Hochmoor

Autor: Ajott, Fotograf: hansab

Einführung - Hochmoor - Kalkreiches Niedermoor - Verlandungsmoor - Versumpfungsmoor

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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Im Gegensatz zu Niedermooren werden Hochmoore ausschließlich über Niederschläge gespeist. Sie werden daher auch als Regenmoore bezeichnet. Die Niederschlagsmenge muss dabei den Wasserabfluss übertreffen, um ein gesättigtes Wasserregime zu erhalten. Naturgemäß handelt es sich um saure und sehr nährstoffarme Standorte, die durch massive Torfbildung sehr langsam aber stetig in die Höhe wachsen und sich damit dem Einfluss vom mineralsalzreichen Grundwasser vollständig entziehen.

Arten, die in Hochmooren leben müssen nicht nur mit der Nährstoffarmut und der extremen Feuchte klarkommen, sondern sehen sich auch extremen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht ausgesetzt. Tägliche Temperaturunterschiede von bis zu 40 Grad können regelmäßig auftreten. Infolgedessen beherbergen Regenmoore vor allem hoch spezialisierte Arten, die zum Teil ausschließlich in diesen Lebensräumen existieren können.

Viele Pflanzenarten solcher Standorte zeigen spezielle Anpassungen, um eine ausreichende Nährstoffversorgung zu gewährleisten. So beziehen carnivore Pflanzen wie die Venusfliegenfalle oder der Sonnentau einen Teil ihrer Nahrung aus tierischen Fängen. Symbiosen mit Pilzen, die die Mineralstoffaufnahme aus dem Boden verbessern, begünstigen typische Heidepflanzen wie Glockenheide oder Moosbeere. Auch selten gewordene Pflanzen wie Moorlilie oder Sumpfporst findet man in Regenmooren.

Auch die Fauna im Hochmoor ist speziell. Tiere, die Minerale benötigen, um Gehäuse auszubilden sucht man hier vergebens. So wird man hier keine Gehäuseschnecken finden. Dagegen sind einige Arten so gut an die Bedingungen angepasst, dass man dies sogar am deutschen Namen ablesen kann. Dazu gehören der Hochmoor-Perlmutterfalter (Boloria aquilonaris), der Hochmoor-Glanz-Flachläufer (Agonum ericeti), die Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica) oder die Moorkäferzikade (Ommatidiotus dissimilis), die auf die Existenz von Hoch- oder Übergangsmooren angewiesen sind. Die Wolfsspinnenart Pardosa sphagnicola trägt das Torfmoos (Sphagnum sp.) im Namen, welche entscheidend für die Bildung von Hoch- oder Zwischenmooren sind, und auch sie ist auf diese Standorte beschränkt. Abgesehen von diesen obligatorischen Hochmoorarten finden sich auch eine Reihe an Amphibien und Reptilien in diesem Lebensraum. Einige Vögel Deutschlands kommen ursprünglich vor allem in Mooren und deren Randbereichen vor und sind auch heute noch auf diese Lebensräume angewiesen. Dazu zählen zum Beispiel das seltene Birkhuhn, Sumpfohreulen oder der Bruchwasserläufer.

Aktive, wachsende Regenmoore sind heutzutage sehr selten. Vielfach wurden sie durch Torfabbau und übermäßigen Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft stark geschädigt.



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Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Das Heidenreichsteiner Moor umfasst ein Kerngebiet von etwa 30 Hektar. Neben der typischen Charakteristik eines Hochmoores finden sich hier gebietsweise auch Merkmale von Verlandungs- oder Übergangsmooren. Über einen Holzsteg können Besucher den sensiblen Lebensraum Moor besuchen, ohne die trittempfindlichen Pflanzengemeinschaften zu schädigen.
Das Moor wurde in der Vergangenheit für den Torfabbau genutzt, darf sich inzwischen aber auf natürliche Weise regenerieren. Durch nach wie vor intakte Entwässerungsgräben fällt die Mooroberfläche aber stellenweise so trocken, dass sich Birken und Kiefern etablieren können.



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