Wasserdost

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Beitragvon Katharina » 12. Okt 2018, 12:41

Hallo zusammen,

anbei findet Ihr ein aktuelles Bild vom Wasserdost bei Abendlicht in einem meiner Fotoreviere.

Die Blätter des hier heimischen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum) erinnern an Hanf-Blätter, was sich im lateinischen Namen widerspiegelt.
Anders als Dost, der zu den Lippenblütlern gehört, handelt es sich um einen Korbblütler.

Einige Korbblütler, so auch der Wasserdost, zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an leberschädigenden Pyrrolizidinalkaloiden aus, weswegen Wasserdost von der Arzneimittelkommission als bedenkliches Arzneimittel eingestuft wurde.
Der amerikanische Wasserdost hingegen enthält diese leberschädigenden Stoffe nicht und wird zur Steigerung der Immunabwehr bei Erkältungen in Homöopathika verarbeitet...

...wobei man sich aus meiner Sicht fragen kann, ob man sich in Bezug auf die Abwehr von grippalen Infekten auf unser faszinierendes Immunsystem nicht auch einfach mal verlassen kann.

Viele Grüße Katharina

Kamera: E-M10 Mark III
Objektiv: OLYMPUS M.14-42mm F3.5-5.6 EZ @ 32mm
Belichtungszeit: 1/15s
Blende: f/5.3
ISO: 400
Beleuchtung:Abendlict
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW/JPG
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):0
Stativ: Freihand
---------
Aufnahmedatum: 11.10.2018
Region/Ort: Gießen
vorgefundener Lebensraum: Schwanenteiche
Artenname: Eupatorium cannabinum
NB
PA110474 900x1200.jpg (468.26 KiB) 164 mal betrachtet
PA110474 900x1200.jpg
Zuletzt geändert von Katharina am 12. Okt 2018, 15:07, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon Gabi Buschmann » 14. Okt 2018, 23:10

Katharina hat geschrieben:Quelltext des Beitrags ob man sich in Bezug auf die Abwehr von grippalen Infekten auf unser faszinierendes Immunsystem nicht auch einfach mal verlassen kann.


Hallo, Katharina,

das unterschreibe ich mit voller Überzeugung :-) .

Danke für die interessante Doku zum Wasserdost, der mir bisher nur
als Schmetterlingsmagnet bekannt war. Dass er an Hanf erinnert (ist
er mit diesem auch tatsächlich verwandt??), war mir bisher nicht
präsent. Schön, dass du ihn am Wasser fotografiert hast, da ist
eine Assoziation mit dem Wasser vorhanden. Ich kenne ihn allerdings
v.a. als Wald- oder Waldrandbewohner.
Liebe Grüße Gabi

______________

Achtung! Bis 5/2019 ist es möglich, im Bereich Makrofotografie 5 Bilder im Monat, die älter als 1 Jahr sind, zu posten.
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Beitragvon Katharina » 15. Okt 2018, 05:18

Hallo Gabi,

mit dem Hanf (Cannabis sativa) ist der Wasserdost nicht verwandt... (Hopfen ist hingegen ein Hanfgewächs)... Gänseblümchen ist z.B. verwandt mit Wasserdost als Korbblütler...

In einem botanischen Garten soll Hanf immer mal geklaut worden sein... Dann hatte man aber anstelle dessen den nicht blühenden Wasserdost unbeschriftet an die gleiche Stelle gestellt... Der wurde, obschon er nicht wirkt, dann auch regelmäßig geklaut... Placeboeffekt?

Wasserdost ist ein Feuchtezeiger... Er wächst nicht nur an Ufern von Seen... Oft reichen Ränder kleiner Gräben aus, um seinen Wasserbedarf zu decken.

Liebe Grüße Katharina
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Beitragvon ji-em » 15. Okt 2018, 09:29

Hallo Katharina,

Danke nochmals für die sehr wertvolle und verständliche Informationen und das schöne Bild !
So langsam legst du hier eine tolle Sammlung an interessante Threads an ...

Diese Pflanze ist mir auch nur als hochattraktive Nahrungsquelle für Schmetterlinge bekannt.
Im Hochgebirge habe ich welche gesehen, die kaum eine Minute ohne Schmetterling da standen :shock:

Das Bild finde ich sehr schön ... mit dem rötlicher Himmel im HG.
Etwas mehr VG wäre vielleicht optimaler gewesen ... wobei der ABM dann kleiner geworden wäre ...

