Monitorkalibrierung - Null-Euro-Alternative?

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ULiULi
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Monitorkalibrierung - Null-Euro-Alternative?

Beitragvon ULiULi » 31. Okt 2009, 12:40

Hallo Makrofreunde,

gestern hatten wir im MP mal wieder ein Foto, bei dem die Diskussion auf die Monitorkalibrierung hinaus lief und die Frage aufgeworfen wurde, ob man denn nicht daran vorbei käme, mindestens 75 bis 100 Euro für ein Messgerät nebst Software auszugeben.

Ich bin der Meinung, dass die Kalibrierung, genauer Justage, des Monitors auch mit Hilfe eines geeigneten Testbilds durchaus ordentlich möglich ist.


Nachdem ich mich mit dem Thema schon längere Zeit beschäftigt hatte, habe ich irgendwann ein Testbild (unten Bild 1) entwickelt, mit dem ich auf einen Blick die Kontrast-, Helligkeits- und Farbeinstellung kontrollieren und erforderlichenfalls nachjustieren kann. In Bezug auf die Farbeinstellung habe ich inzwischen durch ein Leihgerät (Philips 190 WV) feststellen müssen, dass längst nicht jeder Monitor in der Lage ist, die leichten Einfärbungen darzustellen. Auch andere User berichteten mir, dass in der Mitte alles weiß sei. Daher habe ich das Testbild gestern nochmal verfeinert, s. Bild 2 unten.

In meinem Testbild sind ganz oben und unten ein weißer und ein schwarzer Streifen, in denen die Ziffern 1 bis 9 in jeweils leichten Helligkeitsstufen zu sehen sind. Sie dienen dazu, Kontrast und Helligkeit so zu justieren, dass möglichst viele Ziffern sichtbar werden.

Technischer Hintergrund: Zwischen schwarz und weiß kann die Software 254 Graustufen darstellen. RGB 0|0|0 ist schwarz; 255|255|255 ist weiß. Die Einsen im Testbild haben die Helligkeitswerte 252|252|252 bzw. 3|3|3, liegen also sehr nahe an weiß und schwarz. Um diese auf dem weißen bzw. schwarzen Hintergrund darstellen zu können, braucht es schon einen recht guten Monitor und insbesondere für die dunklen Ziffern auch einen abgedunkelten Raum.

Im hellen mittleren Bereich der Testbilder sind links und rechts jeweils drei ganz leicht eingefärbte Flächen, die in der Mitte an einen weißen Bereich grenzen. Meine Idee ist, dass eine Farbabweichung des Monitors subjektiv gut wahrnembar wird, wenn der direkte Vergleich zu bekannten und definierten farbigen Flächen möglich ist.
Im ersten Bild haben die Farben Abweichungen von jeweils sieben Helligkeitsstufen vom reinen Weiß; z.B. RGB 255|248|248 für rot. Im zweiten Bild (für weniger gute Monitore) habe ich die Farbflächen nochmal in drei unterschiedlich stark eingefärbte Drittel unterteilt, die nach außen hin intensiver werden; bei Rot z.B. von 255|250|250 über 255|245|245 bis 255|240|240 - die anderen Farben entsprechend.

Zwischen dem hellen mittleren Bereich und der schwarzen Ziffernzeile unten befindet sich noch ein grauer Streifen mit dem Helligkeitswert 186|186|186 in dessen Mitte sich eine Rasterfläche mit abwechselnd weißen und schwarzen Pixeln befindet. Auf einige Entfernung betrachtet sollte die Fläche einheitlich Grau sein. Anderenfalls stimmt die Gammaeinstellung des Monitors und/oder der Grafikkarte nicht. Außerdem sollte die Fläche keinen Farbstich haben.

Was haltet ihr von den Testbildern?
Reichen die Farbflächen im Bild2 für eure Monitore aus, oder gibt es Monitore, für die die Einfärbung noch nicht ausreicht?
Hat jemand ein Colorimeter und kann mal testen wie weit eine Einstellung nach meiner Methode von dessen Ergebnis abweicht?


Schlusswort:
Natürlich führt bei professioneller Bildbe- und verarbeitung sicher kein Weg am Colorimeter nebst Software vorbei. Allerdings ist dann auch ein spezieller Monitor fällig, der mindestens in der Preisklasse von rund 1.000 Euro angesiedelt ist. Für die meisten Hobbyfotografen sind solche Beträge m.E. schwer zu rechtfertigen. Brauchbare Monitore mit PVA-Panels gibt es inzwischen schon deutlich unter 300 Euro. Mein SyncMaster 740T z.B. ist durchaus in der Lage, sämtliche Details meiner Testbilder darzustellen, wenn ich Spielereien wie MagicBright und wie sie alle heißen konsequent abschalte und mich direkt am Monitor auf die Einstellung von Kontrast, Helligkeit, Farbtemperatur, Farbanpassung und Gamma beschränke und mich strikt im sRGB Farbraum bewege.

