Lausiges Pilzchen

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
Il-as
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Lausiges Pilzchen

Beitragvon Il-as » 10. Nov 2019, 10:29

Auf einem kleinen, bemoosten Einfassungsmäuerchen in meinem Garten wachsen winzige Pilze. Beim Versuch, ob sie als Motiv taugen, entdeckte ich an einem der Pilzchen etwas was sich bewegte. Es war ein ganz winziges Insekt, kaum 0,5 mm groß. Der Pilz wurde zur Nebensache und ich habe versucht, dieses Insekt zu erwischen. Mehr schlecht als recht aber das Tierchen ist interessant und deshalb zeige ich es.
Kamera: SLT-A58
Objektiv: MACRO 50mm F2.8 @ 50mm
Belichtungszeit: 1/60s
Blende: f/4
ISO: 640
Beleuchtung:bewölkt
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):3%/3%
Stativ: Freihand, aufgelegt
Infos zu Multishot-Techniken (z.B. Stack, HDR, Stitch):
---------
Aufnahmedatum: 04.11.2019
Region/Ort: Nordeifel
vorgefundener Lebensraum:mein Garten
NB
sonstiges:
Lausiges Pilzchen.jpg (482.18 KiB) 330 mal betrachtet
Lausiges Pilzchen.jpg


Bei den ersten Veruchen entdeckte ich den krabbelnden Winzling.
Kamera: SLT-A58
Objektiv: MACRO 50mm F2.8 @ 50mm
Belichtungszeit: 1/160s
Blende: f/4
ISO: 1250
Beleuchtung:bewölkt
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):12%/12%
Stativ: Freihand, aufgelegt
Infos zu Multishot-Techniken (z.B. Stack, HDR, Stitch):
---------
Aufnahmedatum: 04.11.2019
Region/Ort: Nordeifel
vorgefundener Lebensraum:mein Garten
Artenname:
NB
sonstiges:
pilzchen.jpg (427.65 KiB) 330 mal betrachtet
pilzchen.jpg


Am nächsten Tag habe ich dieses Habitatbild aufgenommen, um das Größenverhältnis in etwa wiederzugeben. Zum Vergleich dient ein Samenstand der Pimpinelle die dort wächst.
Kamera: SLT-A58
Objektiv: MACRO 50mm F2.8 @ 50mm
Belichtungszeit: 1/200s
Blende: f/6.3
ISO: 1000
Beleuchtung:bewölkt
Aufnahmedateiformat (RAW/JPG): RAW
Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):
Stativ: Freihand, aufgelegt
Infos zu Multishot-Techniken (z.B. Stack, HDR, Stitch):
---------
Aufnahmedatum: 05.11.2019
Region/Ort: Nordeifel
vorgefundener Lebensraum:mein Garten
Artenname:
NB
sonstiges:
pilzchen 2.jpg (443.12 KiB) 330 mal betrachtet
pilzchen 2.jpg



Entdeckt habe ich die Nymphe einer Staublaus. Staubläuse (Psocoptera) sind sehr kleine Insekten mit beißenden Mundwerkzeugen. Die meisten Arten sind voll geflügelt (macropter), bewegen sich aber überwiegend laufend fort. Einige Arten besitzen reduzierte Flügel (micropter und apter) und sind flugunfähig. Die in Mitteleuropa beheimateten Arten sind nur 0,7 bis 1 Millimeter groß und mit dem bloßen Auge kaum zu erkennen.

Weltweit werden um die 5600 Arten beschrieben. Davon sind etwa 100 Arten in Mitteleuropa verbreitet. Staubläuse ernähren sich von Pilzgewebe, Sporen, Flechten, Grünalgen und ahnlichem. Entsprechend findet man sie an Pflanzen, unter Rinden, an Baumstämmen und Totholz, in Vogelnestern oder auch in Gebäuden.

Im Freiland vorkommende Psocopteren finden sich vor allem in schattigen, windstillen, nicht zu trockenen Lebensräumen. Etwa 20 der in Deutschland nachgewiesenen 95 Arten treten jedoch teilweise oder ausschließlich in Gebäuden auf (domicole Lebensweise), wo sie bei Massenauftreten lästig oder sogar schädlich werden können (Verschmutzung von Lebens- und Futtermitteln, Zerstörung von Insektensammlungen und Herbarien). Es wird auch über das Auftreten von Allergien bei Staublausbefall berichtet. Voraussetzung für ein Massenauftreten ist aber in jedem Fall ein zu feuchtes Raumklima. Bemerkenswert ist, dass sich die Kenntnis hinsichtlich dieser Insekten fast ausschließlich auf einige, in Häusern vorkommende Arten beschränk. Verbreitung und Ökologie der meisten frei lebenden Arten sind dagegen weitgehend unbekannt.

