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Kleiner Goldschreck - Wissenswertes für Schreckenfans

Verfasst: 27. Dez 2008, 17:05
von Jürgen Fischer
Winterzeit - Dokuzeit!

Zwei der Bilder stehen schon im Forum! Infos zur Art sind auch bereits in der AG http://www.makro-forum.de/artengalerie/ ... p?album=71!
Dies ist der Versuch ein umfassendes Portrait der hübschen Feldheuschrecke zu erstellen! Weitere Bilder, mit Infos sind daher herzlich willkommen! Marcus kann sich dann das passende für die AG raussuchen!

Bild 1: Die Geschlechterfindung geschieht hauptsächlich akkustisch! Ein leises Schwirren des Männchen, mit den Hinterbeinen erzeugt, sorgt für das richtige Stelldichein! Die Paarung selbst erfolgt nach dem üblichen Caeliferen - Muster. Feldheuschreckenmännchen bespringen das Weibchen, biegen den Hinterleib nach unten und verhaken ihre Genitalarmaturen mit denen des Weibchens. (Der Begriff stammt nicht von mir!!!) Dann wird eine kleine, äußerlich nicht sichtbare Spermatophore eingeführt. Der Kopulationsakt kann bei der Art einige Stunden dauern! Wichtig für uns der Hinweis mit dem Verhaken der Geschlechtorgane! Werden Feldheuschrecken bei der Paarung gestört, springt meist das Weibchen davon und reißt das verhakte Männchen mit sich! Ob das nun weh tut möcht ich mir an der Stelle lieber nicht vorstellen, aber ich denke es sollte für uns selbstverständlich sein hier beim Foten sehr vorsichtig zu Werke zu gehen!!

Bilder 2 und 3 zeigen wie das befruchtete Weibchen die Eier deponiert. Es sucht sich einen geeigneten Standort, den es sehr sorgfältig mit Hilfe aller seiner Sinne auswählt! Schließlich sollen sich die Eier in einem optimalen Mikroklima entwickeln können! Dabei sind geringste Entfernungen zu anderen Plätzen bereits ausschlaggebend! Da die Weibchen bei der Eiablage sehr wenig Schreck - und Fluchtreaktionen zeigen, könnte man auf die Idee kommen, durch " Gestaltung" der Umgebung oder Umsetzen des ganzen Eiablagemediums fotografisch perfekte Verhältnisse zu schaffen! Ich denke, ich hab begründet, warum ich das in diesem Fall strikt ablehnen würde!!
Das Tier faltet mit den Beinen Blätter leicht zusammen und legt dann seine Eier in den entstandenen Hohlraum. Eine darüberhinausgehende Schaffung von Hohlräumen durch zum Beispiel Anstechen von hohlen Pflanzenstengeln oder Graben von Löchern im Boden, so wie bei anderen Feldheuschrecken geschieht bei der Art nicht!

Bild 4 zeigt den Eiablageplatz kurz nach Verlassen des Weibchens. In der Regel arbeiten die Tiere sehr sorgfältig und ein derart "schlampiges" Gelege hab ich bisher auch erst zweimal gesehen! Es könnte daran liegen, dass das Weibchen nach einer bestimmten Anzahl von Ablagen einfach keinen so starken Instinktstau mehr verspürt und die normale Präzision nach und nach abnimmt! Sicherlich wird im gleichen Maße auch die Fluchtbereitschaft ansteigen!
Wir sehen so aber mal in das Gelege hinein und erkennen, dass die kleine Goldschrecke zum Eiablagetypus "Kokonleger" gehört! Der entstandene Pflanzenhohlraum wird mit einem schaumigen Sekret erfüllt und darin werden dann 5-6 Eier abgelegt (Literaturangabe!)

Bild 5 zeigt dieses Schaumgelege nach etwas längerer Zeit. Der Schaum ist ähnlich wie Bauschaum an der Luft ausgehärtet und bildet nun einen guten thermischen und mechanischen Schutz um die Eier. Der Nachwuchs kann an optimaler Stelle unter den bestmöglichen Voraussetzungen überwintern und für die Arterhaltung sorgen.

Bilder vom Schlupf hab ich leider keine, auch Larvenbilder kann ich noch nicht anbieten! Aber vielleicht habt ihr etwas auf Lager?!

Darüberhinaus sind natürlich auch alle Bilder willkommen, die uns das Leben der Kleinen Goldschrecke etwas näherbringen!

LG Jürgen

Verfasst: 27. Dez 2008, 17:11
von Frederik f56
Coole Doku! Naturfotografie pur!
Solche Bilder sind natürlich "Gold" für die Artengalerie.

