Liebe Makrofreunde und Experten,
Spinnwebfäden sind ein sehr herausforderndes Motiv. Zum einen sind sie sehr dünn, was eine hohe Auflösung der Objektive erfordert. Zum anderen sind sie farblos, was sie perfekt geeignet macht für Tests von Objektiven und Beleuchtungen (siehe Beitrag "Spinnwebfäden - Ein Motiv zum Testen der Ausrüstung").
Dieses Jahr habe ich mich nochmal an dieses Motiv herangewagt, und zwar unter dem Aspekt des Einflusses der Beleuchtung auf das Bildergebnis, insbesondere Auflicht vs. Durchlicht.
Mein Objekt waren die Spinnwebfäden einer Radnetzspinne (die Art weiß ich [noch] nicht), die gerne an Fenstern, Fenstersimsen und Hauswänden ihr Netz aufspannt. Für den Netzbau werden zwei Fadensorten verwendet, (i) klebstofffreie für den Rahmen und die Radien und (ii) mit Klebstoff versehene für die Fangspirale, die sogenannten Klebfäden. Für die Herstellung der Klebfäden wird aus einer speziellen Drüse, die neben der für Rahmen und Radien zuständigen Drüse liegt, ein zähflüssiger Klebstoff aufgestrichen. Beim anschließenden Trocknungsprozess zieht sich der Klebstoff zu ovalen Kügelchen zusammen, sodass die Fangfäden dann wie Perlschnüre aussehen (Literatur: H.Stern, E.Kullmann "Leben am seidenen Faden"). Gemeinsam ist den Fäden und der Klebmasse ihre Durchsichtigkeit und Farblosigkeit. Ihre Transparenz macht sie zu einem schwierig zu fotografierenden Objekt, schlicht zu einer Herausforderung, da Kontraste nur durch unterschiedliche Brechungsindices zustandekommen.
Aus den folgenden Aufnahmen der Klebfäden habe ich folgende Größen bestimmt: Durchmesser der Fäden ca. 0,004 mm; Durchmesser der unteren größeren Kügelchen ca. 0,03 mm; Durchmesser der oberen Kügelchen ca. 0,02 mm. Dazwischen liegen manchmal noch sehr viel kleinere.
Nun zu den Aufnahmen. In den ersten zwei Bildern wird der Einfluß der Beleuchtung (Auflicht vs. Durchlicht) demonstriert, jeweils bei diffusem Licht. Bei Auflicht (Bild 1) sind die Kontraste überall hoch, es gibt komplexe Lichtbrechungen und Reflexe durch die gekrümmten Strukturen und Beugungserscheinungen. Im rechten Bereich ist CA zu erkennen, die vom verwendeten Lomo 20x APO Objektiv stammt.
Bei Durchlicht (Bild 2) sind die Kontraste angenehm, es gibt weniger Lichtbrechungen und Reflexe durch die gekrümmten Strukturen und kaum Beugungserscheinungen. Im rechten Bereich ist wieder CA zu erkennen, die vom verwendeten Lomo 20x APO Objektiv stammt.
Das 3. Bild ist mit einem Lomo 40x Phasenkontrast-Objektiv im diffusen Durchlicht aufgenommen und ist zweifach digital vergrößert. In dieser Einzelaufnahme kann man sogar den Tragfaden innerhalb der Klebkügelchen erkennen. Das ist nur möglich, weil Faden und Klebstoff einen geringfügig unterschiedlichen Brechungsindex besitzen. Mit Auflicht kann man dieses Detail nicht sichtbar machen. Interessant ist noch, dass in dem linken Klebkügelchen der Tragfaden durch die Brechung des Klebkügelchen nach oben versetzt erscheint. Er verläuft offensichtlich nicht ganz zentral im Klebkügelchen.
Ich bin gespannt auf Eure Kommentare.
Viele Grüße
Hawi
Spinnwebfäden - Auflicht vs. Durchlicht
- Trissl
- Fotograf/in

- Beiträge: 34
- Registriert: 7. Mai 2012, 10:40 alle Bilder
- Vorname: Hawi
Spinnwebfäden - Auflicht vs. Durchlicht
- Dateianhänge
-
- Kamera: Pentax K-x
Objektiv: Lomo 10x APO
Belichtungszeit: 8 s
Blende:
ISO: 200
Beleuchtung: Halogenlampe mit Difffusor
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG) JPG
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Höhe): 0 / 0
Stativ: Mikroskopständer
---------
Aufnahmedatum: Apr. 2013
Region/Ort: Wallenhorst
vorgefundener Lebensraum: am Haus
Artenname: ?
kNB
sonstiges: stack aus 4 Aufnahmen mit Vorschub von 0,004 mm - 1_Fangfäden_Lomo_20x_Auflicht.jpg (116.09 KiB) 1168 mal betrachtet
- Kamera: Pentax K-x
-
- Kamera: Pentax K-x
Objektiv: Lomo 10x APO
Belichtungszeit: 1 s
Blende:
ISO: 200
Beleuchtung: Halogenlicht mit Diffusor
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG) JPG
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Höhe): 0 / 0
Stativ: Mikroskopständer
---------
Aufnahmedatum: Apr. 2013
Region/Ort: Wallenhorst
vorgefundener Lebensraum: am Haus
Artenname:
kNB
sonstiges: stack aus 4 Aufnahmen mit 0,004 mm Vorschub - 2_Fangfäden_Lomo_20x_Durchlicht.jpg (71.52 KiB) 1162 mal betrachtet
- Kamera: Pentax K-x
-
- Kamera: Pentax K-x
Objektiv: Lomo 40x Phasenkontrast
Belichtungszeit: 1 s
Blende:
ISO:
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG)
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Höhe): 50 / 50
Stativ: Mikroskopständer
---------
Aufnahmedatum: Apr. 2013
Region/Ort: Wallenhorst
vorgefundener Lebensraum: am Haus
Artenname:
kNB
sonstiges: Einzelaufnahme - 3_Fangfäden_Lomo_40x.JPG (75.77 KiB) 1159 mal betrachtet
- Kamera: Pentax K-x
- Ganbatte
- Fotograf/in

