r-Strategen: Eiablage der Eintagsfliegen

Masse statt Klasse

Die Fortpflanzung ist es, die letztlich viele Lebewesen antreibt. Oft wird viel Aufwand betrieben, um den richtigen Fortpflanzungspartner zu finden und zu umgarnen und zu sichern. Manchmal muss aber nicht der Partner selbst, sondern bei manchen Pflanzen Mittler in Form von Bestäubern angelockt werden. Und während manche Arten alles auf eine Karte setzen und viel in wenig Nachwuchs investieren, setzen andere auf Masse statt auf Klasse. Wer dabei welche Strategie verfolgt, versuchen wir hier zu beleuchten.

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r-Strategen: Eiablage der Eintagsfliegen

Beitragvon Artengalerie » 19. Mär 2018, 23:31

Wie der Name suggeriert sind Eintagsfliegen sehr kurzlebig und überdauern teils nur wenige Stunden. Dies trifft jedoch nur auf das geflügelte Vollinsekt zu, welches nicht einmal in der Lage ist, Nahrung aufzunehmen. Den größten Teil ihres Lebens - nicht selten bis zu zwei Jahre - verbringen Eintagsfliegen jedoch als Larven, die fressen und gedeihen. Das ausgewachsene Eintagsfliegenstadium erfüllt keinen anderen Zweck als den der Fortpflanzung und Ausbreitung.
Durch ihre Flugfähigkeit sind die ausgewachsenen Stadien weit mobiler als ihre Larven. Sie führen Kompensationsflüge durch, welche sie Stromaufwärts führen und so eine (Re-)Besiedelung von Gewässerzonen ermöglicht, die für Larven unerreichbar wären. Gleichzeitig findet bei sich geschlechtlich fortpflanzenden Arten die Paarung in der Luft statt. Nur wenige Stunden später setzt das Weibchen Eier ab und stirbt kurz darauf.

Ein Weibchen mit Eipaket zu entdecken ist ein selten fotografierter Glücksfall. Da sich die Larven der Eintagsfliegen im Wasser entwickeln, setzen sie ihre Eier auch ausschließlich dort ab. Bei vielen Arten erfolgt die Eiablage zudem nachts. Die hier gezeigte Art geht dabei besonders wenig zimperlich vor. Die Weibchen pressen ein Eipaket aus dem Hinterleib hervor, welches anschließend einfach über dem Gewässer abgeworfen wird. Manche Arten gehen etwas gezielter vor und senken den Hinterleib zur Eiablage ins Wasser oder tauchen sogar ganz unter. Darüber hinausgehende Brutfürsorge oder Brutpflege wird nicht betrieben, der Nachwuchs ist von Anfang an auf sich selbst gestellt.

Wer so wenig auf erstklassige Bemutterung setzt, für den hat Masse einen hohen Stellenwert (typische r-Strategie). Entsprechend produzieren Eintagsfliegenweibchen je nach Art zwischen mehreren hundert bis einige tausend Eier. Von diesen müssen statistisch gesehen nur je zwei Junge bis zur eigenen Fortpflanzungsreife überleben, um die Art erfolgreich zu erhalten. Der einkalkulierte Jungenüberschuss erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass trotz immensem Fraßdruck durch andere Insektenlarven, Fische und Vögel genug Nachwuchs überlebt, um die die nächste Generation bereitzustellen.








Fotograf:
Otto G. (AGFID6420)
Originalbeitrag:
Hier kann weiterhin kommentiert werden
Aufnahmeland:
Deutschland
Bundesland/Kanton:
Rheinland-Pfalz
vorgefundener Lebensraum:
Fund an Fensterscheibe
Aufnahmedatum:
Juni 2016
Zusatzinformation:
Hier wird vermutlich Ephemerella ignita gezeigt
Dateianhänge
Kamera: Olympus E-M1
Objektiv:,Zuiko Macro 60 f2.8
Belichtungszeit:1/13
Blende: 5.0
ISO: 640
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): jpg
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):ff
Stativ:
---------
Aufnahmedatum: 06/16
Region/Ort:RLP
vorgefundener Lebensraum:Fensterscheibe
Artenname:ephemerella ignita
NB
sonstiges:
ETF-EG001443---Kopie.jpg (334.82 KiB) 135 mal betrachtet
ETF-EG001443---Kopie.jpg
Zuletzt geändert von Ajott am 19. Mär 2018, 23:31, insgesamt 12-mal geändert.

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