Lieber Gruss,
Jean
Vergleichen macht vieles klar ... ! :-)
Mein Kommentar wiederspiegelt nur meine momentane, bescheidene, persönliche Meinung.
Bitte, auf kein Fall, persönlich auffassen auch wenn ich mich irreführend mitgeteilt habe.
Ich lese lieber 2-3 aufrichtige, negative Kommentare ... als gar keine ! :-)
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Beitragvon Corela » 18. Okt 2018, 11:32

Hallo Katharina,

auf dem grünen Auge bin ich anscheinend des Öfteren blind :roll:
Gesehen habe ich ihn schon öfter aber nicht wirklich.
Danke für deinen informativen Beitrag.
lG
Conny

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Beitragvon piper » 18. Okt 2018, 11:56

Hallo Katharina,

vielen Dank für die interessanten Infos.
Das man auch als "pflanzlich" beschriebene Medikamente mit einer
nötigen kritischen Distanz betrachten muss, hat ja Iberogast bewiesen.
Dort starb jetzt ein Patient an dem darin enthaltenem, auch leberschädigendem, Schöllkraut!

Ich mag die Pflanze sehr und vor allem die Schmetterlinge auch.

Ich bin auch der Meinung, das das Immunsystem viel selber kann :-)
Helfen kann man ihm, indem man besonders in der Erkältungszeit keine Hände gibt,
ausreichend schläft, an die frische Luft geht und auf Hygiene achtet.

Vielen Dank für deinen interessanten Beitrag! :DH:
Liebe Grüße Ute


Die Freude am Kleinen ist die schwierigste Freude, denn es gehört ein großes Herz dazu.
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Beitragvon Katharina » 18. Okt 2018, 12:28

piper hat geschrieben:Quelltext des Beitrags Hallo Katharina,

vielen Dank für die interessanten Infos.
Das man auch als "pflanzlich" beschriebene Medikamente mit einer
nötigen kritischen Distanz betrachten muss, hat ja Iberogast bewiesen.
Dort starb jetzt ein Patient an dem darin enthaltenem, auch leberschädigendem, Schöllkraut!
...


Hallo Ute,

ich bin schon ein vorsichtiger Zeitgenosse, wenn es um die Patientensicherheit geht... vielen fast schon zu vorsichtig.

Da das besagte Mittel ein Kombinationspräparat mit sehr geringem Schöllkraut-Anteil ist, kommen mir bei der Bewertung zuweilen jedoch Zweifel:

Die in die DNA sich einbauenden (interkalierenden) und den Selbstmord von (Leber-)Zellen begünstigenden Alkaloide (Chelerythrin...) werden vom Hersteller bereits nach den Vorgaben der Arzneimittelkommission begrenzt und vor der Freigabe eines Produktionsansatzes analytisch geprüft, was aus meiner Sicht schon eine ausreichende Vorsichtsmaßnahme ist, die auch vom BfArM (Arzenimittelzulassungsbehörde) als Prüfparameter vorgeschrieben wird. Ich achte auch darauf, wenn es ums Schöllkraut geht, dass es besser in Form überwachter Fertigarzneimittel verwendet wird und sich hier eine Herstellung von Zubereitungen im Hausgebrauch nicht eignet (als Apothekerin mache ich mich mit dieser Haltung innerhalb der Phyto-Welt bei Nicht-Apothekern schon unbeliebt und habe da schon einige Auseinandersetzungen darum gehabt :dash1: :swoon: :ireful2: )

Bei Meldungen um Schädigung von Patienten durch pflanzliche Arzneimittel muss man manchmal näher hinsehen:
Zuweilen sind die Daten zur Erhebung lückenhaft, so dass oft nicht abgefragt wird, ob Patienten anderen leberschädigenden Einflüssen ausgesetzt waren.
Einige Verfahren, in denen man zunächst beabsichtigte, wegen schädigendem Verdachtspotential, die Sicherheit eines Mittels auf den Prüfstand zu bringen (Stufenplanverfahren), wurden deswegen wieder eingestellt (z.B. Kapland-Pelargonie... ich will hier keine Schleichwerbung machen für das unaussprechliche Präparat)... ein Stufenplan-Verfahren führte (höchstrichterlich nach 15 Jahren nun als zu Unrecht entschieden!!!!) beim Rauschpfeffer (Kava-Kava-Rhizom) zu einem unberechtigten Ruhen der Zulassung. Nun ist das Mittel "kaputt" und wird nicht mehr auf den Markt kommen.

