Steinschutt und Geröllfluren

Einführung - Felswand - Steinbruch - Steinschutt und Geröllfluren - Trockenmauer

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Steinschutt und Geröllfluren

Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Block-, Geröll- und Schutthalden entstehen durch natürliche Erosionsprozesse. Durch die Einwirkungen von massiven Temperaturschwankungen, Wasser/Eis oder Wurzeldruck werden größere und kleinere Felsblöcke von Gesteinsformationen abgesprengt und lagern sich am Fuße von Berghängen ab oder wurden mit Gletschereis weit ins Flachland transportiert.

  • Blockhalden
    Die Entstehungsgeschichte reicht häufig in die Eiszeiten zurück, bei der durch Frostsprengung sehr harte Gesteine aufgeschlossen wurden. Die Blöcke einer solchen Halde sind in der Regel größer als 20 Zentimeter. Feinere Sedimente wie Kiese oder gar Sande bilden sich hier kaum und werden durch Wasser und Wind schnell wieder ausgespült. In der Folge findet auch keine Humusbildung statt. Bis auf Moose, Algen und Flechten sind diese Lebensräume fast völlig vegegtationsfrei.
  • Geröll- und Schutthalden
    Die Entstehungsgeschichten von Geröll- und Schutthalden entsprechen denen von Blockhalden. Der wesentliche Unterschied beider Lebensräume besteht in der fortschreitenden Erosion, die in kleineren Gesteinsstücken zwischen den großen Blöcken resultiert. Angewehter Humus kann sich hier in den Ritzen und Spalten besser ablagern und damit die Basis für Pioniervegetation bilden.

Häufig bilden diese Gesteinshalden regelrechte Sonneninseln in sonst bewaldeten Landschaften und bieten damit einen Lebensraum für Arten, die Wärme und Trockenheit bevorzugen. In Blockhalden kann sich ein ganz eigenes klimatisches Gefälle herausbilden. Kalte Luft sinkt an den tiefsten Punkt der Halde, wodurch sich ein ständiger feucht-kühler Luftzug im Haldeninneren etabliert. Am Haldenfuß kann es zum Teil ganzjährig zu Eisbildung kommen. Der obere Bereich in Blockhalden kann sich dagegen stark erwärmen. In der lückigen Struktur der Gesteinshalden bildet sich zudem eine Vielzahl an kleinräumigen Lebensräumen heraus.

Tiere und Pflanzen sehen sich nicht nur mit den verschiedenen, oft extremen Klimabedingungen konfrontiert, sondern müssen auch den Dynamiken aktiver Gesteinshalden widerstehen können, bei denen oft ganze Abschnitte in Bewegung geraten. Unter den Pflanzen haben sich daher verschiedene Wuchsstrategien herausgebildet. Während "Schuttwanderer" passiv mit den sich bewegenden Gesteinsmassen mitwandern, widerstehen "Schuttstauer" diesen mit besonders stabilen Wuchsformen. Um schnell neue Lebensräume besiedeln zu können, werden große Mengen an Samen produziert.

Typische Pflanzen dieser Lebensräume sind Täschelkraut (Noccaea), Berglöwenzahn (Scorzoneroides montana), Farnblättriges Läusekraut (Pedicularis asplenifolia) oder Ruprechtsfarn (Gymnocarpium robertianum) (Kalkgestein) bzw. Felsenblümchen (Draba), Steinbrech (Saxifraga) und Säuerling (Oxyria) (Silikatgestein). Viele Flechten, die hier vorkommen, sind nicht nur unscheinbar, sondern auch extrem trittanfällig, weswegen Besucherverkehr eine ernsthafte Bedrohung der Arten darstellen kann.
Die Tierwelt ist in den alpinen Gesteinshalden zum Beispiel durch Schneehühner, Schneemaus und Alpenbraunelle vertreten. Eismohrenfalter (Erebia pluto) und Schnarrschrecken sind ebenfalls auf diese Gesteinslebensräume spezialisiert. Spinnen zeigen sich als wahre Spezialisten und besiedeln alle Bereich der Gesteinshalden, von den trocken-heißen Felsköpfen bis hin zu den dunklen, kühlen und feuchten Spalten und Ritzen. Zu ihnen zählen die Norwegische Wolfsspinne (Acantholycosa norvegica) und die Alpen-Sackspinne (Clubiona alpicola).


Beitragsersteller: Ajott (AGEID6829)
Fotograf:
Magdalena Schaaf (AGFID1967)
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