Wann ist Blitzlicht gefährlich für Tiere?

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segeiko
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Beitragvon segeiko » 28. Apr 2015, 14:30

Hallo Stefan

ich lebe nach dem Prinzip: was ich selber nicht gerne hab, mute ich auch andern
Lebewesen nicht zu. Wie Du bemerkt hast, ist das Blitzlicht voll ins Auge gezielt
alles andere denn Wohltuend und ich gehe mal davon aus, dass es sich bei Tieren nicht
anders verhält.

Ich weiss nicht, was Du genau fotografierst, dass Du zu meist nachts unterwegs bist.
Dennoch kannt Du ja evtl. die Variante mit indirektem Licht/Blitz versuchen.

Viele Grüsse
Beatrice
Mit offenen Augen läuft es sich besser durchs Leben
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Nikonudo
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Beitragvon Nikonudo » 28. Apr 2015, 14:48

Hallo Stefan,

jeder weiß, wie unangenehm und bei empfindlichen Menschen sogar schmerzhaft, es ist, beim Fotografieren ins Blitzlicht
zu schauen. Da Tiere, insbesondere nachtaktive Tiere wie z.B. Katzen, weitaus lichtempfindlichere Augen haben als wir,
sollte es für jeden verantwortungsbewußten, einfühlsamen Fotografen eigentlich selbstverständlich sein, bei Tierfotos
auf Blitzlicht zu verzichten. Ein Fotoshooting kann immer mit Tageslicht gemacht werden, wenn man bereit ist,
egoistische Motive außer acht zu lassen. In Tropenhäusern, Aquarienhäusern und auch in Schmetterlingshäusern ist
fotografieren mit Blitzlicht aus Tierschutzgründen meistens strikt verboten! Deshalb würde ich keine Tiere mit
Blitzlicht oder überhaupt mit Licht ( zum Beispiel Strahler und LED's ) fotografieren.


LG Udo
Meine Fotos werden nie perfekt sein. Aber wenn ich ein Foto zeige, dann gefällt es MIR.
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Beitragvon MichaSauer » 28. Apr 2015, 15:09

Hallo Stefan,

ich kann nicht mit wissenschaftlichen Erkenntnissen dienen, sondern nur mit subjektiven
Erfahrungen. Da ich in den Tropen fast ausschließlich Phasmiden fotografiere, habe ich
deren Reaktionen auf das Blitzlicht feststellen können. Manche Arten putzen sich auf das
Blitzlicht hin die Augen. Daraus schließe ich, dass sie das Gefühl haben, ein Fremdkörper
wäre auf den Augen.

Bei Reptilien und Amphibien habe ich bei ruhigem Verhalten tatsächlich noch keine
Reaktionen festgestellt. Ich denke, dass es zumindest wichtig ist, gleichzeitig mit einer
Taschenlampe aufzuhellen, sodass die Pupillen schon etwas geschlossen sind, bevor das
Blitzlicht auf das Auge trifft. Durch den Einsatz eines Diffusors wird das Blitzlicht
abgeschwächt.

Ich denke, dass man den 'Fototermin' mit einem Tier grundsätzlich möglichst kurz halten
sollte, sehe es aber auch nicht wirklich problematisch. Die Alternative wäre, den
Regenwald nachts gar nicht zu betreten (und ich meine hier immer offizielle Wege/Pfade!)
- oder ohne Taschenlampe, was ein wenig fahrlässig wäre ;)

Viele Grüße
Michael
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Beitragvon Nikonudo » 28. Apr 2015, 15:28

Hi Stefan,

Wenn Du es genau wissen möchtest,
würde ich an Deiner Stelle einen
Tierarzt befragen. Das wird sicher nichts
oder sehr wenig kosten und hilft Dir und den Tieren.


LG Udo
Meine Fotos werden nie perfekt sein. Aber wenn ich ein Foto zeige, dann gefällt es MIR.
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Beitragvon ji-em » 28. Apr 2015, 20:25

Hoi Stefan,

Ich war lange in ein anderes Forum tätig wo diese Frage oft
aufgeworfen wurde in Zusammenhang mit Nachtaufnahmen von
Nachtgreifvögel und Fledrmäuse.

Behauptungen wurden da zu Haufe geäussert. Aber erhärtete,
wissenschaftlich belegte Aussagen konnte niemand machen.

Vielleicht könnte dir das Max Planck Institut konkrete Aussagen machen.
Ich habe mal einen Wissenschaftler gekannt, der dort arbeitete und der
sich mit das Augen von sämtliche Säugetiere beschäftigt hat.

Du kannst vielleicht nach seine Publikationen aufs Net suchen:
Martin Glösmann, Max-Planck Institut Frankfurt.

Falls du was finden wurdest, wurde es mich sehr interessieren.

Viel Glück !

