Baumbewohner

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Sven A.
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Baumbewohner

Beitragvon Sven A. » 26. Jun 2017, 21:00

Moin moin,
ich möchte euch heute den äußerst selten gezeigten Blauen-Eichenzipfelfalter vorstellen.
Bisher konnte nur Otto diesen im MF zeigen, dabei ist er meiner Meinung nicht so selten.
Zumindest hier in den Eichenwäldern sieht man ihn häufiger, wenn man denn weiß wo er lebt,
nämlich fast ausschließlich in den Kronen von Eichen. Da verwundert es nicht, dass man ihn kaum
zu Gesicht bekommt, gehört dieser kleine Zipfelfalter doch zu den Bläulingen und seine Flügelspannweite
beträgt lediglich 20-30 mm. Steht man unter einer Eiche und er sitzt auf einem Blatt in 5-10m Höhe,
wird man diesen Winzling nicht wahrnehmen können. Nur bei sehr großer Hitze fliegt er schon mal in Bodennähe.

Dass ich diesen Falter hier im großen ABM zeigen kann, ist dem Umstand geschuldet, dass es am 23.06. sehr windig war.
Immer wieder fegten Böen durch die Wipfel und ich bin mir sicher, dass dabei diese frisch geschlüpfte Dame verweht wurde.
So saß sie auf dem Schotterweg wie in Bild 2. Ich verstehe bis heute nicht, dass ich diesen Falter überhaupt wahrnehmen konnte.
Vermutlich wahren die Flügel noch in der Aushärtungsphase, denn der Falter rührte sich nicht im Geringsten.
Nach einer halben Stunde flog er auf, um nur einen halben Meter weiter, sich auf ein Brombeerblatt zu setzen.

Obwohl er in der Sonne saß, wollte er seine Flügel lange Zeit nicht öffnen und bewegte sich kaum.
Fast schon gelangweilt saß ich da und als er dann doch die Flügel für ein paar Sekunden öffnete, erschrak ich ein wenig.
So ist dann auch keines der 5 Bilder komplett scharf geworden. Ich zeige zwei Offenflügelfotos,
weil man dann im Vergleich sehen kann, wie unterschiedlich, je nach Lichteinfall, die blauen Streifen leuchten.
Die Augen sehen, besonders im Sonnenlicht, gerne etwas schmutzig oder vernebelt aus, als wären sie nicht richtig scharf.
Das liegt an den vielen Härchen, die zwischen den Facetten herauswachsen.

Die Weibchen legen ihre Eier einzeln an die Basis endständiger Blütenknospen, hauptsächlich an Trauben- und Stieleiche.
Nach der Überwinterung im Ei, fressen die Raupen die Blütenknospen und auch die Blätter der Eichen.
Der Schlupf zum adulten Falter findet frühestens Ende Juni statt und der Falter fliegt bis in den September hinein in einer Generation.
Die Falter saugen häufig an Blättern und nehmen dabei die Ausscheidungen von Blättläusen auf, was ich auch häufig beobachten konnte.
Sie sollen aber auch Nektar von Brombeerblüten und Faulbaum aufnehmen.
Im Habitatbild (Suchbild ;-) ) kann man den Falter auch saugend sehen, hier könnte es sich sogar um einen Faulbaum handeln.

Wer den Blauen Eichen-Zipfelfalter finden möchte, der sucht sich am besten einen Waldweg mit niedrigeren Eichen in steiler (Süd)Hanglage.
Dann kann man seitlich in die Krone schauen. Mit etwas Glück und einiger Zeit des Starrens, kann man hin und wieder einen
grauen Falter auffliegen sehen, der mehr hüpft als fliegt, denn er landet oft schon wieder nach ein bis zwei Metern.
Hat man erst mal "den Blick" dann sieht man sie ständig irgendwo im Blätterdach "hüpfen" auch wenn sie sich nur,
als kleine graue Punkte zu erkennen geben. Verfolgt man sie beharrlich mit den Augen, so kommt man auch mal in den Genuß
ein Foto auf Augenhöhe machen zu können :-) Wenn es in oder um BS eine geeignete Stelle geben sollte,
dann gehe ich gerne für Euch auf die Suche.

