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Der Wisent - Tier des Jahres 2014

Verfasst: 20. Apr 2014, 18:06
von Gabriele
Hallo zusammen,

ich habe mich ja freiwillig gemeldet etwas über Wisente zu schreiben. Nach langer Überlegung habe ich mich dazu
entschlossen hier nicht wie sonst üblich etwas über die Lebensart, sondern stattdessen die Geschichte ihrer
Bedrohung und der Wiederaufzucht zu erzählen... Vielleicht eine Geschichte mit Happy End....

Der Wisent
Der Wisent (Bison bonasus), auch Europäisches Bison genannt, wurde dieses Jahr (2014) erneut zum Tier des Jahres ernannt.

Ein oder zwei Millionen Jahre lebten Wisente frei in kleinen Herden in Laub-, Nadel- und Mischwäldern. Dabei waren
in den Herden wie bei den Elefanten nur Kühe und Jungtiere. Die Bullen gesellten sich nur zur Brunftzeit zu den Kühen.

Aber bereits vor 6.000 Jahren begann der Lebensraum zu schrumpfen. In Frankreich war der Wisent daher schon im
8. Jahrhundert fast ausgestorben, im heutigen Deutschland verschwanden sie zwischen dem 14. und 16. Jahrhundert,
im heutigen Polen waren sie seit dem 11. Jahrhundert extrem selten, in Ostpreußen wurde 1755 der letzte erlegt. Nur
in Rumänien konnten sich die Tiere bis Ende des 18. Jahrhundert halten.

Der russische Zar hat 1795 ein großes Gebiet unter strengen Schutz gestellt. Aber nicht um die Wisente zu schützen,
sondern um sie jagen zu können. Doch dadurch konnte das einfache Volk den Tieren nichts anhaben und sie wurden
sogar jährlich gezählt. Zwei Epidemien reduzierten den Bestand jedoch von 1900 Tieren (1857) auf 150 Tiere (1917).
Soldaten aus dem ersten Weltkrieg reduzierten sie dann auf 5 Tiere (1919).

1920 waren sie somit dann in ganz Europa vom Aussterben bedroht und 1927 wurde der letzte freilebende Bulle im
Kaukaus erschossen. Alle heute lebenden Wisente stammen von den letzten zwölf Tieren ab, die damals in Zoos und
Tiergehegen gehalten wurden.

Von den zwei Unterarten der Bergwisent (Bison bonasus caucasicus) und der Flachlandwisent (Bison bonasus bonasus)
existiert der Bergwisent nur noch als Hybride. Alle reinrassigen Tiere werden heute in dem Weltwisentzuchtbuch, das im
Bialowieza-Nationalpark geführt wird, registriert.

Die Auswilderung
1940 wurden 5 Tiere im Westkaukausus in einem Reservat angesiedelt. Bis 1985 ist deren Population auf 1400 Tiere
angewachsen. Leider ist diese Zahl bei der Auflösung der Sowjetunion wieder auf 240 Wisente geschrumpft. Seit 1999
ist das Kaukasus-Naturreservat Teil des UNESCO-Weltnaturerbe und bis 2010 ist ihre Zahl wieder auf 540 Tiere angestiegen.

1952 begann man im heutigen Nationalparks Bialowieza mit der ersten Auswilderung. Bis zum Jahr 2004 ist diese Population
auf 31 Tiere angewachsen.

2004 wurden fünf Tiere in der Slowakei ausgewildert und nur zwei Wochen später kam ein Bulle aus dem angrenzenden
Nationalpark Bialowieza von ganz alleine zu ihnen. Bis 2013 ist der Bestand auf 17 Tiere angewachsen.

2012 begann die Auswilderung in Rumänien mit fünf Tieren, 2013 wurden weitere 5 Tiere ausgewildert.

2013 wurden erstmals auch in Deutschland 8 Tiere im Rothaargebirge ausgewildert. Schon im selben Jahr wurden die ersten
Jungtiere in freier Widlbahn geboren.

In der Döberitzer Heide bei Berlin gibt es seit 2008 Wisente. Diese leben aber in einem Gehege das etwa 2000 ha groß ist und
somit wenigstens annähernd wilde Bedingungen bietet.

