Wer waren die ersten Bauern?

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Sven A.
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Wer waren die ersten Bauern?

Beitragvon Sven A. » 13. Mai 2014, 00:08

Wer waren die ersten Bauern?

Moin moin,
die Menschen ganz bestimmt nicht, denn die Neolithische Revolution begann erst vor ca 15.000 Jahren.
Nun es waren wohl Amöben, die als erstes Bakterien "sähten". Immer noch weit vor uns Menschen, begannen vor schätzungsweise 50 Mio.
Jahren die Ameisen damit Pilze zu züchten. Diese Art der Agrikultur haben viele Ameisenarten bis heute beibehalten und auf verschiedene
Art und Weisen weiterentwickelt.

Die wohl berümteste Art, der Pilzzüchter sind die Blattschneiderameisen. Sie verwenden das frisch geschnitte
Laub als Nährboden für ihre Pilzzucht, deren Fruchtkörper als Nahrung dienen. Die Blattschneider machen das auch schon so seit ca. 10 Mio. Jahren.
Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dagegen sind wir doch Weisenknaben, oder? Aber damit nicht genug,
sie betreiben auch eine Art der Viehzucht. Sie halten sich unter anderem Blattläuse, wie unsereins Milchvieh. Die Läuse werden vor Fressfeinden beschützt,
dafür erhalten die Ameisen ihre zuckerhaltigen Ausscheidungen. Es ist nur eine bescheiden These aber ich könnte mir vorstellen,
dass die Ameisen unseren Vorfahren als Vorbild dienten, denn es ist alles andere als selbstverständlich, mit den damals zur Verfügung stehenden Mitteln,
wilde Tiere einzuzäunen und schließlich zu domestizieren. Letzteres hat sich sicherlich mit der Zeit ergeben und war keine Überlegung die am Anfang dieses Prozesses stand.

Nun, diese Bauerntätigkeit konnte ich diese Woche bei den Ameisen (Serviformica, evtl. Formica rufibarbis) beobachten und fragte mich,
warum ich noch nie Ameisen geknipst habe und holte dies sofort nach. Bei den Bildern legte ich wert darauf, die Aufnahme der Honigtropfen festzuhalten.
Auch konnte ich immer wieder ein Verhalten beobachten, welches sich Trophallaxis nennt. Dabei stehen sich zwei Arbeiterinnen gegenüber, betasten sich intensiv mit den Fühlern,
bis eine Arbeiterin aus ihrem Kropf einen Tropfen Honigtau hervorholt und diesen übergibt. Diese Art der Fütterung kommt hauptsächlich bei hochentwickelten sozialen Insekten vor,
unter anderem bei Bienen. Man spricht dabei auch von einem gemeinsamen Magen oder der soziale Magen.
So wird die Nahrung z.B. auch an die "Innendienstler" der Insektenstaaten weitergegeben, die meist nur flüssige Nahrung aufnehmen können
(Das gilt wohl für die meisten Ameisen außer den Larven). Teilweise wird die Nahrung erbettelt aber sie wird wohl auch angeboten,
speziell wenn eine Ameise genügend Nahrung aufgenommen hat. Vermutlich dient die Trophallaxis nicht nur der Ernähurng,
sondern dient auch dazu soziale Kontakte zu pflegen. Denn was gibt es wichtigeres in einem Superorganismus, wie einem Ameisenstaat, als der soziale Zusammenhalt.

Zurück zur Viehhaltung. Das "melken" der Blattläuse geschieht, indem die Ameisen mit den Fühlern sanft auf den Läusen "herumtrommeln".
Dadurch werden die Läuse zur Abgabe des Honigtaus aufgefordert. Die Arbeiterinnen nehmen diese auf, sammeln sie und geben sie, wie vorher beschrieben, weiter.
Leider hatte ich noch keine Zeit herauszufinden, ob es reine "Melkerinnen" gibt und andere Arbeiterinnen nach der Nahrungsübergabe, diese dann auch zum Nest transportieren.
Vermutlich bringen die "Melkerinnen" es selbst zum Nest zurück, denn hin und wieder sieht man, wie sich Ameisen von der Läusekolonie einfach herunterfallen lassen.
Das passiert meiner Meinung nach nicht aus versehen, sie nehmen einfach den schnellsten Weg, weil ihr Körper das ohne Probleme aushält.