Ich denke denjenigen, die sich kein Colorimeter leisten wollen oder können ist es mit diesen Testbildern möglich, ihre Monitore brauchbar zu justieren, so dass eine vernünftige Beurteilung der eigenen und fremder Fotos gewährleistet ist.

Die Testbilder stelle ich zur freien Verfügung und kostenlosen Weiterverbreitung ins Netz. Wer möchte, kann sie auch als TIF bekommen (je ca. 1,9 MB)

Gruß / ULi

P.S.: Auf den zutreffenden Hinweis von Markus Gebel, dass es keine "Kalibrierung" sondern "Justage" ist, was ich hier beschreibe, habe ich den Text diesbezüglich korrigiert. Danke Markus.
Dateianhänge
HowTo Einstellungen am Monitor
1. Kontrast und Helligkeit auf 100 %
2. Helligkeit senken, bis dunkle 1 oder nächstgrößere Ziffer gerade noch sichtbar.
3. Kontrast senken, bis helle 1 oder nächstgrößere Ziffer gerade noch sichtbar.
4. Großes Feld in der Mitte ist rein weiß. Links und rechts davon jeweils die dem Text entsprechenden Farbstiche.
5. Graue Zeile ist Gamma-Teststreifen. Innen und außen sollten auf Entfernung identisch grau sein.
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-INTERN-
Monitorkalibrierung_AIO.jpg (123.34 KiB) 146699 mal betrachtet
Monitorkalibrierung_AIO.jpg
-INTERN-
Monitorkalibrierung_AIO_2.jpg (83.98 KiB) 146697 mal betrachtet
Monitorkalibrierung_AIO_2.jpg
Zuletzt geändert von ULiULi am 12. Mai 2014, 14:56, insgesamt 5-mal geändert.
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Beitragvon Schirmi » 31. Okt 2009, 14:22

Hallo Uli.
Schade, die Testbilder kommen genau 125 € zu spät für mich.
Ich habe ja nun Monitor und Laptop mit dem Spyder 3 kalibriert.
Ich kann alles so sehen wie du es beschreibst.

Wenn sich jetzt einige Leute das Geld für ein Colorimeter sparen können, hat sich das alles schon gelohnt.
Tolle Arbeit von Dir.
Und noch besser finde ich es, das Du es uns im Forum zur Verfügung stellst. Schönen Dank!
Grüße
Dirk
................................................................................................................
Fotografieren ist total einfach,......... man muß nur die Fehler weglassen.
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Beitragvon Dedder » 31. Okt 2009, 18:08

Hallo Uli,

ich habe das jetzt gleich mal ausprobiert mit dem zweiten Bild und es klappt prima!

Danke Detlef
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Beitragvon side » 1. Nov 2009, 13:21

Hallo ULi

Super!!! Ich kann sogar auf Bild 1 die Farben erkennen. Tolle arbeit von Dir... Danke vielmals.

Gruss

Michel
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Beitragvon manni53 » 1. Nov 2009, 13:49

Danke Uli!

Das ist die richtige Antwort auf Industrieprodukte, die zu kurzlebig sind.
Ich kann alles gut erkennen bis auf die dunkle 1.
Habe meinen Monitor nur auf 130cd/m2 kalibriert, weil sonst die Drucke zu dunkel werden.
Freundlichen Gruß, Manfred

Vorne hui - hinten pfui ?
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Beitragvon falk1406 » 1. Nov 2009, 13:51

klasse


jetzt hab ich mal gesehn wie schlecht ich eingestellt habe :roll:


LG und danke
Lg und immer gut Licht Falk
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Beitragvon Jürgen Fischer » 1. Nov 2009, 14:06

Perfekt, vielen Dank!

LG Jürgen
Wenn ihr mehr über eure Motive wissen wollt, dann schaut doch mal in die Artengalerie!

Wenn ihr außergewöhnliche Szenen aus dem Leben unserer Motive sehen, oder interessante Informationen bekommen wollt, dann schaut doch mal in die Biologischen Themen!
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Beitragvon Benjamin » 1. Nov 2009, 14:28

Hallo Uli,

vielen Dank für deine Mühe.
Ich stelle meinen Monitor ja schon immer pi x Daumen ein.
Für ein Kalibrierungsgerät bin ich einfach zu geizig. Gebürtiger Schwabe eben. :roll:

Auf dieser Seite gibt's da auch noch ein paar Hilfen:
http://werbefoto.at/d_base/calibration.htm
Viele Grüße,
Benjamin
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Beitragvon Radomir Jakubowski » 1. Nov 2009, 18:32

Interessante Taktik,
kleiner Tipp nebenbei, für alle die alte technik nicht stört und die keine besonders hohen ansprüche haben, der Spyder 2 läuft aus, hab letzte woche vom Spyder 2 Express drei stück gekauft, neu à 45eur.
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Beitragvon Werner Buschmann » 1. Nov 2009, 19:25

Uli.

Klasse Beitrag.
Ich pinne ihn mal unter wichtig an.

Werner
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Liebe Grüße Werner

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