Eiablage-Formen bei Libellen
Verfasst: 24. Apr 2013, 10:59
Die Lebensform der Libelle als Imago und Fluginsekt dient letztlich vor allem zu einem:
Der Arterhaltung - Paarung und Eiablage.
Dabei haben die Libellen in den über 300 Millionen Jahren ihrer Existenz auf der Erde ihre Strategien
- je nach Art - so weiterentwickelt,
... dass möglichst viele Nachkommen in der nächsten Generation vorhanden sind (viele Eier auf einmal)
... dass auch klimatische Schwankungen diese Arterhaltung nicht komplett zerstören können (z. B. durch
mehrjährige Larven usw.),
... dass die Jahreszeiten mit einbezogen werden (Überwintern als Ei oder eingegrabene Larve oder bei
der Winterlibelle durch körpereigenes "Frostschutzmittel" zum Überwintern als Imago),
... dass Fressfeinde durch Auflauern bei der Eiablage nicht eine komplette Population auslöschen können
(Masseneiablagen bei einigen Kleinlibellenarten).
... dass möglichst die stärksten Männchen zum Vermehrungserfolg kommen (z. B. "Verfolgungsflug" der
Zangenlibellen vor der Paarung)
Es gibt unterschiedliche Erscheinungsformen bei der Eiablage, welche ich
weiter unten mit Bildern darzustellen versuche.
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notwendige Vorab-Info:
Gemeinsam ist dabei ein Prinzip: Der "genetische Eigennutz" der Männchen:
Das heißt, dass bei nahezu allen Eiablageformen eine Komponente enthalten ist, wie das Männchen
dafür sorgt, dass das eigene Erbgut bei der Eiablage weitergegeben wird und nicht ein Konkurrent
die Möglichkeit hat, sich "vorzudrängeln" und dadurch diesem Männchen die Befruchtung der Eier
des verpaarten Weibchens zu verderben.
Grundsätzlich ist bei Libellen nämlich anatomisch möglich, dass trotz Paarung und Weitergabe des
Samens ein nachfolgendes Männchen die Befruchtung durch vorangehende Paarungen verhindern
kann. Denn die Samen werden in eine Samentasche am Eileiter-Ausgang der Weibchen gefüllt. Erst
bei der Eiablage passiert das herausgleitende Ei die Samentasche und wird kurz vor dem Verlassen
der "Röhre" vom zuletzt eingefüllten Samen befruchtet. Es gilt also das Prinzip "Last in - First out",
sinngemäß übersetzt: "der Same, der zuletzt eingefüllt wird, befruchtet zuerst das Ei".
Kommt es also nach der Verpaarung eines Männchens mit dem Weibchen zu einer weiteren Paarung
des Weibchens, kommt das letzte Männchen "zum Zug". Abgesehen davon können Männchen bei
der Paarung vor dem Einfüllen des Samens bereits vorhandenen Samen aus der Samentasche
"ausräumen", wozu das sekundäre Kopulationsorgan anatomisch eine spezielle Möglichkeit bietet.
Daher sind Strategien notwendig, welche verhindern, dass VOR oder WÄHREND der Eiablage ein
konkurrierendes Männchen die Möglichkeit bekommt, das Weibchen zu ergreifen und eine Paarung
zu vollziehen.
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Eiablage-Formen bei verschiedenen Libellenarten:
1. Die Tandem-Eiablage
Das Männchen hält nach der Lösung des Paarungsrades noch das Weibchen mit seinen Hinterleibs-
Greifern fest (die Tandemformation wird erhalten), zwingt dadurch das Weibchen, sofort die Eiablage
vorzunehmen und vollzieht diese gemeinsam mit dem Weibchen. Ein konkurrierendes Männchen
müsste nun das verhakte Männchen vom Weibchen lösen und sofort die Paarung vollziehen, um sich
"vordrängeln" zu können.
In der Tat kann man Bemühungen von einzelnen Männchen beobachten, welche vorhandene
"Tandems" attackieren, um diese Formation zu lösen. Die Chancen sind einigermaßen gering. Es
kommt aber durchaus vor, dass bei einer Attacke ein Tandem aus dem Gleichgewicht gerät und
die einzige Rettung vor dem Absturz im Ablassen des Männchens vom Weibchen besteht. Dann
kann das angreifende Männchen zuschlagen.