Um das genau herauszufinden müsste ich allerdings einzelne Tiere im Auge behalten und verfolgen. Wenn man ständig durch den Sucher schaut, geht das natürlich nicht ;-)
Bereits vor 10 Jahren habe ich mich für diese Insekten begeistert und die Begeisterung flammt nun wieder auf.
Es gäbe noch viel mehr erstaunliches über diese Spezies zu berichten aber ich will den Bogen hier nicht überspannen ;-)

Ein paar interessante Daten noch:
- Wusstet ihr, dass die Masse aller Tiere (ohne Menschen) auf dem Festland ca. 2 Milliarden Tonnen beträgt.
- Die Masse aller wilden Tiere auf dem Festland nur ca. 1 Milliarde Tonnen beträgt !
- Davon entfallen 900 Millionen Tonnen bereits auf Insekten !!
- Davon wiederum entfallen 400 Millionen Tonnen nur auf Ameisen !!!
- Geht man von einem durchschnittlichen Körpergewicht von 57 Kilo beim Menschen aus,
so kommt die gesamte Menschheit ebenfalls auf 400 Millionen Tonnen !!!!

In anbetracht der Tatsache, dass die Ameisen bereits seit seit ca. 130 Millionen Jahren auf Erden wandeln (650 mal länger als Homo Sapiens)
und trotz unserer Zerstörungswut, sich weiterhin prächtig durchsetzen können, frage ich euch, wer ist hier die vorherrschende Spezies auf der Erde?

Hier das passende Video dazu, unbedingt unten rechts auf HD klicken, sonst sieht es grausig aus.
(Leider war es sehr windig, zeitweise heftige Böen, der Ansitz hatte eine große Windlast und die Fixierung war zu schwach)

Viele Grüße
Sven

Edit: Tut mir Leid, wenn ich euch einen so langen Text aufzwinge, wollte eigentlich noch mehr schreiben, wenn mal dran ist, fällt einem dies und das ein,
so ist das eben, kommt nicht wieder vor.

Ergänzung 1: Weiter Bilder hinzugefügt, HIER geht es direkt zu den Bildern. Die Königin 3 Bilder
Ergänzung 2: Weiteres Bild hinzugefügt, HIER geht es direkt zu den Bildern. Maxillen der "Melkerin" in Aktion 1 Bild
Ergänzung 3: Weiteres Video hinzugefügt, Hier geht es direkt zum Beitrag
Dateianhänge
Das "Melken" der Blattläuse, man sieht deutlich den Honigtautropfen

Alle Bilder mit Nikon D5100, Tamron 60mm und ZR 36mm
LED Ringlicht
Nur moderat beschnitten (Pano)
Etwas Detailverlust durchs Entrauschen, da alle ISO 1000-1250
DSC_0036-1_filtered-1202.jpg (410.79 KiB) 2541 mal betrachtet
DSC_0036-1_filtered-1202.jpg
Vermutlich Formica rufibarbis
DSC_0052-1-2_filtered-1220.jpg (337.39 KiB) 2540 mal betrachtet
DSC_0052-1-2_filtered-1220.jpg
Gegenseitiges Abtasten mit anschließender Fütterung
DSC_0064-1-2_filtered-1221.jpg (449.86 KiB) 2556 mal betrachtet
DSC_0064-1-2_filtered-1221.jpg
Die Fütterung (Trophallaxis)
DSC_0073-1_filtered-1213.jpg (390.63 KiB) 2540 mal betrachtet
DSC_0073-1_filtered-1213.jpg
Blöder Paparazzo, grrr
DSC_0063-1_filtered-1211.jpg (386.23 KiB) 2536 mal betrachtet
DSC_0063-1_filtered-1211.jpg
Zuletzt geändert von Sven A. am 17. Okt 2014, 19:05, insgesamt 15-mal geändert.
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Beitragvon Sven A. » 13. Mai 2014, 00:10

Hier noch ein Bild der Trophallaxis, leider etwas unscharf aber man sieht den Honigtautropfen recht gut.
Dateianhänge
DSC_0040-1_filtered-1203.jpg (403.31 KiB) 2052 mal betrachtet
DSC_0040-1_filtered-1203.jpg
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Beitragvon erwin50 » 13. Mai 2014, 05:39

Hallo Sven,
hat ein bisschen gedauert, bis ich den Text erledigt hatte - hat sich aber gelohnt!
Überaus spannend, was da zu lesen ist.
Die Aufnahmen finde ich ganz toll - Super Doku!
liebe Grüße
Erwin
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Beitragvon Michael123 » 13. Mai 2014, 05:47

Hallo Sven
Tolle Doku super Aufnahmen
danke fürs zeigen
Lg
Michael



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Beitragvon Benjamin » 13. Mai 2014, 14:50

Hallo Sven,

eine klasse Doku mit informativem Text hast du da zusammengestellt.
Die Fotos sind toll und das Video ist sehr sehenswert.