Nun, bei dem Mittel, das Du aufgeführt hast, hat der Hersteller auf eine Klage verzichtet und dem Verlangen des BfArms stattgegeben, dass im Beipackzettel aufgeführt wird, dass man bei Vorschädigung der Leber oder Einnahme leberschädigender synthetischer Mittel, das pflanzliche Arzneimittel nicht verwenden sollte (sinngemäß).

Das Problem: es geht uns trotz Forschung manchmal wie Goethes Faust:
Wir wissen, wie wenig wir wissen - und dann ist es im Patienteninteresse angezeigt, vorsichtig zu sein.

Liebe Grüße Katharina
Zuletzt geändert von Katharina am 18. Okt 2018, 12:34, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Ajott » 19. Okt 2018, 18:53

Hallo Katharina,

"auf dem grünen Auge blind"... diese Bezeichnung von Conny finde ich sehr treffend auch für mich. Da laufe ich leider an vielem "Pflanzkram" beachtungslos vorbei. Dabei sind viele Pflanzen nicht nur schön, sondern haben auch eine spannende biologie. Vielen Dank, dass du uns hier den Wasserdost und seine medizinische Bedeutung näher bringst. Er zeigt auch gleich eine Problematik der Trivialnamen auf... da soll man mal drauf kommen, dass Dost und Wasserdost so verschiedene Paar Schuhe sind ;-)

Katharina hat geschrieben:Quelltext des Beitrags
Der amerikanische Wasserdost hingegen enthält diese leberschädigenden Stoffe nicht und wird zur Steigerung der Immunabwehr bei Erkältungen in Homöopathika verarbeitet...


In Homöopathika angewendet würde ich auch jedes Präparat mit dem heimischen Wasserdost, Schöllkraut, Grünen Knollenblätterpilz oder sonstigem bedenkenlos in großen Mengen zu mir nehmen... :roll:

Liebe Grüße
Aj
Zuletzt geändert von Ajott am 19. Okt 2018, 18:53, insgesamt 1-mal geändert.
: ǝʌıʇʞǝdsɹǝd uǝɹǝpuɐ ɹǝuıǝ snɐ ןɐɯ ǝzuɐƃ sɐp ɹıʍ uǝʇɥɔɐɹʇǝq :
"Der Wunder höchstes ist, daß uns die wahren, echten Wunder so alltäglich werden können." (Lessing)

Von vielen kleinen Wundern berichten die Arten- und die Dokugalerien
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Beitragvon Il-as » 19. Okt 2018, 19:17

Hallo Katharina,

Wasserdost habe ich immer im Garten. Für Insekten ist er die beliebteste Nahrungsquelle. Nur früh genug muss man die Samenstände entfernen, sonst freuen sich die Nachbarn. :ireful2:
Er säht sich aus wie verrückt.
Zur Stärkung des Immunsystems halte ich mich lieber an Ingwertee und selbstgemachten Kefir. :ok:

L.G. Astrid
Zuletzt geändert von Il-as am 19. Okt 2018, 19:18, insgesamt 2-mal geändert.
Die meisten meiner Fotos sind Momentaufnahmen aktiver Tiere. Veränderungen am Fundort nehme ich nicht vor.
Aufnahmen am frühen Morgen, von schlafenden Insekten, sind mir aus Zeitgründen leider nicht möglich.
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Beitragvon Katharina » 19. Okt 2018, 20:12

Ajott hat geschrieben:Quelltext des Beitrags In Homöopathika angewendet würde ich auch jedes Präparat mit dem heimischen Wasserdost, Schöllkraut, Grünen Knollenblätterpilz oder sonstigem bedenkenlos in großen Mengen zu mir nehmen


Hallo Anja,

das würde ich so pauschal nicht sagen und unterschreiben!

Erst ab D23 (Avogadro'sche Zahl) ist nix mehr drin - die Urtinkturen (10 Teile Frischpflanze auf 100 Teile 90% Weingeist) bis D3 sind nicht harmlos, vor allem bei Substanzen mit geringer therapeutischer Breite: also diejenigen, die bereits in sehr niedriger Dosierung (µg und ng) schon toxisch sind.
So ist Atropa belladonna mit dem hirngängigen Hyoscyamin (Razemat Atropin) unter der D4 Potenz noch rezeptpflichtig und Homöopathika mit Haselwurz (enthält leberschädigende Aristolochiasäuren) ist erst ab D12 überhaupt erlaubt, in den Verkehr gebracht zu werden... so toxisch sind die Gifte.

Ich bin auch kein Groß-Experte in Bezug auf die Homöopathie - aber eine differenzierte Betrachtung muss auch hier sein.

Liebe Grüße Katharina

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