Heute mal ne etwas andere Doku! Eher ne Bildfolge, die aber gut in das Leben unserer Hauptmotive blicken lässt! Ein gefährliches Leben für das Individuum, ein sicheres Leben für die Art, solange es sich der Planet Erde oder der Mensch nicht anders überlegt!
Bild 1 zeigt eine kleine Krabbenspinne mit dem Namen Heriäus mellotei (Deutsch gibbet leider nich!). Infos zu der seltenen Art sind in der AG zu finden: http://www.makro-forum.de/artengalerie/ ... ?album=300
Die Art versteht sich wie viele Krabbenspinnen hervorragend auf Tarnung. Ihr Selektionsvorteil ist neben der grünen Farbe, eine sehr dichte weiße Behaarung. Kein Wunder, dass sie sich hauptsächlich in grüner, mit stark behaarten Pflanzen, durchsetzter Vegetation aufhält! Nun ist mir aber schon einige Male aufgefallen, dass junge Spinnen der Art auch gern auf blankem Boden sitzen und entsprechend weniger grün sind. Ein Beispiel für diese Beobachtung zeigt Magdalena bei einer mediterranen Verwandten: http://www.makro-forum.de/files/spinne_591.jpg
Bild 2: Die hier gezeigte Jungspinne scheint sich auch kurz vorher noch am Boden aufgehalten zu haben, der Rücken und der Hinterleib waren mit sehr vielen Sandkörnchen und winzigen Steinchen bedeckt! Ob sie sich die selbst draufgeschaufelt hat, oder etwas eingegraben war im Bodensubstrat, kann ich nicht sagen, es gibt auch keine Literaturhinweise!
Ich wollte das Tier mit seinen "Tarnsteinchen" (??) jedenfalls annähernd formatfüllend abbilden und brachte das Gorillapod in Stellung! Erst bei der dritten oder vierten Aufnahme stellte ich fest, dass die ruhige und erstarrte Haltung der Spinne kein Zufall war. Sie war nicht allein in der Szene und dank ihrer guten Augen hatte sie den kleinen gelben Kugelspringer schon erspäht!
Der Rest der Geschichte ist mit Bild 3, 4 und 5 schnell erzählt: Der Kugelspringer brauchte ungefähr 45 sek um direkt in sein Verderben zu laufen, er hatte gegen den Lauerjäger in Grün keine echte Chance!
Nun war das genügend Zeit, in der ich hätte eingreifen können! Magdalena (sie ist Kugelspringerfan) und andere Leser mögen es mir nachsehen, dass ich es nicht getan habe! Nicht wegen der Bilder hab ich nicht interveniert, sondern weil ich mich prinzipiell in solche Szenen nicht einmische! Warum auch? Auf dem Prinzip: Fressen und Gefressen werden beruht das Gleichgewicht der Natur! Der Mensch greift hier viel zu oft in Dinge ein, die er in keinster Weise durchschaut! Und die Lebensrettung des Kugelspringers wäre vielleicht der Spinne zum Verhängnis geworden! Wer weiß das schon?
Nur wenn ich für mich offensichtlich schuld daran bin, wenn ein Lebewesen zu Schaden kommt (ich lauf durch ne Wiese und eine von mir aufgescheuchte Heuschrecke springt ins Wasser oder in ein Spinnennetz), dann helf ich ihm aus der misslichen Situation! Dies ist garantiert nicht konsequent und wohl eher als Beruhigung meines schlechten Gewissens zu vertehen! Ich bin mir dessen voll bewusst!!
LG Jürgen
Heriäus mellotei- Aus dem Leben eines Minikillers
- Jürgen Fischer
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Heriäus mellotei- Aus dem Leben eines Minikillers
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Artenname:Heriäus mellotii (syn.: oblongus)
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Zuletzt geändert von Jürgen Fischer am 28. Dez 2008, 20:30, insgesamt 1-mal geändert.
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Catweazle XX
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Hallo Jürgen,
damit hast du mich auch überrascht. Eine super Szene konntst du einfangen. Das zeigst du mir nächstes Jahr vor Ort bitte "in echt". Das Vorstellungsbild der spinne passt denke ich auch sehr gut in die Makrogalerie. Nur mal als Anmerkung zu Doku/künstlerisch wertvoll.
damit hast du mich auch überrascht. Eine super Szene konntst du einfangen. Das zeigst du mir nächstes Jahr vor Ort bitte "in echt". Das Vorstellungsbild der spinne passt denke ich auch sehr gut in die Makrogalerie. Nur mal als Anmerkung zu Doku/künstlerisch wertvoll.
Grüße, Marcus
Wenn ihr mehr über eure Motive wissen wollt, dann schaut doch mal in die Artengalerie!
Wenn ihr mehr über eure Motive wissen wollt, dann schaut doch mal in die Artengalerie!
- Frederik f56
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Hallo, Jürgen,
wieder eine tolle Bildreihe und viele Informationen zu diesem Geschehen. Eingreifen in der Natur würde ich auch bei solch einem Szenario nicht. Die Spinne ist wirklich perfekt getarnt. Man kann sie leicht übersehen. Dank deinem geschulten Auge hast Du sie gesehen und uns gezeigt.
wieder eine tolle Bildreihe und viele Informationen zu diesem Geschehen. Eingreifen in der Natur würde ich auch bei solch einem Szenario nicht. Die Spinne ist wirklich perfekt getarnt. Man kann sie leicht übersehen. Dank deinem geschulten Auge hast Du sie gesehen und uns gezeigt.
