Hallo liebe User,
mir ist klar, dass der zweite Teil der Doku "Auf Sand gebaut" http://www.makro-forum.de/ftopic50788.html
bei weitem nicht an den ersten Teil heranreicht, aber vielleicht ist doch für den einen oder anderen auch das eine oder andere interessante Foto dabei.
Alle aufgenommen in verschiedenen Sandgebieten Mittel - und Oberfrankens, z. T. aus der sogenannten Sandachse, die in weiten Teilen Binnendünen beeinhaltet.
Ein Lebensraum, der hochgradig gefährdet ist und nur unzureichend durch Sekundärbiotope (Sandgruben) ersetzt werden kann.
Viel Spaß beim Durchschauen.
LG Jürgen
Ach ja, die meisten Bilder sind ohne Stativ, entweder mit oder ohne Blitz entstanden. Soweit ich mich erinnere ist die Paarung der Heuschrecken mit Stativ gemacht.
Auf Sand gebaut (Teil 2)
- Jürgen Fischer
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Auf Sand gebaut (Teil 2)
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- Myrmeoletettix maculata ist eine kleine Feldheuschrecke aus der Gruppe der Grashüpfer. Während das Männchen der Art ihrem deutschen Namen alle Ehre macht und gekeulte Fühler aufweist (Gefleckte Keulenschrecke), sieht man beim Weibchen im Portrait nichts von diesen Keulen. Das erleichtert nicht unbedingt die Bestimmung der Weibchen.
- 1 Myrmeoletettix maculatus Grashüpfer Feldheuschrecken 70.jpg (245.26 KiB) 4404 mal betrachtet
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- Das Weibchen legt seine Eier, wie viele Sandbewohner direkt in den sandigen Boden ab und überlässt das "Ausbrüten" der Sonne und dem heißen Sand. Obwohl die kleine Feldheuschrecke (12-17mm) keinen ausgeprägten Legebohrer besitzt, schafft sie es auch in verdichtete Böden einzudringen. Hier war eine Mountain - Bike Piste der erwählte Ort, kein Grund für das Weibchen den Nachwuchs nicht abzulegen.
- 2 Myrmeoletettix maculatus Grashüpfer Feldheuschrecken 66.jpg (282.71 KiB) 4402 mal betrachtet
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- Interessant das Verhalten nach der Ablage (es waren mehrere):
Das Tierchen versuchte mit scharrenden Bewegungen der Hinterbeine kleine Steinchen und anderes Material wie Kiefernnadeln oder Stöckchen in den Bereich des "Höhleneinganges" zu befördern und ihn so zu verschließen. (gilt für Bild 3 und 4) - 3 Myrmeoletettix maculatus Grashüpfer Feldheuschrecken 69.jpg (229.56 KiB) 4405 mal betrachtet
- Interessant das Verhalten nach der Ablage (es waren mehrere):
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- Erläuterung siehe Bild 3.
Man sieht schön die scharrenden Sprungbeine.
Das herangescharrte Stöckchen liegt nun quer über der Brutkammer. - 4 Myrmeoletettix maculatus Grashüpfer Feldheuschrecken 68.jpg (201.87 KiB) 4404 mal betrachtet
- Erläuterung siehe Bild 3.
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Fortsetzung 1
Beutefang der Kotwespe
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- Die Kotwespe Mellinus arvensis ist eine unserer häufigsten Grabwespen. Man kann sie leicht an einer großen gelben U-förmigen Zeichnung im "Gesicht" erkennen.
Das Bild zeigt den Hautflügler am Eingang seiner Hauptröhre, die ca 50 cm tief in den sandigen Boden reicht und rund zehn Nebenröhren besitzt. - 5 Kotwespe Apocrita 0001.jpg (387.05 KiB) 4333 mal betrachtet
- Die Kotwespe Mellinus arvensis ist eine unserer häufigsten Grabwespen. Man kann sie leicht an einer großen gelben U-förmigen Zeichnung im "Gesicht" erkennen.
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- Am Hinterleib der Grabwespe sieht man 4 gelbe Ringe, der 3. ist unterbrochen.