Diese kleine Doku kann gerne nach ein paar Tagen in die Dokuecke verschoben werden, dann würde ich noch weitere Bilder dazu stellen,
z.B. der Augen. Ich hoffe diese Woche den Falter auch auf Eichenblättern fotografieren zu können :-)

Ergänzung vom 27.072017:
Auf dem Heimweg am späten Nachmittag, es kräftig geregnet (endlich), hatte ich so eine Ahnung, dass der Himmel nochmals aufreißen könnte.
So fuhr ich durch zum Geißberg. Auf dem Weg dachte ich mir, dass bei Regen die Falter unter den Blättern hängen würden und man sie dann auch von
unten gut sehen könnte. Als ich ankam, die letzten Tropfen fielen, dauerte es keine 2 Minuten als ich einen Falter so vorfand, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Er hing sogar in erreichbarer Nähe, so dass der ABM nicht zu winzig wurde.
10 Minuten später war wieder auf den Flügeln mit vielen anderen Blauen Eichenzipfelfaltern. Es herrschte ein reges und agiles Treiben, ganz anders als
bei meinen bisherigen Beobachtungen. Vielleicht waren Balzflüge, eventuell handelt es sich auch um die Vertreibung von Artgenossen.
Jedenfalls kreisten einige Falter immer wieder umeinander und schraubten sich in die Höhe.
Eine Paarung wäre jetzt noch das Sahnehäubchen :-)
Selbst wenn ich 50% wegen möglicher Doppelzählung abziehe, habe ich noch immer 20 Falter sehen können.

Auf der zweiten Kommentarseite gibt es zwei weitere Bilder

Viele Grüße
Sven
Dateianhänge
Kamera: Olympus MFT
Objektiv: Sigma 150
Belichtungszeit: 1/60
Blende: 2,8
ISO: 640
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG):
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe): 0%-12%->2:3
Stativ: Unilock Major 1600, Novoflex MB50
---------
Aufnahmedatum: 23.06.2017
Region/Ort: Ockfen Geißberg
vorgefundener Lebensraum: Eichenwald
Artenname:Blauer Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus)
NB
sonstiges:
P6231175-1_filtered-120066-1200.JPG (347.83 KiB) 641 mal betrachtet
P6231175-1_filtered-120066-1200.JPG
Kamera: Olympus MFT
Objektiv: Sigma 150
Belichtungszeit: 1/160
Blende: 4
ISO: 1.000
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG):
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):21%/13%
Stativ: Unilock Major 1600, Novoflex MB50
---------
Aufnahmedatum: 23.06.2017
Region/Ort: Ockfen Geißberg
vorgefundener Lebensraum: Eichenwald
Artenname:Blauer Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus)
NB
sonstiges:
P6231131-1_filtered-120066-3-1200.JPG (457.86 KiB) 641 mal betrachtet
P6231131-1_filtered-120066-3-1200.JPG
Kamera: Olympus MFT
Objektiv: Sigma 150
Belichtungszeit: 1/320
Blende: 4
ISO: 500
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG):
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe): je 14%
Stativ: Unilock Major 1600, Novoflex MB50
---------
Aufnahmedatum: 23.06.2017
Region/Ort: Ockfen Geißberg
vorgefundener Lebensraum: Eichenwald
Artenname:Blauer Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus)
NB
sonstiges:
P6231226-1_filtered-120066-1200.JPG (419.5 KiB) 641 mal betrachtet
P6231226-1_filtered-120066-1200.JPG
Kamera: Nikon D5100/ Olympus MFT
Objektiv: Sigma 150
Belichtungszeit: 1/250
Blende: 4
ISO: 400
Beleuchtung:
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG):
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):je 2,5%
Stativ: Unilock Major 1600, Novoflex MB50
---------
Aufnahmedatum:
Region/Ort:
vorgefundener Lebensraum:
Artenname:
NB
sonstiges:
P6231227-1_filtered-120066-1200.JPG (380.15 KiB) 641 mal betrachtet
P6231227-1_filtered-120066-1200.JPG
Kamera: Olympus MFT
Objektiv: 300mm
Belichtungszeit: 1/200
Blende: 7,1
ISO: 500
Beleuchtung: wolkig
Aufnahmedateiformat RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe): -
Stativ: Ohne
---------
Aufnahmedatum: 24.06.2017
Region/Ort: Ockfen-Geißberg
vorgefundener Lebensraum: Eichenwald
Artenname:Blauer Eichen-Zipfelfalter (Neozephyrus quercus)
NB
sonstiges:Habitatbild mit einem anderen Falter
P6250792-120066-1200.JPG (382.35 KiB) 641 mal betrachtet
P6250792-120066-1200.JPG
Zuletzt geändert von Sven A. am 1. Jul 2017, 01:04, insgesamt 3-mal geändert.
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Beitragvon Sven A. » 26. Jun 2017, 22:11