Ob es spezielle "Melkerinnen" und "Transport-Ameisen" gibt kann ich dir nicht wirklich sagen.
Aus dem Stegreif wüßte ich jetzt aber nicht, daß es bei Formicas eine ähnliche festgelegte Arbeitsteilung wie bei Honigbienen gibt.

Sven A. hat geschrieben:Es ist nur eine bescheiden These aber ich könnte mir vorstellen,
dass die Ameisen unseren Vorfahren als Vorbild dienten ...

Das ist gut möglich, denn es gibt noch etwas, was sich die Menschen von den Ameisen abgeschaut haben könnten: Sklavenhaltung
Viele Grüße,
Benjamin
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Beitragvon Gabriele » 13. Mai 2014, 17:21

Hallo Sven,

eine richtig tolle Doku ist das mit super Bildern, sehr informativem Text
und einem sehenswerten Video. Ich habs mir mit Begeisterung angesehen.
Vielen Dank dafür :)

LG Gabriele
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Beitragvon StephanFingerknoten » 13. Mai 2014, 17:33

Hallo Sven,

eine starke Doku ist das, sowohl in Text und Bild (da sind echte "Hämmer" dabei). Video habe ich mir noch nicht angeschaut, kommt aber noch.

Aber schon an dieser Stelle vielen Dank für's Zeigen und Teilhaben lassen.

LG
Stephan
Ich bin der mit dem -PH
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Beitragvon Gabi Buschmann » 13. Mai 2014, 18:48

Hallo, Sven,

das ist ja eine tolle Doku geworden.
Der Text erschreckt einen erstmal in seiner Länge
und Kompaktheit, enthält aber viele interessante
Informationen und Beobachtungen.
Dazu die wirklich tollen und aussagekräftige Fotos
und das sehr gelungene Video. Da hast du wirklich
die entscheidenden Momente in Bild und Film
festhalten können.
Klasse auch im Film die mittlere Ameise, die immer
mal wieder in die Drohgebärde sprang, während alle
anderen cool blieben :-) .

Hut ab und Gratulation und vielen Dank für diese tolle
Doku!

Gabi
Liebe Grüße Gabi
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Beitragvon Ajott » 13. Mai 2014, 21:50

Hi Sven,

das ist eine großartige, informative, genial bebilderte und liebevolle Doku. Ganz toll gemacht! Ameisen faszinieren mich auch immer wieder, aber mein Equipment gibt solche Bilder zur Zeit nicht wirklich her (aber ich hab gleich mal spioniert, was du so benutzt hast ;-)). Du hast hier eine Beobachtung mit viel Liebe zum Detail festgehalten, sowohl im Bild aber auch im tollen Video.
Wenn man will könnte man noch versuchen einen Teil solcher langen Eingangstexte eher in kleinere Happen direkt am Bild unterzubringen. Wobei ich ja auch eher dazu tendiere eher zu viel als zu wenig zu schreiben ;-) .. manch einen mag soviel Text am Stück aber abschrecken, was sehr schade wäre weils sehr lesenswert ist.
Klasse gemacht!

liebe Grüße
Aj
Wer an allem zweifelt sollte darauf achten, dass gesunde Skepsis nicht bald zur blinden Paranoia wird.
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Beitragvon piper » 17. Mai 2014, 11:14

Hallo Sven,

wie g....l ist das denn!! Hab ich noch nie so klasse
dokumentiert gesehen. Dazu der mit viel
Fleißarbeit geschriebene Text! Danke für beides,
das ich mit großem Vergnügen gelesen und angeschaut habe! :DH: :DH:
Liebe Grüße Ute

Die Freude am Kleinen ist die schwierigste Freude, denn es gehört ein großes Herz dazu.
Rainer Maria Rilke

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