Raupe der Kupferglucke(Gastropacha quercifolia)

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Raupe der Kupferglucke(Gastropacha quercifolia)

Beitragvon eudia » 20. Jul 2009, 19:42

Hallo,
auf Stefanies Anraten hin, möchte ich hier mal die Raupe zur Kupferglucke vorstellen.
Es ist ein wahrer Gigant unter den einheimischen Schmetterlingsraupen. Längen über 10! cm und "Bifi-Stärke" sind nicht selten. Selbst Personen, welche sonst nicht so begeistert von Raupen sind, zeigen sich meistens beeindruckt von diesen Tieren.
Die Raupen sehen nicht nur faszinierend aus, sondern durchlaufen auch eine spannende Entwicklung.
Im Zeitraum zwischen Juli und Oktober! legen die Weibchen ihre Eier auf Schlehe, Eberesche, Faulbaum und am liebsten auf Obstgehölzen ab.
Diese Vorliebe ist der Art auch zum Verhängnis geworden. Hier haben die Obstbauern mit der chemischen Keule und Leimringen wirklich ganze Arbeit geleistet. Früher noch überall bekannt und teilweise auch zu Recht als Obstbaumschädling gefürchtet, steht die Art heute auf der Roten Liste und ist vielerorts schon völlig verschwunden, oder steht kurz vor der Ausrottung.
Nachdem die Räupchen geschlüpft sind, geht ihre Entwicklung erst sehr langsam vonstatten. Sie überwintern auf den Ästen der Futterpflanze, nur wenige Zentimeter lang und völlig ungeschützt. Das scheint "gluckentypisch" zu sein, denn auch die Raupen anderer Gluckenarten sind so im Winter zu finden. Ich habe schon Raupen bei -20 Grad auf den Ästen sitzen sehen. Sobald es frostfrei und sonnig ist, werden die kleinen Kerlchen lebendig und bewegen sich mit der Sonne um die Äste.
Sobald der Blattaustrieb im Frühjahr einsetzt, zeigen die Raupen, was sie am besten können-fressen!
Sie wachsen rasch zu einer imposanten Größe heran und man kann manchmal den Bäumen schon ansehen, was hier für Gäste hausen...
Früher haben die Obstbauern genau gewußt, ob bei ihnen die Kupferglucke vorkommt.
Trotzdem sind die Raupen extrem schwer zu entdecken, denn sie scheinen nur bei Dunkelheit zu fressen. Am Tage sitzen sie dicht angeschmiegt auf den Ästen der Futterpflanze. Ihre überaus dichte Behaarung löst dabei die Silhouette völlig auf-die Raupen werfen praktisch keinen Schatten.
Ab Ende Mai verpuppen sich die Raupen in einem riesigen Kokon. Dieser wird über und über mit Raupenhaaren "verziert", so daß selbst Mäuse davor zurückschrecken.
Aber vor anderen Parasiten, wie z.B. Schlupfwespen und Raupenfliegen ist auch diese Art nicht sicher.
Nach 2 bis 3 Wochen schlüpft dann der lustig aussehende Falter. Ich habe schon einige Bilder verwackelt, weil ich mir ein Schmunzeln einfach nicht verkneifen konnte, wenn der "Rüssel" scheinbar schnüffelnd umherbewegt wird.
Danach beginnt der Kreislauf(hoffentlich) von Neuem. Die Falter kommen gerne ans Licht und die Weibchen sind fast immer befruchtet...
Ich wünsche mir, daß diese Art uns noch lange erhalten bleibt und Euch, daß Ihr so ein Tier auch mal live zu sehen bekommt.

Ich hoffe, Euch haben diese eher unwissenschaftlichen Ausführungen etwas gebracht-die trockenen Fakten gibt's bei Wikipedia.
Viele Grüsse
Monty
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Beitragvon StefH » 20. Jul 2009, 20:11

Was ein Brummer! Im Vergleich zu dem Ast echt beeindruckend. Danke auch für deine interessanten Worte :D
Viele Grüße von Stefanie
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