Weibliche Staubläuse legen ihre Eier in Spalten ab und spinnen sie ein. Staubläuse entwickeln sich bei hoher Luftfeuchtigkeit ab 65 Prozent und 25 Grad Celsius. Kühlere und trockenere Bedingungen können sie einige Tage überdauern. Sie nehmen Wasserdampf aktiv aus der Umgebungsluft auf. Die Jungstadien der Staubläuse ähneln den ausgewachsenen Tieren bis auf ihre geringere Größe.

Insgesamt gibt es sechs Larvenstadien. Währenddessen entwickeln Staubläuse ihre langen Antennen und Sinnesborsten. Je nach Art entstehen so pro Jahr eine bis mehrere Generationen. Das Individuum hat, abhängig vom Nahrungsangebot und den Lebensbedingunge, eine durchschnittliche Lebenszeit von etwa 12 Wochen. So können erwachsene Staubläuse manchmal nur zwei Wochen, manchmal auch vier oder fünf Monate leben. Manchmal treten 6 bis 8 Generationen im Jahr auf. Sie können an geschützten Orten im Freien überwintern.
Zuletzt geändert von Il-as am 10. Nov 2019, 18:15, insgesamt 3-mal geändert.
Meine Bilder stelle ich für die Artengalerie gerne zur Verfügung.

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Lausiges Pilzchen

Beitragvon jo_ru » 10. Nov 2019, 19:33

Hallo Astrid,

evtl. willst Du noch einen etwas größeren Ausschnitt aus Bild 1 anfügen?
Dann könnte man das Tierchen noch genauer sehen.
(Ich hätte jetzt spontan auf einen Kugelspringer getippt.)

Du hast Dir wieder unglaublich Mühe gemacht mit den Erläuterungen.
Vorbildlich. Danke dafür.
Gruß Joachim

Alle meine Bilder stehen grundsätzlich für das Artenportal zur Verfügung - ein kurzer Hinweis genügt.
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Lausiges Pilzchen

Beitragvon Gabi Buschmann » 10. Nov 2019, 20:19

Hallo, Astrid,

vielen Dank für die Vorstellung dieser interessanten Art.
Bei deinen Fotos habe ich auch erstmal an Kugelspringer
gedacht, aber die Körperform ist doch etwas anders.
Also, bei den Pilzen nochmal genauer hinschauen, nicht
alles an Winzlingen, was man dort sieht, gehört zu den
Kugelspringern oder Springschwänzen :-) .
Zuletzt geändert von Gabi Buschmann am 10. Nov 2019, 20:22, insgesamt 1-mal geändert.
Liebe Grüße Gabi
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Lausiges Pilzchen

Beitragvon Il-as » 10. Nov 2019, 22:03

jo_ru hat geschrieben:Quelltext des Beitrags evtl. willst Du noch einen etwas größeren Ausschnitt aus Bild 1 anfügen?
Dann könnte man das Tierchen noch genauer sehen.



Hallo Joachim,

kann ich machen aber die BQ wird natürlich mehr als bescheiden, die war ja so schon nicht allzu gut.
Hier kannst du aber trotzdem gut erkennen, dass das Tierchen eine ganz andere Körperform hat als ein Kugelspringer. Länger, flacher und ich glaube man sieht auch einen leichten Ansatz von Flügeln. Auch die Augen sind mehr seitlich am Kopf und größer.

Ich bin mir mit Staublaus Nymphe ziehmlich sicher.

L.G. Astrid
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Kamera: SLT-A58
Objektiv: MACRO 50mm F2.8 @ 50mm
Belichtungszeit: 1/60s
Blende: f/4
ISO: 640
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Beschnittsbetrag in % (Breite u. Hoehe):
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Aufnahmedatum: 04.11.2019
Region/Ort:
vorgefundener Lebensraum:
Artenname:
kNB
sonstiges:
Staublaus Nymphe.jpg (413.24 KiB) 295 mal betrachtet
Staublaus Nymphe.jpg
Zuletzt geändert von Il-as am 10. Nov 2019, 22:03, insgesamt 1-mal geändert.
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