Stativ und Objekt in Schärfeebene

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schika
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Stativ und Objekt in Schärfeebene

Beitragvon schika » 15. Jun 2015, 22:45

Hallo,
da ich in den letzter Zeit wirklich viel versucht habe und noch immer keine Lösung für "mein Problem"
gefunden habe, hoffe ich vielleicht auf eine Erklärung?
Mir ist bewusst, dass sich das nur über den Rechner eher schwieriger gestaltet als einfach am Objekt 5 Minuten jemanden
bei sich zu haben, der sich besser auskennt...


... aber ich probiers..

Ich habe das Problem, dass ich bei einer bestimmten Neigung des Stativs das Fotomodell nicht in eine Schärfeebene
bekomme.
Ich nenne einfach ein konkretes Beispiel: Libelle in hoher Wiese. Damit ich den Himmel nicht mit auf dem Bild habe,
fotografiere ich nicht in der selben Höhe wie das Objekt sonder leicht von oben nach unten. Gerade soweit geneigt, dass
der Himmel nicht mehr zu sehen ist. Stativbeine vorne kürzer als das hintere dritte.

Meistens ist der Schwanz der Libelle nach hinten außen geneigt.

Dh ich fotografiere schräg von oben, der Kopf ist dem oberen Teil des Sensors näher. Der Schwanz hingegen, der sowieso
weiter noch hinten steht entfernt sich dieser durch die Kamera-von-schräg-oben-Drehung noch weiter von Sensor. Möchte
ich dem Gegenwirken und drehe ich die Kamera wieder leicht nach oben, habe ich den Himmel wieder im Bild.

Ich habe so ziemlich viel erdenkliches ausprobiert und bekomme bei einer Schrägstellung nieeee alles in eine SE.

Funktioniert das technisch, physikalisch so und so nicht, oder habe ich einen richtigen Denkfehler.

Wie gesagt, vor Ort wahrscheinlich einfacher, aber die Hilfe ist nicht in meiner Nähe, oder doch?

Falls jemand meine Erklärungsversuche nachvollziehen kann, wäre ich über Tips dankbar.

Liebe Grüße
Kathi
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MarcusFehde
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Beitragvon MarcusFehde » 16. Jun 2015, 08:05

Moin Kathi,

wenn ich Deine Beschreibung richtig verstanden habe, dann richtest Du die Kamera gezielt so aus, dass der Libellenkörper
nicht parallel und äquidistant zum Sensor verläuft, damit im HG kein Übergang zum Himmel zu sehen ist. Richtig?
Wenn dem so ist, dann gibst Du Dir einen Teil der Antwort schon quasi selbst. Die SE ist bei einer Makroaufnahme eine
sehr dünne Scheibe. Bei einer 105mm Makrolinse, einer Blende von f/2.8 und einer Entfernung vom Objekt zum Sensor von
50cm beträgt sie ca. 0.1-0.2 mm (je nach Sensorgröße). Alles außerhalb dieses Bereichs wird bereits deutlich unscharf.
Die entscheidenen Parameter sind Brennweite, Abstand, Blende und Sensorgröße.
Nachvollziehen kannst Du das mit einem Tool zur Berechnung der SE: http://www.dofmaster.com/dofjs.html
Hier kannst Du diese Parameter eingeben und mal ein wenig mit Abstand und Blende "spielen" um ein Gefühl für
die Auswirkungen dieser Parameter zu erhalten.
Grundsätzlich gilt aber, möglichst ganz sauber, d.h. parallel und äquidistant zum Objekt ausrichten. Gerade bei längeren
Objekten ist das nicht einfach. Sofern einem Libelle oder Schmetterling Zeit lassen empfiehlt es sich vom Stativ bei
Blende f/2.8 im LiveView zuerst die Ausrichtung einzustellen. Danach kann man immer noch etwas abblenden. Gerade bei
Objekten mit etwas mehr Volumen (schrägstehende Flügel, dicke Körper, etc.) wirst Du deutlich über f/2.8 abblenden
müssen, da auch eine 100% präzise Ausrichtung nicht ausreichend ist um "alles" scharf zu bekommen. Auch hier
lohnt sich ein Gefühl für die SE "dicke" zu bekommen um dann geeignet abblenden zu können.
Ich hoffe, dass Dir das ein wenig weiterhilft.

Viele Grüße,
Marcus
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schika
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Beitragvon schika » 16. Jun 2015, 11:12

Hallo Marcus,
danke, ja du hast mein Mail richtig verstanden :-).

Ok, dann ist es technisch nicht möglich (puhh und ich habe schon so an mir gezweifelt...).
Dann habe ich aber noch die Frage, wie diese schönen Aufnahmen in der MakroGalerie entstehen? Dort wo der Schmetterling
od. Libelle auf der Spitze des Halmes sitzt und dennoch im HG nichts vom Himmel zu sehen ist.