Sie fliegt noch sehr spät im Jahr, bis in den Oktober hinein und ist auch bei niedrigeren Temperaturen (16 Grad) bereits aktiv. Oft findet man ihre Röhren in größeren Populationen, neben Sandböden werden auch torfhaltige, lockere Böden besiedelt. - 6 Kotwespe Apocrita 0002.jpg (325.48 KiB) 4335 mal betrachtet
- Am Hinterleib der Grabwespe sieht man 4 gelbe Ringe, der 3. ist unterbrochen.
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- Immer wieder kann man die Wespe beobachten, wie sie z.B. auf Totholz und Baumstümpfen auf Beute lauert. Mellinus hat sich auf Zweiflügler spezialisiert und bevorzugt dabei Fliegen (Muscidae) und Schwebfliegen (Syrphidae). Dabei schleicht sie sich an die Beute an und überwältigt sie mit einem raschen Sprung.
Das Bild zeigt eine eher ungewöhnliche Beute, wohl eine Stilettfliege, der Zugriff war aber zu schnell für meine Reaktionszeit! - 7 Kotwespe Apocrita 0003.jpg (290.54 KiB) 4333 mal betrachtet
- Immer wieder kann man die Wespe beobachten, wie sie z.B. auf Totholz und Baumstümpfen auf Beute lauert. Mellinus hat sich auf Zweiflügler spezialisiert und bevorzugt dabei Fliegen (Muscidae) und Schwebfliegen (Syrphidae). Dabei schleicht sie sich an die Beute an und überwältigt sie mit einem raschen Sprung.
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- Der Rest ist dann schnell erzählt, die Wespe düste ab, wie ein Senkrechtstarter. Mit viel Glück konnte ich sie grad noch am oberen Bildrand festhalten. (Hätte ich damals schon FF gehabt ........)
Kein tolles Flugbild, aber man sieht die Dynamik und den Transportvorgang ganz gut. - 8 Kotwespe Apocrita 0004.jpg (293.9 KiB) 4335 mal betrachtet
- Der Rest ist dann schnell erzählt, die Wespe düste ab, wie ein Senkrechtstarter. Mit viel Glück konnte ich sie grad noch am oberen Bildrand festhalten. (Hätte ich damals schon FF gehabt ........)
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- Glücklicherweise war der Ort des Überfalls nicht weit von der Brutröhre entfernt und so konnte ich gerade noch festhalten, wie die Fliege im Brutgang auf Nimmerwiedersehen verschwand.
Der Name Kotwespe stammt übrigens daher, dass die Wespe ihre Beute sehr gern von Kuhfladen und Pferdeäpfeln "absammelt" - 9 Kotwespe Apocrita 0005.jpg (393.31 KiB) 4333 mal betrachtet
- Glücklicherweise war der Ort des Überfalls nicht weit von der Brutröhre entfernt und so konnte ich gerade noch festhalten, wie die Fliege im Brutgang auf Nimmerwiedersehen verschwand.
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Fortsetzung 2
Weitere Sandbewohner
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- Wegwespen sind flinke Hautflügler, die sich auf das Erbeuten von Spinnen spezialisiert haben. Dabei wird dann in der Brutkammer immer nur ein Ei auf eine Spinne abgelegt.
Leider gelingt nicht immer eine Komplettdoku des Beuteerwerbs, hier ist nur die Abschleppphase zu sehen, bei der die Wegwespe Agenioideus cf cinctellus eine kleine Springspinne (verm. Dendryphantes rudis) senkrecht an einem abgestorbenen Baumstamm hochhievt. Dann verschwand sie dann in einer Holzspalte und die Beobachtung war zu Ende. - 10 Agenioideus-cinctellus-Wegw.jpg (313.47 KiB) 4330 mal betrachtet
- Wegwespen sind flinke Hautflügler, die sich auf das Erbeuten von Spinnen spezialisiert haben. Dabei wird dann in der Brutkammer immer nur ein Ei auf eine Spinne abgelegt.
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- Hier ist vermutlich Ammophila sabulosa zu sehen, eine Grabwespe deren deutscher Name "Gemeine Sandwespe" lautet.
Sabulosa trägt große unbehaarte Spanner oder Eulenraupen ein, die Raupen sind meist so groß, dass sie zu Fuß transportiert werden müssen. Dabei geschieht der Transport der durch einen Stich gelähmten Raupe fast immer mit dem Bauch nach oben.