Moin,
ich möchte hier meine Serie ergänzen :-)
Heute konnte doch ohne groß suchen zu müssen, die Bilder machen, wie ich sie mir vorstellte.

Viele Grüße
Sven

In den Aufnahmedaten gibt es Zusatzinformationen
Dateianhänge
Kamera: Olympus MFT
Objektiv: Sigma 150
Belichtungszeit: 1/320
Blende: 2,8
ISO: 400
Beleuchtung: Bewölkt
Aufnahmedateiformat RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe): 10%
Stativ: ohne
---------
Aufnahmedatum: 27.06.2017
Region/Ort: Geißberg Ockfen
vorgefundener Lebensraum:Eichenwald
Artenname:Blauer Eichenzipfelfalter
NB
sonstiges: Kurz nach einem Regenschauer fand ich dieses Exemplar. Er hing geschützt unter den Blättern und man konnte ihn so gut auch von unten sehen.
P6270104-1_filtered-120066-1200.JPG (396.65 KiB) 486 mal betrachtet
P6270104-1_filtered-120066-1200.JPG
Kamera: Olympus MFT
Objektiv: Sigma 150
Belichtungszeit: 1/400
Blende: 2,8
ISO: 200
Beleuchtung: Bewölkt
Aufnahmedateiformat RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe): 12%
Stativ: ohne
---------
Aufnahmedatum: 27.06.2017
Region/Ort: Geißberg Ockfen
vorgefundener Lebensraum:Eichenwald
Artenname:Blauer Eichenzipfelfalter
NB
sonstiges:wenn sie so ruhig im Blätterdach sitzen, kann man sie eigentlich nicht erkennen. Die fliegenden Exemplare erkennt man gut und muss diese dann mit dem Auge verfolgen. So war es auch bei diesem Falter
P6270133-1_filtered-120066-1200.JPG (339.35 KiB) 486 mal betrachtet
P6270133-1_filtered-120066-1200.JPG
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Registriert: 25. Mai 2006, 16:35
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Beitragvon Werner Buschmann » 26. Jun 2017, 23:19

Hallo Sven,

super Bilder und der Beginn einer interessanten Dokumentation.
Im Mittelrrheintal gibt es die mediterranen Eichenwälder,
wo die Eichen alle niedrig ausgeprägt sind.

Da werde ich bei Gelegenheit mal schauen.
Danke für die tollen Bilder von diesem edlen Falter.

:DH:

Sollte ich es vergessen zu verschieben, erinnere mich doch nach Betzenstein daran.
Zuletzt geändert von Werner Buschmann am 29. Jul 2017, 13:35, insgesamt 1-mal geändert.
________________
Liebe Grüße Werner
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Beitragvon Corela » 26. Jun 2017, 23:26

Hallo Sven,

ich schließe mich Werner einfach an:
Das sind alles tolle Bilder und auf die weitere Doku bin ich sehr gespannt.
lG
Conny

- hinfallen - aufstehen - Krönchen richten - weitergehen -
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Beitragvon Otto G. » 27. Jun 2017, 01:10

Hallo Sven

eine schöne Doku mit phantastischen Bildern dazu!!
SO einfach sind sie ja nicht abzulichten,allerdings habe ich die Erfahrung gemacht,
wenn sie einmal auf dem Boden im Schatten sitzen,sind sie sehr verträglich und fliegen höchstens mal 2m weg,wenn man ihnen sehr zu nahe kommt.
Sie verhalten sich ähnlich wie die Schillerfalter,so gegen 11 Uhr vormittags kommen sie von den Baumwipfeln runter,wenn es heiß ist.
Dieses Jahr habe ich aber trotz Hitze :-) noch keinen erspäht.

