Ameise frisst Fliege...

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Felix Speiser
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Ameise frisst Fliege...

Beitragvon Felix Speiser » 11. Jun 2012, 20:14

... dachte ich, als ich mich einem "wunzigen" dunkeln Knäuel auf einem Malvenblatt näherte.
Wer hat denn schon sowas gesehen, unglaublich, ein Bodenkrabbler frisst einen Flieger... ! Eigentlich schaute ich etwas missmutig den kleinen Blattläusen und emsigen Ameisen zu, die zu fotografieren nicht wirklich einluden, zu klein, zu windig zu...

Also Kamera geschwenkt und den dunkeln Knäuel auf Film, sprich Speicherkarte, gebannt, bevor sich dieses kuriose Gebilde nach hinten unter das Blatt verabschiedete.

Am Bildschirm dann verstand ich die Biologie nicht mehr: das war keine Ameise (mehr)... aber mit so einer Taille sicher ein Krabbler. Doch hallo, einige Bilder weiter hatte sich der kleine Knäuel gedreht und da schauen mich zwei kugelrunde Augen direkt an, bei starker Vergrösserung erscheine ich selbst sogar als Reflex, welche Ehre ;-) ... eine Spinne? ... eine Spinne mit Ameisentaille, das gibt es doch gar nicht, oh jeh spinne ich denn schon...?

Doch gibt es! Die Kugelaugen sind solche, wie man sie von Springspinnen her kennt und hier handelt es sich "folgerichtig" um eine Ameisenspringspinne. Es könnte eine Leptochestes barolinensis oder Synageles venator sein (1). Letztere Art scheint mir wahrscheinlicher, wenn ich Grösse und Vorkommen gemäss H.Bellmann (1) berücksichtige. Allerdings fehlt die weisse Querbinde hinter der dritten Augenreihe, was wieder für Leptorchestres sprechen würde. Die Artengallerie hier im Forum hat mich auch nicht weitergebracht.

Naja, wie auch immer, ich habe auf jedenfall wieder etwas gelernt, und wenn es Euch mit diesen beiden Bildern gleich geht, dann hat dieses Forum einmal mehr seinen Sinn mehr als nur bestätigt. Ich glaube, diese Spinne sieht man nicht sehr häufig. Jürgen wird uns da sicher weiterhelfen können ;-)

Die beiden Bilder sind sicher nicht perfekt, könnten aber vielleicht trotzdem die Artengallerie ergänzen, sollen das die Moderatoren entscheiden ;-)

Mit den besten Grüssen,
Felix


(1) Heiko Bellmann: Kosmos Atlas Spinnentiere Europas; Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart (2006)
ISBN-13: 978-3440-10746-1
Dateianhänge
Kamera: Sony A700
Objektiv: Sony Macro 100mm
Belichtungszeit: 1/15
Blende: 9.5
ISO: 200
Beleuchtung: Tageslicht, später nachmittag, Halbschatten
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG) RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Höhe): ca. 60% Originalformat
Stativ: ja
---------
Aufnahmedatum: 10.6.2012
Region/Ort: oberwil (BL) / Region Basel CH
Lebensraum: Garten
Artenname: Ameisenspringspinne
NB
sonstiges: die beiden Bilder wurden etwas entsättigt und geschärft
Ameisenspringspinne_01.jpg (151.29 KiB) 1819 mal betrachtet
Ameisenspringspinne_01.jpg
Ameisenspringspinne_02.jpg (147.05 KiB) 1819 mal betrachtet
Ameisenspringspinne_02.jpg
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Beitragvon piper » 14. Jun 2012, 19:52

Hallo Felix,

danke für die zwei interessanten
Aufnahmen und die
Hintergrundinfos!.
Ist ja ein faszinierendes Tier!
Liebe Grüße Ute


Die Freude am Kleinen ist die schwierigste Freude, denn es gehört ein großes Herz dazu.
Rainer Maria Rilke
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Beitragvon Gabi Buschmann » 15. Jun 2012, 21:53

Hallo, Felix,

ja, die Spinne sieht auf den ersten
Blick wirklich wie eine Ameise aus, ihren
Namen hat sie wirklich zu Recht.

Da sind dir spannende Bilder gelungen,
vielen Dank dafür und für die interessanten
Infos.

Gabi
Liebe Grüße Gabi
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Beitragvon michnus » 15. Jun 2012, 21:59

Hallo Felix,

sensationelle Doku! Was es alles gibt.... Unter den hektischen Bedingungen sind die Bilder doch prima geworden.

LG Matthias
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Beitragvon Corela » 16. Jun 2012, 00:08

Hallo Felix,

deine Doku ist einfach super, dein Text dazu sehr interessant.
Auf den ersten Blick, einen zweiten hätte ich wahrscheinlich erst auf dem Monitor gewagt,
sieht sie wirklich aus wie eine Ameise.
Auch noch so ein Grund warum ich das MF mag, hier sieht man interessante Dinge,
die nicht exotisch sein müssen.
lG
Conny

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Beitragvon gast 22 » 16. Jun 2012, 20:14

Hallo Felix,
wollte schon sagen "Mensch was für ne grosse Ameise" ja und dann hab ich das zweite Bild gesehen. So kann man sich irren.
Klasse Doku mit Überraschungseffekt!
Lg Moni
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Beitragvon HCS » 18. Jun 2012, 14:10

Hallo Felix,
interessant, daß es sowas auch hier gibt, habe ich noch nie gesehen. Mir ist allerdings mal eine Spinne in Sri Lanka "begegnet", die sich immer in der Nähe einer Ameisenstraße aufgehalten hat, wo das Frühstück direkt vorbeiläuft. Dass die nicht auffiel, war kein Wunder.
Grüße
Christian

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Beitragvon Felix Speiser » 18. Jun 2012, 17:36

Herzlichen Dank Euch Allen

In der Zwischenzeit hatte ich einen kurzen E-Mailaustausch mit Jürgen Fischer, der mich freundlicherweise auf die Spinnen-Familienkarte von Deutschland hinwies. Danach tendiere ich auf die in nur sehr warmen Gegenden lebende Leptorchestes barolinensis, die in Deutschland bisher nur in der Gegend des warmen Rheingrabens beobachtet wurde: http://www.spiderling.de/arages/index2.htm Wenn dem so ist, haben diese beiden Bilder sicher einen gewissen Wert. Spannend ;-)

LG Felix
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Beitragvon Werner Buschmann » 21. Jun 2012, 06:15

Hallo Felix,

interessanter Fund.
Schön, dass Du ihn festhalten konntest.
Das sind genau zwei wichtige und sich
ergänzende Perspektiven.
Vielen Dank.

Werner
________________
Liebe Grüße Werner
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Beitragvon wolfram schurig » 25. Jun 2012, 22:42

Hi felix!

Ich finde, die Szene hast du sehr gut dokumentiert! Dies scheinen doch eher opportun zu sein in der Nahrungsbeschaffung! Ich dachte bislang eigentlich, dass die Ameisen imitieren um sich an diese unbemerkt heranschleichen zu können!

LGr

Wolfram
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