Steilküste

Einführung - Steilküste

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Steilküste

Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Steilküsten finden sich in Deutschland vorwiegen an der mecklenburgischen Ostsee. Hier bilden sie einen wichtige Faktor in der Küstendynamik und der Enstehung und dem Erhalt von anliegenden Flachküsten. Es können in dieser Region Steilküsten aus Sand, aus ungestörtem Geschiebemergel und aus gestörten Ablagerungen unterschieden werden. Sandsteilküsten, wie sie zum Beispiel in Südostrügen oder im Fischland Darß vorkommen, sind von Abtragungsprozessen oft besonders stark betroffen. Die feinen und oft gut sortierten Steingrößen bieten Wind, Frost und Wasser nur wenig Widerstand. Infolge kommt es nicht selten zu Hangrutschungen, nachdem der Küstenfuß unterhöhlt worden ist, und damit zu einer gemäßigten Hangneigung im Endergebnis.
Mergelsteinküsten sind oft nur 3 bis 10 Meter hoch und in der Lage den Witterungsbedingungen weit besser zu trotzen als Steilküsten aus Sand. Die Abtragung dieser Küstenregionen geht deutlich langsamer von statten als in ersteren. Unterschneidungen mit entstehenden Brandungshohlkehlen und -höhlen sowie Frostsprengung tragen hier wesentlich zum Materialabtrag bei. Dabei entstehen oftmals recht steile Hänge mit stabilen Böschungen. In der Lübecker Bucht und auf der Halbinsel Wittow auf Rügen sind solche Steilküstentypen zu finden.
Steilküsten des letzten Typs sind durch das vorrückende Gletschereis der letzten Eiszeit entstanden und kennzeichnen sich durch wechselnde Sedimentablagerungen aus, die sich bis mehrere dutzend Meter über dem Meeresspiegel erheben. Diese Eigenschaft macht sie besonders instabil. wasserstauende Sedimente wie Mergel, Ton oder Kreide mischen sich mit Schichten von wasserdurchlässigem Material wie Sanden oder Schluffen. Es kann hier zu katastrophalen Abbruch- und Abrutschungsprozessen kommen, bei denen große Massen an Sediment auf einmal in Bewegung geraten. Beispiele dafür sind der Dornenbusch auf Hiddensee und die über 100 Meter hohen Kreideküsten Jasmunds.

Flora und Fauna an Steilküsten Deutschlands:
Steilküsten weisen Mosaik aus Kleinbiotopen auf, die sich durch Exposition, verschiedene Feuchtigkeitsregimes durch Grundwasseraustritte oder Spritzwasser, Abbruchsdynamik und Substratuntergrund stark unterscheiden können. Die Flora präsentiert sich an Steilküsten in der Regel lückenhaft. Aufgrund der Lebensraumdynamik können größere Bereiche auch völlig vegetationsfrei sein. An Grundwasseraustritten können kleine Quellfluren entstehen, die durch Riesenschachtelhalm (Equisetum telmateia) und Bitterem Schaumkraut (Cardamina amara) bewachsen sind. Fels- und Mauerspaltengesellschaften können sich kleinflächig ansiedeln. Sand-Pionierrasen und Halbtrockenrasen finden sich auf Kliffranddünen oder Abbruchstellen an Kreide oder Mergelküsten. Weißdorn (Crataegus spec.) und Sanddorn (Hippophae rhamnoides) sind ebenfalls typische Vertreter der Steilküsten. Ausdauernde Ruderalpflanzen wie Vogelwicke (Vicca cracca), Gemeine Quecke (Elymus repens), Filz-Pestwurz (Petasites spurius) und Huflattich (Tussilago farfara) findet man regelmäßig an Steilküsten. Weißer Schwalbenwurz (Vincetoxicum hirundinaria), Nickendes Leimkraut (Silene nutans) und Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia) haben ihre Haupvorkommen in Deutschland an Mecklenburg-Vorpommerns Steilküsten.

Typische Vertreter der Vogelwelt sind Ufer- und Mehlschwalben, aber auch Wanderfalken brüten hier. Die Käferwelt wird zum Beispiel durch den Großen Totengräber (Blaps lethifera), Werftbohrkäfer (Nacerdes melanura) und den Gelbrandigen Dammläufer (Nebria livida) vertreten. Einige Wildbienen bevorzugen Steilwände für die Anlage ihrer Brutröhren. Dazu gehören die Pelzbienen Anthophora plagiata und Anthophora aestivalis, die Sandbiene Andrena labialis und die Furchenbiene Halictus quadricinctus. Die Faltenrandige Schließmundschnecke (Lacinaria plicata), die Bauchige Schließmundschnecke (Macrogastra ventricosa) und die Genabelte Puppenschnecke (Lauria cylindracea) findet man ebenfalls an Steilküsten.

Die Steilküsten der deutschen Nordsee bestehen aus Buntsandstein, der durch hohen Druck aus Ablagerungen entsteht und eine recht hohe Widerstandsfähigkeit gegen Abtragung besitzt. Beispiele dafür sind auf Helgoland oder Sylt zu finden. Hier findet man eine für Deutschland einzigartige und besonders reichhaltige Vogelwelt, in der auch regelmäßig Seltenheiten wie verschiedene Hochseearten gesichtet werden können. Berühmt sind die Brutvorkommen von Trottellumme und Basstölpel.

Gefährdungsursachen für Steilküsten:
Eine der Hauptursachen für die Gefährdung von Steilküsten sind Küstenschutzmaßnahmen, zum Beispiel durch vorgelagerte Wellenbrecher oder Aufschüttungen. Dadurch werden natürliche Dynamiken unterbrochen und aktive Kliffe wandeln sich zu inaktiven, deren Morphodynamik verloren ist.
Auch die Bebauung und das Anlegen von zahlreichen Treppen und Wegen kann die Prozesse am Kliff nachhaltig stören. Zudem ist die zerstörung von Brutstätten für Vögel und Bienen durch Wanderer und Kletterer ein Problem. Durch zulassen natürlicher Dynamiken, bebauungsfreie Zonen und gezielte Besucherlenkung kann diesen Problemen begegnet werden.


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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Wildbiene gräbt Brutröhre.

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Pelzbiene (Anthophora spec.) beim Nestbau

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Nester von Pelzbienen (Anthophora spec.).

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:18

Nistbereich von Wildwespen.

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