Tandem-Eiablagen gibt es in mindestens 3 Formen:
- Tandem-Eiablage im Flug (z. B. einige Heidelibellen-Arten)
- Tandem-Eiablage mit aufsitzendem Männchen (z. B. die meisten Schlanklibellen und Federlibellen)
- Tandem-Eiablage mit vorlaufendem Männchen (z. B. Winterlibellen, Südliche Mosaikjungfer, Kleine Königslibelle, ...)
2. Die bewachte Eiablage
Hierbei löst das Männchen die Tandemformation nach dem Paarungsrad durch Loslassen des
Weibchens und bleibt in der Nähe des verpaarten Weibchens. Durch Attacken und Überfliegen
des Weibchens zwingt das Männchen das Weibchen zur sofortigen Eiablage und "wacht" flie-
gend oder sitzend über der Eiablagestelle, um das Weibchen vor Angriffen und Paarungsversuchen
anderer Männchen zu beschützen.
Das Problem besteht darin, dass nicht alle Weibchen die Eier gleich nach dem Lösen des Paarungs-
rades ablegen wollen und manchmal dem Männchen entkommen. Dann ist für dieses Männchen
die Weitergabe der eigenen Gene nicht sichergestellt.
Diese Form ist z. B. von den Blaupfeilen und anderen Segellibellen verbreitet.
3. Die zeitverzögerte Solo-Eiablage
Hierbei verlässt das Weibchen nach der Paarung fluchtartig das Gewässer und vollzieht die Eiablage
zu einem späteren Zeitpunkt. Oft zu einer Zeit, wenn die Männchendichte abnimmt oder an einem
vor Männchen verborgenen Ort. Zeitpunkte mit geringerer Männchendichte sind zum Beispiel die
frühen Morgenstunden oder die späten Abendstunden (Dämmerung) oder wenn die Sonne weggeht
und sich die Luft abkühlt. Oft können einzelne Weibchen zu diesen Zeiten bei der (dann ungestörten)
Eiablage beobachtet werden.
Auch bei dieser Methode ist die Wahrscheinlichkeit einer Zweitverpaarung geringer, allerdings für das
Männchen nicht zu kontrollieren.
Zu beobachten ist dies z. B. bei der Großen Königslibelle oder den meisten anderen Edellibellen.
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Der Arterhaltung - Paarung und Eiablage.
Dabei haben die Libellen in den über 300 Millionen Jahren ihrer Existenz auf der Erde ihre Strategien
- je nach Art - so weiterentwickelt,
... dass möglichst viele Nachkommen in der nächsten Generation vorhanden sind (viele Eier auf einmal)
... dass auch klimatische Schwankungen diese Arterhaltung nicht komplett zerstören können (z. B. durch
mehrjährige Larven usw.),
... dass die Jahreszeiten mit einbezogen werden (Überwintern als Ei oder eingegrabene Larve oder bei
der Winterlibelle durch körpereigenes "Frostschutzmittel" zum Überwintern als Imago),
... dass Fressfeinde durch Auflauern bei der Eiablage nicht eine komplette Population auslöschen können
(Masseneiablagen bei einigen Kleinlibellenarten).
... dass möglichst die stärksten Männchen zum Vermehrungserfolg kommen (z. B. "Verfolgungsflug" der
Zangenlibellen vor der Paarung)
Es gibt unterschiedliche Erscheinungsformen bei der Eiablage, welche ich
weiter unten mit Bildern darzustellen versuche.
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notwendige Vorab-Info:
Gemeinsam ist dabei ein Prinzip: Der "genetische Eigennutz" der Männchen:
Das heißt, dass bei nahezu allen Eiablageformen eine Komponente enthalten ist, wie das Männchen
dafür sorgt, dass das eigene Erbgut bei der Eiablage weitergegeben wird und nicht ein Konkurrent
die Möglichkeit hat, sich "vorzudrängeln" und dadurch diesem Männchen die Befruchtung der Eier
des verpaarten Weibchens zu verderben.
Grundsätzlich ist bei Libellen nämlich anatomisch möglich, dass trotz Paarung und Weitergabe des
Samens ein nachfolgendes Männchen die Befruchtung durch vorangehende Paarungen verhindern
kann. Denn die Samen werden in eine Samentasche am Eileiter-Ausgang der Weibchen gefüllt. Erst
bei der Eiablage passiert das herausgleitende Ei die Samentasche und wird kurz vor dem Verlassen
der "Röhre" vom zuletzt eingefüllten Samen befruchtet. Es gilt also das Prinzip "Last in - First out",
sinngemäß übersetzt: "der Same, der zuletzt eingefüllt wird, befruchtet zuerst das Ei".