Gruss
Otto
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Beitragvon Sven A. » 27. Jun 2017, 01:29

Otto G. hat geschrieben:Quelltext des Beitrags wenn sie einmal auf dem Boden im Schatten sitzen,sind sie sehr verträglich und fliegen höchstens mal 2m weg


Moin Otto,
ja, so sind auch meine bescheidenen Erfahrungen dazu. Vielleicht liegt es daran, dass sie in den Bäumen leben
und deshalb eher unerschrocken reagieren, weil ihnen entsprechende Erfahrungen fehlen.
Beim Großen Eisvogel konnte ich bislang diese Erfahrung leider nicht machen :DD
Ich sehe ihn zur Zeit fast bei jeder kleinen Fototour, diesen Flüchtling ;-)

Den Hinweis bezüglich der Schillerfalter, nehme ich gerne zur Kenntnis, Erfahrung ist alles, wenn man zu vernünftigen Bildern und Beobachtungen kommen möchte :-)
Danke dafür! Als ich in diesem Jahr den Schillerfalter erstmalig an Kothaufen sah, da war es ca. 11 Uhr :shock:

Viele Grüße
Sven
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Beitragvon Freddie » 27. Jun 2017, 08:55

Hallo Sven,

mein Schmetterlingsspezialist sagt auch,
dass sie nicht so selten vorkommen, sondern nur selten zu sehen sind.
Du bestätigst seine Tipps zum Auffinden.

Deine Bilderserie finde ich sehr beeindruckend.
Zum einen von der tadellosen Qualität,
aber besonders auch von der Nähe zum Motiv, sprich ABM.
Danke fürs Zeigen und für die Tipps!
Meine Kritiken spiegeln nur meine persönliche Ansicht wider.
Sie sollen helfen, sind aber völlig unverbindlich und keinesfalls böse gemeint.
Liebe Grüße und allzeit Gut Licht, Friedhelm.

Hier könnt Ihr meine Homepage besuchen: http://freddies-makro-blog.blogspot.de/
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Beitragvon zambiana » 27. Jun 2017, 15:02

Hallo Sven,

ein großartiger Einleitungstext, der wirklich Eingang in die Dokuecke finden sollte.
Herzlichen Dank für die Mühe und das Teilen Deines Wissens.
Eine sehr starke Bilderreihe hast Du überdies zusammengestellt.
Will keines der Fotos missen und bin überdies sehr stolz auf mich, weil ich bei
einem Suchbild auch mal das zu Findende gefunden habe.
Besonders begeistert bin ich von Bild 1 und 2.
Welch Detailauflösung.
Dazu die großartig tarnende und auch noch gut aussehende Umgebung auf Bild 2,
die ich allerdings als ein bißchen magentalastig empfinde.
Der Blauschimmer auf Bild 3 und 4 ist aber auch nicht zu verachten.
Das Licht ist überall gut gehandelt.

Klasse und für mich sehr lehrreich.
Liebe Grüße,
Andrea
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Beitragvon hawisa » 27. Jun 2017, 15:13

Hallo Sven,

ist eine sehr interessante Doku.
Schöne sehenswerte Bilder mit einem sehr informativen Text.

Das ist wieder ein Grund mehr im Forum zu sein. Ich bekomme Infos. Und wenn ich weiß wo ich suchen muss, kann ich auch etwas finden.

:admin: für die Infos und Bilder
Liebe Grüße und immer "Gut Licht"
Willi

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Beitragvon harai » 27. Jun 2017, 15:51

Hallo Sven,

ich finde es immer wieder lobenswert solche informationen und Bilder zu erhalten, denn
es macht doch einiges an Mühe. Danke dafür und natürlich auch für die gelungenen
Bilder. Ich möchte da nicht unterscheiden, denn jedes ist sehenswert.
Viele Grüße
Rainer

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