Bleibt nur zu hoffen das diese Anstrenungen nicht umsonst waren und sich die Tiere in Europa wieder ausbreiten können.

Übrigends
Der Amerikanisch Bison (Bison bison), ist zwar mit dem Wisent kreuzbar, Untersuchungen zeigten jedoch das diese
beiden Arten sich genetisch stark unterscheiden.

LG Gabriele

PS: Wer Bilder hat kann diese gerne hier zeigen.

Textquelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wisent

Verfasst: 20. Apr 2014, 18:54
von hb_canon
...... und 2 im Neandertal (Gehege)


http://www.wildgehege-neandertal.de/?page_id=37


Gruß

Harald

Verfasst: 20. Apr 2014, 18:56
von Gabriele
@ Harald: die sind aber nicht freilebend ;) Trotzdem danke für den Link :)

LG Gabriele

Verfasst: 20. Apr 2014, 19:37
von Benjamin
Hallo Gabriele,

interessant, deine Zusammenfassung der Geschichte der europäischen Wisent-Population.
Hatte ich mich noch nie wirklich mit beschäftigt, danke für deine Mühen. :)

Wie bereits angedroht hab' ich dazu etwas Bildmaterial, allerdings "nur" aus der Gehegezone 1 im Nationalpark Bayerischer Wald.

Verfasst: 20. Apr 2014, 19:50
von derflo
Hallo Gabriele,

vielen Dank für die ausführlichen Infos, so hatte man das dann doch nicht auf dem Schirm.
Die Bilder von Benjamin sind auch toll!
Mit großem Interesse habe ich den Beitrag gelesen!

lg
Flo

Verfasst: 20. Apr 2014, 19:53
von Monika E.
Hallo Gabriele

Da hast du dich tüchtig ins Zeug gelegt, ganz toll die vielen interessanten Informationen.
Hoffen wir das Beste für diese imposanten Tiere.
Die Bilder von Benjamin sind sehr schön und eine tolle Bereicherung zu deinem Text
Danke an Beide, aber besonders natürlich an Gabriele

Verfasst: 28. Apr 2014, 21:30
von Ajott
Hi Gabriele,

eine gute Enstcheidung, deine Doku auf diese Weise anzulegen. Wirklich informativ und interessant.
Nicht selten hat die Jagd zwar einerseits dazu geführt, Tiere an den Rand des Aussterbens zu treiben, sie aber auch andererseits davor bewahrt. So erging es auch den indischen Löwen im Gir-Wald und den Braunbären in Rumänien

Am erstaunlichsten an deinen ganzen Ausführungen finde ich jedoch, dass es der Wisent und nicht das Wisent ist :lol: .. irgendwie mache ich das immer falsch.
2012 habe ich die Wisente in der Döberitzer Heide gesehen - allerdings nur von ferne - (und anschließend konnte ich mir endlich mein größtest Heiligtum, meine Spiegelreflex leisten, weil ein paar Idioten das Auto aufgebrochen und unseren Kram gestohlen haben. Die Versicherung war so nett zu zahlen und ich habe das Geld anschließend gut angelegt ;-) )

Vielen Dank für den guten beitrag, und Bnjamin vielen Dank für die ergänzenden Bilder dazu.

liebe Grüße
Aj

Verfasst: 28. Apr 2014, 21:38
von Corela
Hallo Gabriele,

ich finde, deine Entscheidung etwas über die Geschichte der Wisente zu schreiben, richtig gut.
Dein Beitrag ist sehr informativ und interessant.
Danke schön.

Verfasst: 3. Mai 2014, 11:46
von Gabi Buschmann
Hallo, Gabriele,

vielen Dank für die interessanten Infos.

Hallo, Benjamin,

danke für die tollen Fotos, die den Beitrag
super ergänzen.

Gabi

Verfasst: 8. Mai 2014, 07:24
von Werner Buschmann
Hallo Gabriele,

ja, das ist spannend.
Ein bisschen Geschichtsunterricht bringt einem
diese herrlichen Tiere sehr nahe.

Hallo Benjamin,

danke für das Bildmaterial.