- Beiträge: 958
- Registriert: 30. Dez 2012, 11:07 alle Bilder
- Vorname: Michael
Hallo Hawi,
danke für diesen Interessanten lehrreichen Beitrag.
In der Mikrosforografie gibt es zwar anwendbare Regeln,
aber ob das Ergebnis sich daran hält ist eine andere Sache.
Ich habe mir das Nikon BD Plan 10 x 0,25 zugelegt.
Dies ist ebenfalls ein Auflichtobjektiv.
Ich habe aber den sogenantten Objektivdeckel mit dem darin zugehörigen
"Peisma" entfernt.
Nun ist es einfacher zu beherschen,
aber immer wieder eine Herausforderung.
Gut Stack
Michael
danke für diesen Interessanten lehrreichen Beitrag.
In der Mikrosforografie gibt es zwar anwendbare Regeln,
aber ob das Ergebnis sich daran hält ist eine andere Sache.
Ich habe mir das Nikon BD Plan 10 x 0,25 zugelegt.
Dies ist ebenfalls ein Auflichtobjektiv.
Ich habe aber den sogenantten Objektivdeckel mit dem darin zugehörigen
"Peisma" entfernt.
Nun ist es einfacher zu beherschen,
aber immer wieder eine Herausforderung.
Gut Stack
Michael
- Hans.h
- Fotograf/in

- Beiträge: 14292
- Registriert: 9. Dez 2010, 19:42 alle Bilder
- Vorname: Hans
Hallo Hawi,
Wie ich lese,hast Du Dich ja eingehend mit der Materie beschäftigt.
Sehr schön,daß Du uns mit Wort und Bild daran teilhaben lässt.
Die Herausforderung hast Du jedenfalls hervorragend gemeistert!!
Ich finde alle Bilder für sich spitze!So ein wohlbekanntes und trotzdem
geheimnisvolles Konstrukt der Natur..
Mit Rheinbergbeleuchtung würde das bestimmt auch toll aussehen.
Alle Bilder gefallen mir sehr gut!
Eine Frage..wie hast Du das nur unter das Mikroskop bekommen?????????
Gruß Hans.
Wie ich lese,hast Du Dich ja eingehend mit der Materie beschäftigt.
Sehr schön,daß Du uns mit Wort und Bild daran teilhaben lässt.
Die Herausforderung hast Du jedenfalls hervorragend gemeistert!!
Ich finde alle Bilder für sich spitze!So ein wohlbekanntes und trotzdem
geheimnisvolles Konstrukt der Natur..
Mit Rheinbergbeleuchtung würde das bestimmt auch toll aussehen.
Alle Bilder gefallen mir sehr gut!
Eine Frage..wie hast Du das nur unter das Mikroskop bekommen?????????
Gruß Hans.
-
Sagittarius
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eRPe
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- Registriert: 15. Aug 2008, 12:55 alle Bilder
- Vorname: Reiner
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- Registriert: 18. Mär 2011, 18:20 alle Bilder
- Vorname: Ute
Hallo Hawi,
ich mag solche Aufnahmen, die
für mich auch einen künstlerisch-grafischen Anspruch haben.
Die BG ist klasse. Vom Licht her mag ich das erste am liebsten.
Weil wenn ich zur Technik nicht viel schreiben kann, weiß ich
auch nicht, ob die Schärfe noch etwas besser sein könnte.
Sie Gesamtwirkung ist serh schön und vielen Dank für
Deine ausführlichen Erläuterungen im Eingangstext.
ich mag solche Aufnahmen, die
für mich auch einen künstlerisch-grafischen Anspruch haben.
Die BG ist klasse. Vom Licht her mag ich das erste am liebsten.
Weil wenn ich zur Technik nicht viel schreiben kann, weiß ich
auch nicht, ob die Schärfe noch etwas besser sein könnte.
Sie Gesamtwirkung ist serh schön und vielen Dank für
Deine ausführlichen Erläuterungen im Eingangstext.
Liebe Grüße Ute
Die Freude am Kleinen ist die schwierigste Freude, denn es gehört ein großes Herz dazu.
Rainer Maria Rilke
Die Freude am Kleinen ist die schwierigste Freude, denn es gehört ein großes Herz dazu.
Rainer Maria Rilke
