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Die ersten "Libellengehversuche"

Verfasst: 22. Mai 2012, 22:58
von Sven A.
Moin moin,
Bereits Gestern war ich in Sachen Libellen unterwegs jedoch mit mäßigem Erfolg. Zu windig und Freihand füllte nur den Papierkorb. Heute startete ich einen neuen Versuch. Eigentlich sollten es wieder Prachtlibellen sein, welche hier zu Hauf zu finden sind. Aber es kam erstmal ganz anders. Dieser "Brummer" wurde versehentlich von mir aufgescheucht und ich folgte ihm ein paar Meter. Der Ansitz und Hintergrund waren jetzt nicht der "Brüller" aber ich dachte mir, dass es eine gute Übung sei, zumal sie in angenehmer Höhe saß. Mit improvisiertem Einbeinstativ rückte ich dem Objekt der Begierde auf die Pelle. Es fällt mir nach wie vor schwer den Schärfepunkt optimal zu treffen, was eventuell auch an der relativ kurzen Brennweite liegen könnte. Was meint ihr? Mit einem 180mm Glas müsste ich bei gleicher Blende doch mehr Scharfentiefe haben, oder?
Bei diesen großen Insekten wird es auch nicht unbedingt einfacher, wenn man ein fast 8cm langes Objekt komplett in der Schärfeebene haben möchte und es sich auch noch bewegt. Ich hoffe am Ende der Saison den Dreh raus zu haben. Das zweite Bild zeigt eine leicht andere Perspektive und kleinere Blende. Der Beschnitt passt wohl nicht so gut.

Viele Grüße vom Libellenflüsterer :lol:
Sven

Verfasst: 23. Mai 2012, 06:22
von der_kex
Hallo Sven,
gut geflüstert! ;-)
Diese Aufnahmen des frischen Spitzenfleck-Männchens (Libellula fulva) sind fototechnisch
einwandfrei. Vor allem die Ausrichtung und Schärfe erscheint alles andere als anfängerhaft!
Mein Kompliment für diese fast-Freihandaufnahmen, was das angeht. OK ... bei der zweiten
Aufnahme könnte man meinen, dass das linke Auge etwas weich in der Schärfe wird.
Aber ansonsten sehe ich am Hauptmotiv gute durchgehende Schärfe entlang der Körperachse,
bei beiden Aufnahmen. Die Ausrichtung war also jeweils gut.

Bei größerer Brennweite hättest du auf jeden Fall einen aufgelösteren Hintergrund. Ob die
Schärfentiefe sich erhöhen würde ... das würde ich eher in Zweifel ziehen ... aber ich bin
nicht so der theoretische Blicker ... das überlasse ich lieber anderen, die das besser wissen,
ehe ich hier Quatsch verzapfe.

Bezüglich der Bildgestaltung bestehen noch Reserven, aber du schriebst ja bereits, dass
du dich eher darauf konzentriert hattest, das Ganze technisch und handlingsmäßig in den
Griff zu bekommen (was ja gut gelungen ist). Da hat es dir der Spitzenfleck mit seiner
Flügelstellung und dem gewählten Ansitz aber auch nicht leicht gemacht! Mir scheint aber
die Flügelstellungsanatomie auch nicht ganz im gesunden Bereich zu sein. Irgendwie winkeln
die Flügel seltsam unterschiedlich ab. Bei einem herumfliegenden Tier vermute ich da mal
eine leichte Deformation, die beim Schlüpfen entstehen kann. Könnte aber auch der Wind
sein ... kann ich so nicht beurteilen.

In der ersten Aufnahme hätte ich versucht, die Libellenlängsachse (Hinterleibsende) ins
untere rechte Eck zeigen zu lassen. Also eine leichte Drehung der Kamera (im Uhrzeigersinn).
Die zweite Aufnahme ist bezüglich der Linienführung aus dieser Perspektive schwer zu
meistern. Schärfeebene liegt gut, aber die entstehenden Achsen sind schwer so zu ordnen,
dass es ein stimmiges Bild gibt. Anders gesagt: Der Kerl sitzt einfach unvorteilhaft
abgewinkelt auf seinem Ansitz. Der Hintergrund ist durch die weiter geschlossene Blende
sehr bewegt, was zusätzlich ablenkt - hier würde Blende 5,6 wohl passen, was aber wieder
eine exakte Ausrichtung erfordern würde und an den Flügeln einen Schärfeverlust nach
außen hin zur Folge hätte.