- Option 1: das Objekt sitzt auf einer niedrigeren Halmspitze
- O2: hinter dem Objekt ist ein leichter Hügel

Aber vielen Dank für deine Hilfe! Das hat mir schon gut geholfen, da ich es jetzt nicht nur ahne sondern weiß, dass es
technisch/physikalisch nicht möglich ist. :-)

Ich weiß jetzt wonach ich suchen muss und wann sich ein Bild vielleicht nicht lohnt zu machen und kann mir 3h
Ausrichtungsversuche ersparen ;-).

Der Dofmaster ist super, danach habe ich meine Blenden-Abstand-Schärfentiefe-Karte ausgestattet. Da weiß man warum ein
Hund mit effektiven 216mm Brennweite und f2 so schwer zu erwischen ist.

DANKE

Liebe Grüße
Kathi
Liebe Grüße
Kathi
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Beitragvon helmi2010 » 16. Jun 2015, 12:47

Hallo Kathi,

Die Aspekte des ausrichtens bzw. von kNB Bildern wurden ja bereits angesprochen, deshalb ein, zwei andere Tipps.

Ich bin meistens in ehemaligen Kiesgruben unterwegs, da stellt sich das Problem mit dem Himmel selten, 30 Meter Felswand
sind da sehr hilfreich. :-)
Wenn es mir der Ausrichtung / SE mal nicht klappt, Tagesform, die Aufnahmesituation vor Ort lässt keine bessere
Ausrichtung zu oder der HG verträgt kein stärkeres Abblenden, mache ich einen Stack aus zwei oder drei Bildern. Bei
Grosslibellen wird ein mal im Kopfbereich, ein weiteres mal in der Mitte des Körpers und bei der letzten Aufnahme aufs
Heck fokussiert.

Zum ausprobieren ob Dir stacken zusagt, sind die beiden Gratisprogramme CombineZ und Picolay gut geeignet.


Liebe Grüsse

Helmut
http://www.flickr.com/photos/helmi2010/?details=1
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Beitragvon schika » 16. Jun 2015, 13:43

Hallo Rudi, hallo Helmut!

Dankeschön dass ihr euer Wissen weitergebt!
Auf diese Idee wäre ich gar nicht gekommen - obwohl, nicht böse gemeint, mir die Idee den Halm irgendwohin zu tragen
noch nicht so ganz zusagt. Dass man die Wiese nicht zusammentritt und Zerstört ist ein großer Pluspunkt, aber hat das
Ganze nicht eher was mit "Basteln" zu tun? Auf der anderen Seite müsste man dann so streng sein u d dürfte
keinen Halm zur Seite biegen ;-). Uh, das wird dann schwierig... :-).
Mich freut es zu hören, dass "andere" auch mit Wasser waschen, was aber auf keinen Fall die tollen
Leistungen schmälern soll! Weil die Bilder, die ich in diesem Forum sehe, gehören wirklich zu den ganz Großen und es ist
herrlich - hat irgendwas im Glücksgefühl zu tun, auch wenn das vielleicht abgedroschen klingen mag - diese betrachten zu
können.

In letzter Zeit beschäftige ich mich so richtig mit dem Thema Makro und ich denke, dass ich wegen der guten Kritik schon
viel lernen und etwas umsetzen konnte. So langsam wird der Horizont ein wenig größer und da gibts noch soviel!

Danke für diese offenen, ehrlichen Tips und Tricks! Das ist nicht selbstverständlich und och weiß es zu schätzen!

Ich habe es ansatzweise mit stacken schon mal versucht, nur das wenige Lüftchen hats meist verdorben. Ich werde wir eine
Pflanzenklemme zulegen, dann kann ich gewisse Faktoren schon besser beeinflussen.

Welche ist eure Erfahrung? Stativ oder Stange für untenrum? Bei uns ist der Boden (Heide) sehr steinig und ich
befürchte, dass ich eine Stange nicht tief genug im Boden versenken kann. Oder reichen schon ein paar Zentimeter um die
Klemme vetwacklungsfrei ausrichten zu können?

Danke!
Liebe Grüße
Kathi
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Kathi
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Beitragvon Uli R. » 16. Jun 2015, 13:59

Tach zusammen,

also um ehrlich zu sein, auch ohne scheiden (das mach ich öfter mal, ziemlich oft sogar
:) also ohne Schneiden fotografieren) hab ich das Problem mit Himmel aufem Bild nur
höchst selten, höchstens dann wenn ich von unten nach oben einstellen müsste weil sich
ein
Wiesenvögelchen oder so mal wieder windschief platziert hat. Daher wundert mich das ein
wenig, dass das die Regel sein soll.