Mal sehen ob ich sowas nächstes Jahr auch mal schaffe...

Gruß
Fred

Verfasst: 27. Dez 2008, 17:12
von Catweazle XX
Hallo Jürgen,

klasse Doku und schöne Bilder!
Danke für deine Mühe!

Darüber mußte ich doch etwas schmunzeln: "verhaken ihre Genitalarmaturen" :)

Viele Grüße

Micha

Verfasst: 27. Dez 2008, 17:21
von Andreas Th. Hein
Hallo Jürgen,
meinen aller grössten Respekt für diese Dokumentation , die in Wort und Bild überzeugt. LG Andreas

Verfasst: 27. Dez 2008, 18:04
von Held
Hallo Jürgen,

so machst du mich zu einem glücklichen Menschen. Sehr scön anzusehen und informativ allemal. Die Eiablage in/an Planzen konnte ich noch nicht beobachten oder dokumentieren. Von der Beschaffenheit eines solchen Geleges hatte ich somit bis jetzt noch keine Vorstellung.

Verfasst: 27. Dez 2008, 18:34
von Thorsten
Hallo Jürgen,

absolut überzeugender Beitrag! Dankeschön dafür!! :-)

Auch bildlich in exzellenter Form dokumentiert - hierbei gelten m.E. ganz andere "Messlatten" als in der Galerie... mag aber nur meine Vorstellung sein...

Leider kann ich den Beitrag nicht ergänzen, denn ich habe sie erst einmal in der SK bewusst gesehen und dabei von einem Weibchen einfache "Ansicht-Dokus" geschossen, die hier nichts bringen würden... Hat sich was mit dem "in den Norden ziehen", hier oben findest Du sie definitiv nicht... ;-)

Ganz groß! So soll "Doku" sein!!
Gruß, Thorsten

Fortsetzung

Verfasst: 28. Dez 2008, 15:31
von Jürgen Fischer
Ich häng jetzt erst mal meine restlichen Bilder, die ich zur Art habe an, weitere könnten dann von euch oder auch erst im nächsten Sommer folgen!

Bild 1: nochmal die Eiablage in einem Farnwedel! Erstaunlich, dass sich das Weibchen von der im HG ruhenden Gerandeten Jagdspinne nicht im geringsten beeindruckt zeigte. Sie hatte sie wohl nicht registriert!

Bild 2: Das Männchen allein mit poppig grüner Diskofarbe. Verwechslungsgefahr besteht eigentlich nur mit den Männchen der Großen Goldschrecke, das genauso quitschig gefärbt ist! Bestes Unterscheidungsmerkmal sind die heller gefärbten Hinterknie, bei der Großen sind die Hinterknie sehr dunkel bis schwarz.

Bild 3 und 4: Die Weibchen sind an sich durch die kurzen schuppenförmigen und rosa bis rot eingefärbten Flügelstummel, in unseren Breiten unverwechselbar!
Aber Achtung, es treten immer wieder langflügelige (macroptere) Individuen auf und schon ist`s mit dem schönen Bestimmungsmerkmal Essig! Bei Bild 3 kann auch keine farbliche Sonderstellung der Flügel weiterhelfen, während bei Bild 4 die rosaroten Flügelbasis schnell die richtige Art erkennen lässt!
Langflügelige Individuen sonst kurzflügeliger Arten treten meist dann auf, wenn die Populationsdichte am Standort zu hoch wird! Da langflügelige Exemplare deutlich mobiler sind, als die kurzflügeligen, werden die macropteren Formen häufig als Wanderformen gedeutet, die in der Lage sind neue Lebensräume zu erschließen!

LG Jürgen

Verfasst: 28. Dez 2008, 15:50
von Frank Divossen
Hallo, Jürgen,

eine wirklich interessante Dokumentation von Dir. Ich kann deinen Ausführungen immer gespannt folgen und danach bin ich wieder ein Stück schlauer geworden :-) Nicht zu vergessen, die tollen Bilder von Dir.

Verfasst: 28. Dez 2008, 16:18
von Magdalena Schaaf
Hallo Jürgen,

eine tolle Doku hast Du zusammen gestellt!
V.a. die Eimasse, ihre Veränderung und die langflügeligen Exemplare begeistern und faszinieren mich.

Vielen Dank!
Liebe Grüße,
Magdalena

Verfasst: 28. Dez 2008, 16:30
von Inger D.-G.
Hallo Jürgen,

danke für die wunderschöne Doku in Bildern und Worten.
Durch deine ausführliche Beschreibung untermalt mit schönen Naturbildern habe ich wieder vieles dazu gelernt.
Soo schön kann Natur-Fotografie aussehen!!!