Lieber Gruss,
Jean
Vergleichen macht vieles klar ... ! :-)
Mein Kommentar wiederspiegelt nur meine momentane, bescheidene, persönliche Meinung.
Bitte, auf kein Fall, persönlich auffassen auch wenn ich mich irreführend mitgeteilt habe.
Ich lese lieber 2-3 aufrichtige, negative Kommentare ... als gar keine ! :-)
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Beitragvon didi » 29. Apr 2015, 18:06

Sandwich hat geschrieben: Auch in den ganzen Youtube videos und Büchern, hat da nie jemand etwas angemerkt.

LG Stefan


Hallo Stefan,

doch, in einem Buche habe ich von dem Thema Blitz in der Tierfotografie schon gelesen. Leider weiß ich nicht mehr, in
welchem Buch das war.

Weil uns ein Blitz nicht angenehm ist, muß das aber bei Tieren nicht auch so sein. Man sollte annehmen, dass Säugetiere
mit ähnlichen Augen wie den unseren, auch vergleichbar sehen und empfinden.
Das scheint aber nach Beobachtungen von einigen Fotografen, die über dieses Theme diskutiert haben, nicht so zu sein.

Es wird mehrheitlich angenommen, dass Säugetiere einen künstlichen Blitz für einen natürlichen halten.
Das wird vermutet, weil die meisten Säugetieren absolut keine Reaktion auf ein Blitzlicht zeigen. Ob das wirklich so
stimmt, kann ich natürlich nicht sagen.
Aber aus eigenen Beobachtungen würde ich den Vermutungen zustimmen.

Wir Menschen reagieren auf das Blitzlicht mit dem Kopf abwenden und/oder Augen schließen und blinzeln.
Wer hat ein ähnliches Verhalten bei seinem Hund oder seinen Haustieren beobachtet? Ich hatte bisher vier Hunde. Die
haben sich an dem Blitzen im Haus oder im Freien nie merkbar gestört. Auf laute und unbekannte Geräusche hingegen haben
aber alle meine Hunde mehr oder weniger stark reagiert.

Insekten haben ja ein ganz anderes Sehvermögen wie die Säugetiere. Wer will schon wissen, was diese Tiere bei einem
Blitzlicht empfinden?
Stört sie das Blitzlicht wirklich nicht, nur weil sie keine Regung zeigen? Ist es möglich, dass Insekten mit ihren
Facettenaugen einen kurzen Lichtblitz gar nicht wahrnehmen können?
Das könnte vielleicht sein, denn auf eine schnelle Bewegung in ihrer Nähe reagieren Insekten sofort mit Flucht.

Ohne Genaues zu wissen, wäre mein Ratschlag, den Blitz so wenig wie möglich für direktes Beleuchten beim Fotografieren
von Tieren aller Art zu verwenden. Allenfalls sollte man einen diffusen, indirekten Blitz einsetzen.
So mache ich das.
Gruß, Uwe
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Beitragvon HCS » 4. Mai 2015, 01:01

Was Insekten betrifft, habe ich in tausenden Aufnahmen über viele Jahre noch nie eine Reaktion auf den Blitz
festgestellt. Aber die sitzen ja ohnehin stundenlang in der grellen Sonne, ohne mit der Wimper zu zucken. Offensichtlich
sind die Facettenaugen unempfindlich gegen Blitzlicht oder er wird als natürlicher Blitz interpretiert.
Aber auch die Fledermäuse im Münchner Tierpark Hellabrunn zeigten keine Scheu, als ich dort dreimal über Nacht die
Lichtschranke aufgebaut hatte. Bei ca. 200 Fledermäusen kam es pro Nacht zu rund 1000 Durchflügen, und das bis
Mitternacht stark zunehmend. Die hätten auch anders fliegen können, um an ihr Abendessen zu kommen, aber nein, manche
sind gleich paarmal durch die Lichtschranke geflogen, was anhand ihres Mannas im Maul zu erkennen war. Hat denen ganz
offensichtlich Spaß gemacht und war eine prima Abwechslung. Ähnlich die Flughunde im Tropenhaus. Einer hing an einem Ast
und hat 20mal nacheinander die Lichtschranke und damit die Blitze ausgelöst. Und das als Nachttier mit riesigen Augen in
völliger Dunkelheit. Hätte dem das keinen Spaß gemacht, hätte er es gelassen. Der Tierparkchef, ein Tierarzt, der die
Fotosession genehmigte, hatte auf meine diesbezügliche Nachfrage keine Bedenken.
Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der »Klassiker« unter den Naturfotografen. Eric Hosking z.B. sagte: »Als einer
der Pioniere in Europa in der Verwendung des Elektronenblitzes für die Vogelfotografie kann ich ohne den geringsten
Zweifel sagen, daß Vögel überhaupt keine Notiz vom Elektronenblitz nehmen, vorausgesetzt, daß Vorsorge getroffen wurde,
daß sie Zeit hatten, sich an die Reflektoren zu gewöhnen.« Und Hosking war berühmt für seine nächtlichen Eulenfotos.
Günter Olberg bemerkte, daß einige Insektenarten ein wenig auf die Wärmestrahlung des Blitzes reagierten, aber meistens
keinerlei Auswirkungen. Auch Walter Wissenbach und Heinz Sielmann konnten keine größeren Reaktionen feststellen.
Allgemein galt, daß der Blitz nur dann stört, wenn der Mensch dazu in Erscheinung trat. Blitzfotos ohne Mensch stören
dagegen wenig bis gar nicht.
Nachzulesen in »Tierfotografie« von Drechsler/Moll, Fotokinoverlag Halle 1963.
Grüße
Christian


