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Der "Wasserfrosch-Komplex" - Teil 2

Verfasst: 25. Okt 2010, 18:08
von Thorsten
Moin,

Die Bestimmung der in Mitteleuropa anzutreffenden Frösche der Gattung Pelophylax - die "Grünfrösche" oder auch "Wasserfösche" - bereitet große Schwierigkeiten! Um ein wenig Klarheit in die verwirrende Bestimmung zu bringen, hatte ich vor einiger Zeit bereits mit Teil 1 - dem Kleinen Wasserfrosch (Pelophylax lessonae) (<-- link) begonnen.

In Teil 2 möchte ich die Merkmale des Seefroschs (Pelophylax ridibundus) 'beleuchten'. Teil 1 ist als direkter Vergleich dafür sicherlich auch ganz 'sehenswert'. ;-)

Eine Bestimmung der drei heimischen 'Wasserfrösche' ist anhand von Fotos oft sehr schwierig bzw. unmöglich. Leider habe ich zum Seefrosch nicht zu allen relevanten Merkmalen Bildmaterial. Genau genommen habe ich sogar nur ein einziges Exemplar in Bildern, bei dem ich mir absolut sicher bin, dass es ein 'echter' Seefrosch ist (Bild 1 und 2). Bei Bild 3 bin ich ein wenig unsicher...

Wie bei Teil 1 auch hier die relevanten Bestimmungsmerkmale (des Seefroschs) aufgezählt:
- Ausgewachsen relativ groß. Männchen bis 10 cm, Weibchen bis 14 (bis 17) cm KRL = Kopf-Rumpf-Länge = von Schnauzenspitze bis "Popo", er ist der größte der drei heimischen "Wasserfrösche".
- Die Länge des Schienbeins (= Tibia) ist länger als die halbe KRL, er hat die längsten Beine.
- Die Färbung ist idR braun, grau oder oliv. Grasgrüne Exemplare sehr selten.
- Die Rückenhaut ist rau und drüsen-("warzen"-)reich.
- Der Rücken weist idR viele, große, dunkle Flecken von unregelmäßiger ('kantiger') Form auf.
- Auf dem Rücken ist fast immer ein auffallender hellgrüner Längsstreifen vorhanden, der aber beim Teich- und beim Kleinen Wasserfrosch ebenfalls häufig auftritt.
- Die Färbung der Innenseite der Oberschenkel (nur bei gestrecktem Hinterbein zu sehen, nicht im Bild) ist weißlich/gräulich, selten leicht grünlich - niemals jedoch gelb.
- Die Bauchseite ist oft stark und deutlich grau bis schwarz gefleckt.
- Die Schallblasen der Männchen sind dunkelgrau bis schwärzlich (nicht im Bild).
- Der Fersenhöcker ist flach dreieckig und klein. Seine Länge im Verhältnis zur Länge des ersten Zehs ist meist deutlich größer als zwei (Länge 1.Zeh/Länge Fersenhöcker, nicht 'wirklich' im Bild)
- Der Paarungsruf des Männchens ist vergleichsweise langsam vorgetragen, so dass jeder Gipfel deutlich hörbar ist, ein abgehackter Eindruck entseht und man ein "Lachen" (Keckern) hört.

Eine sichere Bestimmung eines "Wasserfrosches" gelingt in der Regel fast nur, wenn man eine Kombination möglichst aller (zumindest vieler) Merkmale abprüft.


Der Seefrosch besiedelt in Mitteleuropa vor allem Flussauen und Marschen. Als Laichgewässer dienen v.a. größere, tiefe und sonnige Stillgewässer wie b.B. Altarme in Flussauen. Große Gräben und Kanäle werden ebenfalls besiedelt. Er ist am stärksten wassergebunden und verbringt fast das ganze Jahr im Gewässer und überwintert am Grunde auch gewöhnlich, weshalb eine Bevorzugung großer, tiefer Gewässer zu bestehen scheint. Im Gegensatz zu den meisten anderen heimischen Amphibien ist er daher auch nicht gerade 'wanderfreudig'. Die Fortpflanzung erfolgt bei uns meist zwischen Mitte Mai und Mitte Juni. Die Eier werden in kleinen Paketen an Wasserpflanzen abgelegt. Der Seefrosch ist in Deutschland nach Roter Liste nicht gefährdet und nach BNatSchG besonders geschützt.