Im Bild sieht es so aus, als würde sich die Raupe noch durch einen Biss in den Fühler der Wespe zu wehren versuchen. - 11 Sandwespe Apocrita.jpg (335.42 KiB) 4330 mal betrachtet
- Hier ist vermutlich Ammophila sabulosa zu sehen, eine Grabwespe deren deutscher Name "Gemeine Sandwespe" lautet.
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- Gut kann man erkennen, wie tief sich die Kiefer der Wespe in den Raupenkörper eingraben. Die Raupe hat keine Chance.
- 12 Ammophila-+-Sandwespe-Grabw.jpg (269.65 KiB) 4331 mal betrachtet
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- Am Höhleneingang wird die Raupe dann abgelegt, die Wespe schlüpft kopfüber in die Röhre. Dann wendet sie in der Höhlung und zieht die Raupe rasch in die Röhre hinein, wo die Eiablage erfolgt.
- 13 Ammophila-+-Sandwespe-ff.jpg (389.97 KiB) 4330 mal betrachtet
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- Nach der Eiablage ist die Brutpflege auch schon beendet, die Wespe versucht nur noch den Höhleneingang mit kleinen Steinchen, Erde oder Pflanzenteilen zu verstecken.
- 14 Ammophila-+-Sandwespe3.jpg (395.67 KiB) 4332 mal betrachtet
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Fortsetzung 3
Noch ein paar Sandbewohner
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- Zum Schluss noch das Bild einer Paarung von Chorthippus vagans, einer Feldheuschrecke aus der Gruppe der Grashüpfer.
Vagans ist an trockenheiße Lebensräume angepasst, am ehesten findet man den Steppengrashüpfer an warmen, an Sandflächen grenzenden Kiefernwaldrändern.
Die Art ist in Deutschland gefährdet. - 16 Chorthippus vagans Grashüpfer Feldheuschrecken_1.jpg (382.7 KiB) 4330 mal betrachtet
- Zum Schluss noch das Bild einer Paarung von Chorthippus vagans, einer Feldheuschrecke aus der Gruppe der Grashüpfer.
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- Die skurrile Larve der Feldsandläufer hab ich schon in Teil 1 gezeigt.
Aber auch die Käfer sind lohnende Fotomotive unter den Sandspezialisten.
Cicindela campestris, der Feld-Sandlaufkäfer ist mit eine unserer häufigsten Arten.
Für mich sind die Tiere immer eine fotografische Herausforderung. Sie sind als thermophile Tiere fast nur in praller Sonne unterwegs und dann auch entsprechend agil. Hat man es geschafft sich auf eine annehmbare Distanz angepirscht und ist schussbereit, dann fliegen sie meist noch in letzter Sekunde davon, bevor ich auslösen kann. - 17 IMG_1302f.jpg (409.47 KiB) 4331 mal betrachtet
- Die skurrile Larve der Feldsandläufer hab ich schon in Teil 1 gezeigt.
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- Schafft man dann trotz der Schwierigkeiten mal einen Frontalschuss sieht man gut, warum der Sandlaufkäfer so ein genialer Räuber ist.
Ein schneller, flinker Läufer, der auch noch fliegen kann, mit riesigen Komplexaugen, die auf die geringste Bewegung reagieren.
Dazu mächtige, furchteinflößende Beisswerkzeuge, die das Opfer packen und zermalmen.
Mit diesem Portrait ist das Ende der Doku erreicht, da ich aber im Juni mal wieder ein Sandgebiet besuchen kann, folgt sicher ne Fortsetzung!
LG Jürgen - 18 IMG_1327ff.jpg (357.62 KiB) 4334 mal betrachtet
- Schafft man dann trotz der Schwierigkeiten mal einen Frontalschuss sieht man gut, warum der Sandlaufkäfer so ein genialer Räuber ist.
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Hallo Jürgen,
jetzt weiß ich was ich mal wieder seit langem gebraucht habe.Eine Doku von dir! Lebewesen zeigst du uns und keine Objekte. Mehr kann ich mir nicht wünschen. Danke für die reichhaltigen Einblicke in die Sandachsenwelt.
jetzt weiß ich was ich mal wieder seit langem gebraucht habe.Eine Doku von dir! Lebewesen zeigst du uns und keine Objekte. Mehr kann ich mir nicht wünschen. Danke für die reichhaltigen Einblicke in die Sandachsenwelt.
Grüße, Marcus
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Besonders faszinierend finde ich die Wespe mit der Raupe. Was für ein Kraftakt für dieses kleine Insekt.