Lebensraumtyp Stillgewässer

Einführung - Binnensee - Waldtümpel - wassergefüllte Wagenspur

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Lebensraumtyp Stillgewässer

Beitragvon Artengalerie » 18. Jul 2017, 22:17

Was ist ein Stillgewässer?
Als Stillgewässer werden Binnengewässer ohne Gefälle bezeichnet, in denen der Wasserkörper nicht wie in einem Fließgewässer einem ständigen Fluss unterliegt, sondern - wie der Name sagt - stillsteht. Turbulenzen und Zirkulationen können jedoch mit unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit auftreten. Häufig werden diese durch den Wind und/oder durch die physikalischen Eigenschaften des Wassers bei unterschiedlichen Temperaturen erzeugt. Die Zu- und Abflüsse, die größere Binnengewässer häufig aufweisen, führen hingegen zu keiner nennenswerten Bewegung des gesamten Gewässers.
Stillgewässer können sehr unterschiedliche Lebensbedingungen aufweisen. Während große und tiefe Seen ausgeprägte Zonierungen mit unterschiedlichen Temperaturen und Nährstoffgehalten zeigen, können sich kleine Gewässer schnell stark aufheizen oder hohen Temperaturschwankungen unterliegen. Auch der Nährstoffgehalt kann sehr verschieden ausgeprägt sein.

Gewässertypen
Je nach Entstehungsgeschichte oder Größe des Wasserkörpers können verschiedene Stillgewässer unterschieden werden.
Gewässer, die eine Wassertiefe von über 2 m aufweisen werden in der Regel als See oder, wenn sie künstlich angelegt wurden, als Stausee bezeichnet. Alle anderen werden unter dem Begriff Flachgewässer zusammengefasst. Zu den Flachgewässern zählen Tümpel, Weiher, Salzlaken, Altarme, Sölle, Pfützen oder auch künstlich angelegte Teiche.

Leben im Stillgewässer
Stehende Binnengewässer beherbergen eine Fülle an Arten, die Vertreter aller Tierklassen umfassen. Eine große Zahl an Vogelarten ist mehr oder weniger stark an die Existenz von Stillgewässern gebunden, wie Blessrallen, Haubentaucher oder Fischadler. Biber und Wasserspitzmäuse sind nicht nur an Fließgewässern zu finden. Fischarten wie Brachse, Bitterling, Rotfeder, Schleie, Stichling oder Flussbarsch fühlen sich in stehenden Gewässern wohl. Ringelnattern (Natrix natrix) jagen hier nach Teichfröschen (Pelophylax esculentus) und Molchen. Süßwasserpolypen, Süßwasserschwämme, Erbsenmuscheln, Feenkrebse, Planarien, Egel und neben Libellenlarven, Eintagsfliegenlarven, Wasserskorpionen und einer Reihe an Käferarten noch unzählige weitere Insekten finden in Stillgewässern ihren Lebensraum. An wenigen Stellen in Deutschland sind hier sogar noch die heimischen Sumpfschildkröten (Emys orbicularis) zu Hause.

Besonders temporäre Gewässer und Binnengewässer ohne Zu- und Abflüsse stellen das Leben vor eine schwierige Aufgabe in der Frage der Erstbesiedlung. Während nur zeitweise aquatisch lebende Arten wie viele Insekten oder Amphibien recht zügig neue Gewässer erreichen können, stellt das für obligatorisch ans Wasser gebundene Arten wie Fische oder Muscheln eine weit größere Herausforderung dar. Häufig können diese aber - ebenso wie manche Wasserpflanzen - mit Hilfe von Wasservögeln ausgebreitet werden. So werden zum Beispiel die Eier von Moderlieschen nachweislich an Beinen und im Gefieder von Enten und ähnlichem Geflügel in neue Gewässer überführt.

Gefährdung und Schutz
Stillgewässer sehen sich je nach Typ und Besonderheit sehr unterschiedlichen negativen Einflüssen ausgesetzt. So können Seen durch Reduktion der Zuflüsse oder Senkung des Grundwasserspiegels schrumpfen oder gar trocken fallen. Übermäßiger Nährstoffeintrag, zum Beispiel durch zu intensive Düngung auf landwirtschaftlichen Flächen im Einzugsgebiet, kann das ökologische Gleichgewicht massiv stören. Eingeschleppte Arten stellen oft eine Bedrohung für den heimischen Fischbestand dar. Aber auch der planmäßige Fischbesatz mit einheimischen Arten birgt Probleme für Arten, die auf Gewässer ohne Feinddruck angewiesen sind. Intensive Freizeitnutzung durch den Menschen können störanfällige Arten verdrängen, wenn keine Rückzugspunkte geschaffen werden.
Schutzbemühungen müssen daher individuell auf Gefährdungsursache und Schutzziel abgestimmt werden.


Beitragsersteller: Ajott (AGEID6829)
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