Eins muss ich einfach mal loswerden :DD seit eben grad bin ich großer Fan des Begriffes
"äquidistant" :good: ich habs mir hier auf en Zettel geschrieben und
bewundere es gelegentlich :DD :DD :DD
Gruß
Uli

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Beitragvon segeiko » 16. Jun 2015, 14:10

Hallo Kathi,

ich gehöre zur Fraktion Pflanzen abschneiden = NEIN. Für mich ist das halt
einfach ein Bschiss.... muss aber jeder für sich entscheiden.
Auch der längere Gang frühmorgens durch eine Wiese vermeide ich. So viele Insekten sitzen
nachtsüber tief im Gras, können kaum gesehen werden und habe noch keine Betriebstemperatur,
also Fluchtverhalten nicht ausführbar.

Für mich gilt an erster Stelle immer der Erhalt der Natur, auch wenn es nur ein einzelnes Pflänzchen ist
und die Rücksichtnahme auf alle Lebewesen. Da ist das Foto bei mir 2.Rangig. Aber auch mit dieser
Einstellung finde ich viele Motive, welche ich optimal ablichten kann ohne zu manipulieren oder zu gefährden.



Aber eine Pflanzenklammer muss ich mir unbedingt auch baldmöglichst basteln.

Lieben Gruss
Beatrice
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Beitragvon segeiko » 16. Jun 2015, 14:45

@ Rudi und Kathi,

danke Rudi für Deinen Überpüfungs-Anstoss mit Deinem letzten Kommentar.
Meine Kamera habe ich immer griffbereit und den Rucksack auf dem Rücken.
Mein Bemühen möglichs nichts zu zertrampeln ist sicher nicht immer erfolgreich.
So ist die Frage berechtigt wer schlussendlich mehr Schaden anrichtet. Der frühmorgens oder
spätabends "Abschneider" oder der tagsüber "nicht-Abschneider" (ich zB :wink: ...)
Ich werde mal darüber nachdenken .... und meine Spuren überprüfen. Ich finde es auch
schlimm wie manche Wiesen nach einem Makroshooting aussehen.
Am besten ist halt wirklich wenn immer möglich vom Rand aus fotografieren oder eben nur
1-2 Schritte in die Weise rein.

Es ist immer ein persönliches Abwägen, ich versuche dem Thema gegenüber sensibel zu bleiben.
Lieben Gruss
Beatrice
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Beitragvon Yaschy » 16. Jun 2015, 15:04

Hallo zusammen,

Tipps und Tricks sind ja oft was gutes - oder auch nicht :)

Habe da auch mal eine Frage:

Sucht ihr vorwiegend Motive ?-
das heißt wandert und spaziert ihr herum bis ihr was findet?

Oder macht ihr es wie manche Insekten und habt einen "Ansitz"
wo ihr auf das Motiv wartet?

Dazu gehört natürlich auch die Frage:
Lockt ihr Insekten mit irgend etwas an???
Oder wartet ihr auf den Zufall???

Ich persönlich gebe zu, das ich auch oft das eine oder andere
Lockmittel mit dabei habe ( winzige Pipettenflaschen), und muss sagen, bei manchen
Tieren funktioniert das hervorragend.
Habe den Tipp von einem Imker :)
zb: dunkles Bier in dem Zucker aufgelöst wurde,
mit Wasser verdünnter und mit Honig vermischter Rotwein,
Saft von schon überreifen oder leicht fauligem Obst..................
Auf Blättern, Blüten oder Ästen vertropft, dass man am Bild später dann nichts sieht.
Nur bleibt die Frage, wenn ein Insekt angelockt wurde, ist das dann noch NB?

Also macht das jemand ? :)

LG Günther.
Wir lieben was wir tun, diese Passion leben wir jeden Tag.
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Beitragvon Harmonie » 16. Jun 2015, 17:23

Hallo Günther, Hallo alle zusammen,

also ich zähle mich nicht zu den
"Abschneidenversetzungsmakronauten".
Gelegentlich bin ich die "in.die.Wiese.nur.auf.Pfaden" Makronautin bzw. hautsächlich
"Wegemakronautin" .

Wenn ich losziehe, dann ohne jegliche Motivabsicht.
Ich halte die Augen auf, und das, was für mich sitzen bleibt und mir gefällt, kommt auf den Chip.
Dabei ist es mir wurscht, ob es ein Insekt oder eine interessant aussehende Pflanze ist.
Von daher habe ich sehr vielseitige Bilder auf meinem Rechner und beim Ansehen wird mir nie langweilig.

LG
Christine
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An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an all die User, die meinen Bildern
Beachtung, Aufmerksamkeit und Kommentare schenken.
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--- Alle hier von mir gezeigten Bilder dürfen ungefragt für die Artengalerie verwendet werden. ---

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