Weiters bitte aus den Bildern entnehmen - ich hoffe es hilft ein wenig beim Bestimmen und war ganz interessant! Dann vielleicht bis demnächst zum abschließenden Teil 3 (dem Teichfrosch) :-)

Grüße, Thorsten

PS: Sollte zufällig jemand noch passendes Seefrosch-Material haben (z.B. die Färbung der Oberschenkel-Hinterseiten, ein rufendes Männchen mit sehr dunklen Schallblasen oder man den Zeh mit Fersenhöcker erkennen können... bitte ergänzen :-)

Verfasst: 26. Okt 2010, 01:12
von Hotte
Hallo Thosten,

dachte bisher immer "Frosch ist Frosch" :-) ...jetzt bin ich schlauer !
Wenn wir das nächste mal einen im Teich haben werde ich mal meht achtgeben !
Danke für die schönen Bilder und die sehr ausführlichen Infos !

Gruß Horst

Verfasst: 26. Okt 2010, 13:26
von Jürgen Fischer
Hi Thorsten,


klasse Lehrstunde, in die ich mich gerne als Schüler reinsetze und wieder was dazulerne!

Gemeinsam entwickeln wir uns weiter! Perfekt umgesetzt!!

Jetzt muss ich nur noch die Praxistauglichkeit für die Grünröcke ausprobieren, bislang fiel mir eine exakte Trennung immer sehr schwer!

LG Jürgen

Verfasst: 27. Okt 2010, 07:07
von Benjamin
Hallo Thorsten,

das ist wirklich eine hervorragende Bestimmungshilfe.
Toll beschrieben & bebildert.

Die Beschriftung der Unterscheidungsmerkmale im Bild finde ich klasse - bitte bau die doch so in die AG ein.
Falls mir mal ein Froschfoto gelingt, brauch ich die bestimmt. ;)

Verfasst: 27. Okt 2010, 20:02
von Thorsten
Hallo Horst, Jürgen und Benjamin,

danke für die lieben Worte. Schön, dass Euch die Präsentation gefällt und als Hilfestellung empfindet. So war das gedacht! :-)

@Benjamin
bitte bau die doch so in die AG ein.

Ich fühle mich mit diesem 'Novum' im Forum (ein User wünscht, dass Bilder des AG-Bearbeiters der Gruppe in die AG eingebaut werden...) sehr geschmeichelt! Danke!
Und natürlich wird das bei Gelegenheit geschehen. Ich weiß noch nicht, ob erst Teil 3 (Teichfrosch) erstellt wird, spätestens danach aber auf jeden Fall.

Grüße, Thorsten

Verfasst: 27. Okt 2010, 20:04
von SilkeP.
Eine super Doku zum Bestimmen, Thorsten, danke! :DH:

Verfasst: 27. Okt 2010, 21:29
von nurWolfgang
Hallo Thorsten

eine Super Doku, der erste Teil übrigens auch.
deine Bilder sind 1A besonders das letzte eher WWM ist genial

Gruß

Wolfgang

Verfasst: 28. Okt 2010, 18:20
von Gabi Buschmann
Hallo, Thorsten,

ja, die Bestimmung fällt wirklich sehr schwer!
Vielen Dank für diese tolle und erhellende Doku
mit aussagekräftigen Bildern, die eine gute Hilfe
fürs Bestimmen ist!

Gabi

Verfasst: 7. Nov 2010, 23:11
von wolfram schurig
Hallo Thorsten!

Super Beschreibung des ridibundus! Es bleibt eine unsichere Sache, wobei ich den Seefrosch am einfachsten finde - v.a. wegen der Größe und wegen des Gesangs! Man muss sich halt vor Augen führen, dass man hier Zeuge der Evolution ist und das ist eigentlich das spannendste.

Wir sind hier ja mit nur 3 Verwechslungsarten aus dem Wasserfroschkomplex noch gut bedient. Andere haben noch zusätzlich den Grafschen-Hybridfrosch, perezi, bergeri plus alle, die man noch nicht kennt bzw. gleich wieder vergisst....schon spannend!


LGr

Wolfram

Verfasst: 3. Dez 2010, 00:21
von Werner Buschmann
Hallo Thorsten,

Danke für diese Bestimmungshilfe.
Meinst Du es liegt am Alter,
dass ich mir das sicherlich nicht
auswenig merken kann, oder schaut ihr auch
immer wieder in solche oder vergleichbare Bestimmungshilfen?

Werde mir deine Trilogie - so Du sie zum Abschluss bringen kannst -
sicherlich noch mehrmals ansehen.

Werner