Kommt es also nach der Verpaarung eines Männchens mit dem Weibchen zu einer weiteren Paarung
des Weibchens, kommt das letzte Männchen "zum Zug". Abgesehen davon können Männchen bei
der Paarung vor dem Einfüllen des Samens bereits vorhandenen Samen aus der Samentasche
"ausräumen", wozu das sekundäre Kopulationsorgan anatomisch eine spezielle Möglichkeit bietet.
Daher sind Strategien notwendig, welche verhindern, dass VOR oder WÄHREND der Eiablage ein
konkurrierendes Männchen die Möglichkeit bekommt, das Weibchen zu ergreifen und eine Paarung
zu vollziehen.
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Eiablage-Formen bei verschiedenen Libellenarten:
1. Die Tandem-Eiablage
Das Männchen hält nach der Lösung des Paarungsrades noch das Weibchen mit seinen Hinterleibs-
Greifern fest (die Tandemformation wird erhalten), zwingt dadurch das Weibchen, sofort die Eiablage
vorzunehmen und vollzieht diese gemeinsam mit dem Weibchen. Ein konkurrierendes Männchen
müsste nun das verhakte Männchen vom Weibchen lösen und sofort die Paarung vollziehen, um sich
"vordrängeln" zu können.
In der Tat kann man Bemühungen von einzelnen Männchen beobachten, welche vorhandene
"Tandems" attackieren, um diese Formation zu lösen. Die Chancen sind einigermaßen gering. Es
kommt aber durchaus vor, dass bei einer Attacke ein Tandem aus dem Gleichgewicht gerät und
die einzige Rettung vor dem Absturz im Ablassen des Männchens vom Weibchen besteht. Dann
kann das angreifende Männchen zuschlagen.
Tandem-Eiablagen gibt es in mindestens 3 Formen:
- Tandem-Eiablage im Flug (z. B. einige Heidelibellen-Arten)
- Tandem-Eiablage mit aufsitzendem Männchen (z. B. die meisten Schlanklibellen und Federlibellen)
- Tandem-Eiablage mit vorlaufendem Männchen (z. B. Winterlibellen, Südliche Mosaikjungfer, Kleine Königslibelle, ...)
2. Die bewachte Eiablage
Hierbei löst das Männchen die Tandemformation nach dem Paarungsrad durch Loslassen des
Weibchens und bleibt in der Nähe des verpaarten Weibchens. Durch Attacken und Überfliegen
des Weibchens zwingt das Männchen das Weibchen zur sofortigen Eiablage und "wacht" flie-
gend oder sitzend über der Eiablagestelle, um das Weibchen vor Angriffen und Paarungsversuchen
anderer Männchen zu beschützen.
Das Problem besteht darin, dass nicht alle Weibchen die Eier gleich nach dem Lösen des Paarungs-
rades ablegen wollen und manchmal dem Männchen entkommen. Dann ist für dieses Männchen
die Weitergabe der eigenen Gene nicht sichergestellt.
Diese Form ist z. B. von den Blaupfeilen und anderen Segellibellen verbreitet.
3. Die zeitverzögerte Solo-Eiablage
Hierbei verlässt das Weibchen nach der Paarung fluchtartig das Gewässer und vollzieht die Eiablage
zu einem späteren Zeitpunkt. Oft zu einer Zeit, wenn die Männchendichte abnimmt oder an einem
vor Männchen verborgenen Ort. Zeitpunkte mit geringerer Männchendichte sind zum Beispiel die
frühen Morgenstunden oder die späten Abendstunden (Dämmerung) oder wenn die Sonne weggeht
und sich die Luft abkühlt. Oft können einzelne Weibchen zu diesen Zeiten bei der (dann ungestörten)
Eiablage beobachtet werden.
Auch bei dieser Methode ist die Wahrscheinlichkeit einer Zweitverpaarung geringer, allerdings für das
Männchen nicht zu kontrollieren.
Zu beobachten ist dies z. B. bei der Großen Königslibelle oder den meisten anderen Edellibellen.
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