Keine einfache Situation, die du aber zu diesem Übungszweck sehr gut gemeistert hast.
Dies sollte deine Angst davor zerstreuen, dass du das Ausrichten bezüglich der Schärfe
nicht in den Griff bekommen könntest.

Verfasst: 23. Mai 2012, 08:02
von wolfdegen
Hallo Sven,
dem ausführlichen Kommentar von Chrisitan habe ich nichs hinzuzufügen.
Du hast die Libellen in schöner Schärfe und mit guter Ausrichtung abgebilet. Insofern sind Deine Befürchtungen unbegründet.
Mir gefallen beide Bilder, wobei Bild 1 durch die bessere Hintergrundgestaltung für mich der Favorit ist.

2 schöne Bilder, danke fürs Zeigen.

Verfasst: 23. Mai 2012, 10:23
von rincewind
Hallo Sven,

Christian hat dir ja schon ausführliche Tips gegeben.
Deine dir selbst gestellte Aufgabe hast Du gut gelöst.
Die technische Qualität der Bilder kann sich sehen lassen.
Die Farben sind sehr schön geworden und beim zweiten
Bild wirkt die Libelle richtig plastisch.
Gut gemacht.

LG Silvio

Verfasst: 23. Mai 2012, 16:52
von patmar98
Hallo Sven,

da können wir doch noch auf viele gute Aufnahmen
von Dir hoffen, wenn das hier Deine Übungsschüsse sind.

Christian hat das Bild bereits gut besprochen.

Bei gleichem ABM und gleicher Blende ist die Schärfentiefe
im Makrobereich gleich. Ansonsten hat die kürzere Brennweite
eine höhere Schärfentiefe.

Verfasst: 23. Mai 2012, 20:51
von Sven A.
Hallo zusammen,
schon mal vielen Dank für die Kommentare und Tips, besonders an Christian. Tatsächlich hatte die Libelle eine abnormale Flügelstellung. Das die Schärfe nicht perfekt ist kann man erst beim reinzoomen sehen, also 100% Ansicht. Ich muss einfach mit dem Stativ arbeiten, was mir aufrgund der Flüchtigkeit der Insekten zu umständlich erscheint. Darum das improvisierte Einbein. Ich glaube auch das der Sucher meiner Kamera einfach zu klein ist und so die Beurteilung beinträchtigt. Vielleicht muss ich auch mal zum Augenarzt :lol:
Heute hat ein Kreiselmäher die Saarwiesen platt gemacht. Wenigstens blieb ein Uferstreifen stehen. Ich frage mich, ob es sich auf die Libellenpopulation auswirken wird.

Vielen Dank und viele Grüße
Sven

Verfasst: 23. Mai 2012, 22:21
von der_kex
Wenn dir der Sucher zu klein ist:
Da gibt es ein Produkt, welches im Prinzip eine aufgeschraubte Sucherlupe
mit Gummi-Augenmuschel. Hab ich auch draufgeschraubt. Da wird alles 1,3-fach
vergrößert. Funktioniert einwandfrei! Auch für Brillenträger geeignet.
Gibt es unter anderem hier!
Oder unter der Bezeichnung "Magnifying Eyepiece" auch von anderen Herstellern.

Verfasst: 23. Mai 2012, 22:43
von Sven A.
Nochmal moin,
das ist ja mal ein guter Tip! Da wird das Problem genau so beschrieben wie ich mir das dachte. Ich habe heute Abend noch einem Fotofreund geschrieben, dass ich mal makromäßig durch den Sucher seiner Nikon schauen muss......
Ich werde sie auf jeden Fall ausprobieren.
Besten Dank für den Tip

Sven