www.natur-foto-technik.de
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Beitragvon didi » 4. Mai 2015, 12:50

Nicole hat geschrieben:Bei Fischen ist es so, das sie keine Augenlider haben, so wie wir und daher schutzlos dem
Licht ausgeliefert sind.
... die Fische sind schutzlos dem Licht ausgeliefert, das kann zu Stress führen.
... Keine Augenlider - Stress mit Licht.....so interpretiere ich es.

Hallo Nicole,

schön, dass du dir Gedanken um das Wohlergehen unsere Tiere machst. Viele Menschen sind da viel zu gleichgültig.
Vielleicht kann ich deine Sorgen im Bezug auf Fische ohne Augenlider ein wenig zerstreuen?

Die Natur ist sehr erfinderisch. Durch die Evolution ist viel Sinnvolles entstanden. Die Augenlider haben wir, damit
unsere Augen nicht austrocknen, der Lidschlage sorgt für eine Benetzung des Auges. Ausserdem sind die Augenlider in der
Lage, das empfindliche Auge vor Verletzungen durch Fremdkörpern zu schützen.
Die Augenlider haben nicht den Zweck, uns vor zu viel Licht zu schützen. Dafür haben wir die Pupille.

Tiere, die nur im Wasser leben, können also auf Augenlider verzichten, weil ihre Augen ja immer durch das Medium Wasser
benetzt sind.

Wie Fische mit offenen Augen schlafen, ist noch nicht richtig erforscht. Auch, weil viele Arten ein abweichendes
Schlafverhalten zeigen, kann man die bisherigen Erkenntnisse nicht verallgemeinern.

Sicher scheint zu sein, dass die meisten Fische in der Schlafphase nichts sehen. Sie reagieren dann auch nicht auf den
Schein einer Taschenlampe, der im Wachzustand eine Fluchtreaktion auslöst.
Bewegungen im Wasser werden aber auch im Schlaf erkannt und lassen den Fisch erwachen.

Wie kann es sein, dass trotz offener Augen kein Licht wahrgenommen wird? Vermulich können Fische ihr Sehen abschalten.
Das geht z.B., wenn die Impulse des Sehnerves einfach nicht mehr an das Gehirn weiter geleitet werden. Oder so wie bei
den Delphinen (Säugetiere), die beim Schlafen eine Hirnhälfte abschalten, während die andere aktiv bleibt?
Wie es bei den Fischen wirklich funktioniert, werden Forscher vermutlich heraus bekommen.

Sicher ist für mich, dass die Evolution den Fischen trotz fehlender Augenlider ein ebenso stressfreies Leben ermöglicht,
wie uns Menschen mit unseren Augenlidern.
Gruß, Uwe
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Beitragvon Harmonie » 7. Mai 2015, 09:47

Hallo zusammen,

für mich gilt die Redensart:

"Was du nicht willst, was man dir tut, das füge auch keinem anderen zu."


Und ich empfinde es als sehr unangenehm, wenn mir ins Gesicht geblitzt wird.

LG
Christine
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An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an all die User, die meinen Bildern
Beachtung, Aufmerksamkeit und Kommentare schenken.
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--- Alle hier von mir gezeigten Bilder dürfen ungefragt für die Artengalerie verwendet werden. ---
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Beitragvon didi » 7. Mai 2015, 14:45

Hallo Rudi,

du hast persönlichen Erfahrungen mit schlafenden Fischen im Meer. Ich habe keine entsprechenden.

Die meisten Erkenntnisse, ob schlafende Fische das Licht im Dunkeln sehen, stammen aus Beobachtungen und Versuchen in
großen Aquarien, nicht im freien Wasser.

Da Fische ein sehr empfindliches Seitenliniennorgan haben, ist es möglich, dass sie längst von den unnatürlichen
Bewegungen und Geräuschen der Nachttaucher geweckt wurden. Um dann beim Anleuchten zu fliehen.

Ich hätte jedenfalls eine ganze Menge Zweifel, dass die Fische erst durch das Licht geweckt wurden.
Gruß, Uwe

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