig sind. Andererseits gibt es in den Gebirgen sogenannte Dolinen. Das sind Senken, in denen sich die Feinerdeanteile des Schmelzwasser vom Frühling sammeln. Diese Böden sind lehmig-tonig und beherbergen eine eigene, oft eigenartige Flora. Diese Pflanzenarten sind oft sehr klein, aber trotzdem ausdauernd mit massiven unterirdischen Pflanzenorganen. Man hat vor einigen Jahren sogar eine neue, endemische und monotypische Gattung (Horstrissea dolinicola) von Doldenblütern auf Kreta gefunden, die nur in sehr wenigen, nahe beieinanderliegenden Dolinen wächst und nirgendwo sonst..... Weltbestand ein paar dutzend Pflanzen auf knapp 3000 m² (https://top50.iucn-mpsg.org/species/41). Leider war ich zur falschen Zeit dort um sie zu sehen..... ausserdem wird sie von den Naturschützern bewacht.
Die extreme Kleinwüchsigkeit dieser Pflanzen hat was mit den starken Strömungen zur Schneeschmelze zu tun, brachte aber auch Vorteile an stark beweideten Stellen. So konnten einige dieser Arten aus den Dolinen neue Standorte erschliessen.
Bei meinem Besuch am Standort von Siebers Krokus konnte ich von oben einen Blick auf die Nida-Hochebene im Psiloritis-Gebirge werfen. Es ist die gelblichgrüne Fläche unterhalb der Berge. Die ganze Hochebene hat eine eine Fläche von ca. 2 km².
Von oben betrachtet gab sie botanisch nicht viel her. Ein paar Tage später bin ich aber doch nochmal hochgefahren, um mir die Berge im HG anzusehen. Dabei musste ich durch diese Ebene laufen. Die größeren Schafherden waren aber nicht das Einzige, was dort vorhanden war. Die Vielfalt an Pflanzen und Insekten, die ich dort gesehen habe, hat mich sehr überrascht. Die einzigen größeren Pflanzen waren wieder extrem pieksig (Kreta-Berberitze, diverse Disteln, Hauhechel-Arten, Kreta-Tragant). Der Boden bestand aber fast nur aus Blütenpflanzen wie Einblütigem Klee, Teppich-Knöterich, Senfblättriger Flockenblume, Steifer Färberkamille und einigen anderen, gerade nicht blühenden Arten.
Das Beste war aber, man kann es auf den Bildern nicht sehen, tausende und abertausende von Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlingen, die sich an den Millionen von Blüten labten. Die ganze Luft summte. Alle diese Pflanzen sind wahrscheinlich in den Dolinen entstanden und entkommen durch ihre Anpassung nun dem Fraß durch die Huftiere, weil sie kaum einen Zentimeter über den Boden ragen.
Unter der Erde sieht es größenmässig wiederum ganz anders aus. An einem Erdabriss konnte ich mal die Wurzel eines Einblütigen Klee studieren. Das Polster war ca. 1 cm hoch und hatte einen Durchmesser von ca. 20 cm. Die Wurzel jedoch war so dick wie ein Kinder-Unterarm und dürfte mehr als einen Meter tief in die Erde reichen!
Manchmal lohnt es sich, sich auch aus der Ferne langweilig erscheinende Habitate anzusehen.
schon lange wollte ich euch mal diese Beobachtung der Flora von Kreta zeigen. Wenn man sich aber erstmal durch knapp 5000 Bilder durcharbeiten muss, dann dauert es halt etwas länger, bis man so weit ist.
Kreta wird ja schon sehr lange beweidet. Diese Beweidung hat in vielen Regionen schon zu einer starken Überbeweidung geführt, so dass sich dort nur noch Pflanzen halten können, die den Ziegen/Schafen entweder nicht schmecken (einige Lippenblüter) oder stark dornig sind. Andererseits gibt es in den Gebirgen sogenannte Dolinen. Das sind Senken, in denen sich die Feinerdeanteile des Schmelzwasser vom Frühling sammeln. Diese Böden sind lehmig-tonig und beherbergen eine eigene, oft eigenartige Flora. Diese Pflanzenarten sind oft sehr klein, aber trotzdem ausdauernd mit massiven unterirdischen Pflanzenorganen. Man hat vor einigen Jahren sogar eine neue, endemische und monotypische Gattung (Horstrissea dolinicola) von Doldenblütern auf Kreta gefunden, die nur in sehr wenigen, nahe beieinanderliegenden Dolinen wächst und nirgendwo sonst..... Weltbestand ein paar dutzend Pflanzen auf knapp 3000 m² (https://top50.iucn-mpsg.org/species/41). Leider war ich zur falschen Zeit dort um sie zu sehen..... ausserdem wird sie von den Naturschützern bewacht.
Die extreme Kleinwüchsigkeit dieser Pflanzen hat was mit den starken Strömungen zur Schneeschmelze zu tun, brachte aber auch Vorteile an stark beweideten Stellen. So konnten einige dieser Arten aus den Dolinen neue Standorte erschliessen.
Bei meinem Besuch am Standort von Siebers Krokus konnte ich von oben einen Blick auf die Nida-Hochebene im Psiloritis-Gebirge werfen. Es ist die gelblichgrüne Fläche unterhalb der Berge. Die ganze Hochebene hat eine eine Fläche von ca. 2 km².
Von oben betrachtet gab sie botanisch nicht viel her. Ein paar Tage später bin ich aber doch nochmal hochgefahren, um mir die Berge im HG anzusehen. Dabei musste ich durch diese Ebene laufen. Die größeren Schafherden waren aber nicht das Einzige, was dort vorhanden war. Die Vielfalt an Pflanzen und Insekten, die ich dort gesehen habe, hat mich sehr überrascht. Die einzigen größeren Pflanzen waren wieder extrem pieksig (Kreta-Berberitze, diverse Disteln, Hauhechel-Arten, Kreta-Tragant). Der Boden bestand aber fast nur aus Blütenpflanzen wie Einblütigem Klee, Teppich-Knöterich, Senfblättriger Flockenblume, Steifer Färberkamille und einigen anderen, gerade nicht blühenden Arten.
Das Beste war aber, man kann es auf den Bildern nicht sehen, tausende und abertausende von Bienen, Hummeln, Fliegen und Schmetterlingen, die sich an den Millionen von Blüten labten. Die ganze Luft summte. Alle diese Pflanzen sind wahrscheinlich in den Dolinen entstanden und entkommen durch ihre Anpassung nun dem Fraß durch die Huftiere, weil sie kaum einen Zentimeter über den Boden ragen.
Unter der Erde sieht es größenmässig wiederum ganz anders aus. An einem Erdabriss konnte ich mal die Wurzel eines Einblütigen Klee studieren. Das Polster war ca. 1 cm hoch und hatte einen Durchmesser von ca. 20 cm. Die Wurzel jedoch war so dick wie ein Kinder-Unterarm und dürfte mehr als einen Meter tief in die Erde reichen!
Manchmal lohnt es sich, sich auch aus der Ferne langweilig erscheinende Habitate anzusehen.