Zuletzt geändert von Frank Divossen am 28. Dez 2008, 22:44, insgesamt 1-mal geändert.
Ich schlafe nur einmal im Jahr
Liebe Grüße
Frank
Liebe Grüße
Frank
- Gabi Buschmann
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- Vorname: Gabi
Hallo, Jürgen,
nicht nur die Art ist hier sehenswert dokumentiert
und im Text erläutert, nein, du zeigst uns gleich auch
noch Action pur.
Einfach super! Danke!
Das mit dem Eingreifen sehe ich, seit ich soviel draußen
in der Natur bin und die Dinge von der Nähe betrachte,
genauso wie du.
Gabi
nicht nur die Art ist hier sehenswert dokumentiert
und im Text erläutert, nein, du zeigst uns gleich auch
noch Action pur.
Einfach super! Danke!
Das mit dem Eingreifen sehe ich, seit ich soviel draußen
in der Natur bin und die Dinge von der Nähe betrachte,
genauso wie du.
Gabi
Liebe Grüße Gabi
- Magdalena Schaaf
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- Beiträge: 3297
- Registriert: 3. Okt 2007, 12:05 alle Bilder
- Vorname: Magdalena
Jürgen,
Du stellst mich ja auf eine harte Probe, zeigst einfach so, wie einer meiner geliebten Kugelhüpfer verspeist wird....
Aber Du hast recht, ich handhabe es genauso. Jedes Tier muss leben und der Mensch greift schon genug ein.
"Magdalena (sie ist Kugelspringerfan) und andere Leser mögen es mir nachsehen, dass ich es nicht getan habe! "
Ja sicherlich, volles Einverständnis.
Die Doku und Bildfolge ist wirklich toll geworden, v.a. auch in den ersten Bildern, wo man den Kugelspringer "um die Ecke schauen" sieht. Die Spinne ist absolut klasse, sieht richtig toll aus. Das mit den Steinchen auf ihr finde ich sehr interessant, noch nie gesehen.
Du bekommst ein großes Lob von mir, auch wenn Du den Tod eines Kugelspringers dokumentiert hast.
Liebe Grüße,
Magdalena
Du stellst mich ja auf eine harte Probe, zeigst einfach so, wie einer meiner geliebten Kugelhüpfer verspeist wird....
Aber Du hast recht, ich handhabe es genauso. Jedes Tier muss leben und der Mensch greift schon genug ein.
"Magdalena (sie ist Kugelspringerfan) und andere Leser mögen es mir nachsehen, dass ich es nicht getan habe! "
Ja sicherlich, volles Einverständnis.
Die Doku und Bildfolge ist wirklich toll geworden, v.a. auch in den ersten Bildern, wo man den Kugelspringer "um die Ecke schauen" sieht. Die Spinne ist absolut klasse, sieht richtig toll aus. Das mit den Steinchen auf ihr finde ich sehr interessant, noch nie gesehen.
Du bekommst ein großes Lob von mir, auch wenn Du den Tod eines Kugelspringers dokumentiert hast.
Liebe Grüße,
Magdalena
- SilkeP.
- Fotograf/in

- Beiträge: 7812
- Registriert: 24. Feb 2007, 21:20 alle Bilder
- Vorname: Silke
Hallo Jürgen,
das ist wieder eine tolle Doku.... super!
Und was das Eingreifen betrifft: ich sehe das genauso wie Du....
das ist wieder eine tolle Doku.... super!
Und was das Eingreifen betrifft: ich sehe das genauso wie Du....
Liebe Grüße, Silke
(Meine Fotos sind meist Naturdokumente, ab und zu beeinflusste Natur, wenn ich den ein oder anderen Halm auf die Seite biege oder abschneide...)
www.seides-naturfotografie.jimdo.com/
*Die Natur ist kein Studio!*
(Meine Fotos sind meist Naturdokumente, ab und zu beeinflusste Natur, wenn ich den ein oder anderen Halm auf die Seite biege oder abschneide...)
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*Die Natur ist kein Studio!*
-
thothie
alle Bilder
Absolut genial Jürgen!
So etwas schau ich mir gerne an. Dieser Vergrößerungsmaßstab ist schon einmalig und dann noch in dieser Qualität, dazu so eine seltene Spezis.
In Naturprozesse nicht einzugreifen ist für mich selbstverständlich. Dieses Vermenscheln hat dort keinen Platz.
Es reicht doch, wenn man durch sein Herumtrampeln schon Schaden anrichtet, da muß man der Spinne nicht auch noch ihre Lebensmittel wegnehmen.
LG
Thomas
So etwas schau ich mir gerne an. Dieser Vergrößerungsmaßstab ist schon einmalig und dann noch in dieser Qualität, dazu so eine seltene Spezis.
In Naturprozesse nicht einzugreifen ist für mich selbstverständlich. Dieses Vermenscheln hat dort keinen Platz.
Es reicht doch, wenn man durch sein Herumtrampeln schon Schaden anrichtet, da muß man der Spinne nicht auch noch ihre Lebensmittel wegnehmen.
LG
Thomas
