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Die Bienenwolfgoldwespe

Verfasst: 9. Jul 2013, 15:19
von Ajott
Hallo zusammen,

als ich gestern frisch und erholt in den frühen Morgenstunden*hüstel* aufwachte und die Sonne gerade im Zenit stand
war der Zeitpunkt, um zu christlichen Zeiten auf der Arbeit zu erscheinen eh schon längst verpasst. Also beschloss ich mal
wieder die günstige Gelegenheit zu nutzen und bei den Bienenwölfen vorbei zu schauen. Dass ich an diesem Tag recht
nachhaltig von meinem Wunschmotiv - Bienenwolf trägt Biene ein im Flug - abgelenkt werden sollte, ahnte ich da noch nicht.
Was bitte ist schon cooler als ein Bienenwolf bei der Arbeit?

Die Antwort ist leicht - die Bienenwolfgoldwespe bei ebensolcher.

Schon im letzten Jahr konnte ich die Art in der Kolonie beobachten. Brauchbare Bilder schießen zu können schloss ich
damals aber aus. Als sie sich gestern aber regelrecht anbieterten juckte es mich doch in den Fingern, es mal zu versuchen.
Neben allerhand dokumentarischen Schüssen, sind mir sogar einige gelungen, die das schöne Tier gut darstellen können
meine ich. Eine Auswahl vor allem von ersterem folgt unten.

Es gibt etwa 100 Goldwespenarten in Deutschland, die allesamt parasitisch an anderen Wespenarten oder in Einzelfällen
auch an Bienen leben. Die Zuordnung der kleinen metallisch schillernden Wespen fällt oft schwer. Die Bienenwolfgoldwespe
(Hedychrum rutilans) hat sich jedoch rein auf den Bienenwolf (Philanthus) als Wirt spezialisiert, was die Wiedererkennung
stark vereinfacht.

Als Brutparasit ernährt sich die Larve der Goldwespe zunächst von der Larve des Bienenwolfes. Ist diese Quelle aufgerbraucht,
macht sie sich über die eingetragenen Honigbienen her.

Die Goldwespe kann bereits versiegelte Brutkammern des Bienenwolfes nicht mehr erreichen, und verfolgt daher zwei Strategien,
um ihr Ei vorher richtig zu platzieren. Teils versucht sie bereits ihr Ei auf der Biene abzulegen, sobald die Bienenwölfin mit ihrer
Beute am Nest erscheint. Gelingt das nicht oder verpasst sie das Eintragen, dringt die kleine Goldwespe auch aktiv in das Nest
der großen Grabwespe ein und sucht Bienen auf, die im Gang zwischengelagtert wurden, während die Bienenwölfin an der Brutkammer
arbeitet. Beide Varianten konnte ich beobachten.

Um im Nest weniger leicht von ihrem Wirt erkannt zu werden wendet die Goldwespe chemische Mimikry an. Dabei produziert sie
kutikuläre Kohlenwasserstoffe, die auch die Bienenwölfin erzeugt. Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffes soll sich so deutlich verringern.

Weitere Infos zu den Beobachtungen am Bild.

liebe Grüße
Aj

..es folgt gleich noch ein zweiter Beitrag mit mehr Bildern ..

Verfasst: 9. Jul 2013, 15:25
von Gabriele
Hallo Anja,

eine sehr schöne Doku und gerade für mich sehr interessant. Die letzten beiden
Tage habe ich nach dem Bienenwolf gesucht aber leider nicht gefunden. Ich
wurde zwar mit etlichen anderen sehr schönen Motiven verwöhnt, aber ausgerechnet
der Bienenwolf ist nicht aufzufinden :(

LG Gabriele

Verfasst: 9. Jul 2013, 15:31
von Ajott
und hier Teil zwei

Verfasst: 9. Jul 2013, 15:33
von Corela
Hallo Anja,

ich kann nur staunen und schreiben: Was es alles gibt?!
Das ist wieder ganz toll, was du hier zeigst und auch geschrieben hast :ok:

Verfasst: 9. Jul 2013, 15:38
von Ajott
und der letzte Teil..

den Text diesmal hier, ist für die Box zu lang ;-)

sonstiges:

Zum Schluss soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch die erste Bienenwölfin letztlich nicht verschont blieb. Da Bienenwölfe weder die Gabe
noch den Willen zu besitzen scheinen, sich durch Wikipediartikel oder Texte diverser Naturführer zu lesen, ist ihnen in meiner Kolonie anscheinend
nicht klar, dass sie ihre Nester verschließen, sobald sie sie verlassen um Beute zu machen. So ist für mich ein verlassenes offen stehendes
Nest häufig ein guter Anhaltspunkt dafür, wo möglichweise demnächst ein Weibchen mit Beute einfliegen mag.
Aber bevor ich noch bei dem Nest ankam, hatte die Goldwespe es schon entdeckt und versuchte erneut ihr Glück.. diesmal erfolgreich.
Auch nach 5 Minuten war sie noch immer nicht wieder aufgetaucht, und ich überlegte schon, ob ich ihren Ausflug vielleicht verpasst hatte.
Da tauchte im Augenwinkel die Bewohnerin mit Beute auf.

Gespannt hielt ich den Atem an. Ich erwartete in den nächsten Sekunden eine eiligst flüchtende Goldwespe, eine zerkaute und mit den
Mandibeln herausbeförderte Goldwespe oder dass rein gar nichts passieren würde, weil ich sie tatsächlich verpasst hätte. Aber 2 Minuten
lang passierte gar nichts - wenn man auf etwas wartet, eine Ewigkeit. Doch plötzlich tauchte scheinbar unbeeindruckt die kleine Goldwespe
im Eingang der Röhre auf und machte sogar Anstalten sich dort zu putzen.. erst ein beherztes Nachhelfen der Bienenwölfin konnte sie letztlich
wieder vertreiben...

Verfasst: 9. Jul 2013, 15:49
von Benjamin
Hallo Anja,

das Portrait der Goldwespe ist wirklich sehr schön geworden - klasse Foto!

Die gesamte Doku finde ich einfach nur stark.
Toll bebildert und beschrieben - gerade der letzte Beitrag liest sich fast wie ein Krimi.
Die Idee mit den "Comic-Strips" aus mehreren Bildern finde ich auch sehr gut - passt hier 1A.

Ist echt zu schade, daß ich die Bienenwölfe bei uns noch nicht gefunden habe. :(

Verfasst: 9. Jul 2013, 16:03
von derflo
Hi Anja,

das ist wirklich eine tolle Doku. Sehr spannend und super bebildert.

lg
Flo

Verfasst: 9. Jul 2013, 17:17
von erwin50
Hallo Anja,
total irre!
Super dokumentiert; sehr informativer Text UND schöne Bilder!

Verfasst: 9. Jul 2013, 21:06
von michelchen
Hallo Anja,

vielen Dank für die Doku.
Für mich im Moment besonders interessant, da ich mich in nächster Zeit in einem sandigen Habitat rumtreiben werde.

Viele Grüße

Michael

Verfasst: 9. Jul 2013, 21:33
von mischl
Hallo Anja,

eine super Doku mit sehr schönen Infos, teilweise spannend dargeboten.
Die Bilderfolge ist in der Art witzig gemacht, kann man schön die Storry verfolgen.
Tolle Arbeit

Gruß
Mischl