Sonnentau. Überlebenskünstler im Hochmoor

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Reinold
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Sonnentau. Überlebenskünstler im Hochmoor

Beitragvon Reinold » 10. Aug 2008, 21:14

Ich bin dieser seltsamen Pflanze nach Jahren wieder begegnet. Leider bin ich überfordert diese Pflanze vernünftig
ins Bild zu setzen. Deshalb hier in diesem Teil, aber vielleicht interessiert sich der-die eine oder andere Makrofotograf/In für diese spezielle Pflanze und hält nach ihr Ausschau.
Bild 1:Blatt, Bild 2: Blatt, Bild 3: Ganzes Pflänzchen ∅ ca.8cm Bild 4: Verdauen eines Insekts
Gruss reinold
Keiner Fliege etwas zu Leide tun – daran hält sich der Sonnentau (Drosera rotundifolia)
nicht. Mit Sekrettröpfchen an Tentakeln fängt diese Pflanze kleine Insekten und verdaut die-
se. Mit diesem Trick gelingt es der kleinen Pflanze, sich in Hochmooren zu behaupten. Denn
nur eine begrenzte Anzahl hochspezialisierter höherer Pflanzen kann im Hochmoor überle-
ben. Sie müssen säurebeständig sein und in einem schwammigen, extrem nassen, sauer-
stoffarmen Milieu wurzeln können. Nährstoffe sind knapp, und in ihrem Wettkampf um Licht
müssen sich die Pflanzen dem Wachstumsmuster von Torfmoosen anpassen. Mit der Be-
schaffung von tierischer Nahrung gleicht der Sonnentau ein Teil der Standortdefizite aus.
Mit dem Rückgang der unbeeinträchtigten Moorflächen ist allerdings auch der Bestand des
Sonnentaus in den vergangenen Jahrzehnten massiv geschwunden. Durch Trockenlegung
und Torfabbau sind die geeigneten Lebensräume nurmehr in Resten vorhanden. Durch den
verstärkten gesetzlichen Schutz der Moore sowie die Bemühungen um deren Renaturierung
konnte der Rückgang des Sonnentaus zwar gebremst werden, dennoch sind die meisten
Sonnentau-Arten weiterhin stark gefährdet. Der Sonnentau ist in der Schweiz geschützt.
Fang von Insekten:
An den Enden der scharlachroten Tentakel befinden sich glitzernde Perlen, die wie Tautropfen
wirken. Das Insekt jedoch, das hier seinen Durst stillen will, ist unwiderruflich verloren.
Bei den vermeintlichen Tautropfen handelt es sich nämlich um einen klebrigen Schleim,
der das Opfer nicht mehr loslässt. Beim Fluchtversuch kommt das Insekt mit immer mehr Tröpfchen in
Berührung und wird so langsam durch die sich biegenden Fangarme in die Mitte gedrängt.
Anschliessend beginnt sich das ganze Blatt einzukrümmen. In der Mitte des Blattes sitzen die kurzstieligen
Verdauungsdrüsen, welche durch dieses Einkrümmen in Kontakt mit der Beute gebracht werden.
Mittels eiweissspaltenden Enzymen sowie Ameisensäure werden die Weichteile zersetzt und chemisch so aufgespalten,
dass die Pflanze diese Lösung mittels Drüsen aufnehmen und fur den Wachstumsprozess verwenden kann.
Der Verdauungsprozess dauert jeweils über mehrere Tage; am Schluss bleibt nur der Chitinpanzer des Insekts übrig.
Dateianhänge
Kamera:D80
ObjektivSigma 150
Belichtungszeit:1/13
Blende:16
ISO:100
Beleuchtung:morgenlicht
Bildausschnitt ca.:95%
Stativ:ja
---------
Aufnahmedatum:08.08.08
Region/Ort:Berner-Mitteland
Lebensraum:Hochmoor
Artenname:Rundblättriger-Sonntentau
sonstiges:
Sonnentau1.jpg (230.43 KiB) 1179 mal betrachtet
Sonnentau1.jpg
Kamera:D80
Objektiv:Sigma 150
Belichtungszeit:1/20
Blende:11
ISO:100
Beleuchtung:morgenlicht
Bildausschnitt ca.:90%
Stativ:ja
---------
Aufnahmedatum:08.08.08
Region/Ort:sO
Lebensraum:so
Artenname:
sonstiges:
Sonnentau2.jpg (229.07 KiB) 1179 mal betrachtet
Sonnentau2.jpg
Kamera:so
Objektiv:
Belichtungszeit:
Blende:
ISO:
Beleuchtung:
Bildausschnitt ca.:
Stativ:
---------
Aufnahmedatum:
Region/Ort:
Lebensraum:
Artenname:
sonstiges:
ganzePflanze.jpg (194.25 KiB) 1117 mal betrachtet
ganzePflanze.jpg
Kamera:
Objektiv:
Belichtungszeit:
Blende:
ISO:
Beleuchtung:
Bildausschnitt ca.:
Stativ:
---------
Aufnahmedatum:
Region/Ort:
Lebensraum:
Artenname:
sonstiges:
Verdauen.jpg (178.22 KiB) 1116 mal betrachtet
Verdauen.jpg
Zuletzt geändert von Reinold am 13. Aug 2008, 19:47, insgesamt 6-mal geändert.
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Beitragvon Frederik f56 » 11. Aug 2008, 16:45

Hallo!

Danke für die Infos. Ich finde das zweite Foto schon sehr ansprechend. So bodennahe Pflanzen zu fotografieren ist immer schwer.

Gruß
Fred
läuft?..................LÄUFT!!! Immer gutes Licht Euch allen!
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Beitragvon Frank Divossen » 11. Aug 2008, 23:01

Hallo Reinold,

danke für diese Doku und Bilder. Jetzt bin ich wieder ein Stück schlauer. Die Bilder zur Bestimmung sind gut geworden.
Ich schlafe nur einmal im Jahr

Liebe Grüße

Frank
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Beitragvon StefH » 12. Aug 2008, 07:27

Sonnentau ist aber auch verflixt schwierig zu fotografieren :( In freier Wildbahn habe ich ihn noch nicht gesehen. Danke für die Infos.
Ich finde auch Bild Nr.2 am schönsten.
Viele Grüße von Stefanie
Olympus OMD und Panasonic G6 mit m.zuiko 60/2.8 und Olympus Stylus1 mit Raynox DCR-150/250 und MSN-202

http://stefanie-hamm.de/
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Beitragvon Andreas Th. Hein » 16. Aug 2008, 20:16

Hallo Reinhold !
Tolle Informationen ! Fotos so gut wie es eben geht. Danke dafür . LG Andreas
Viele Grüße Andreas
http://www.libellenwissen.de
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Beitragvon Gabi Buschmann » 17. Aug 2008, 11:05

Hallo, Reinhold,

danke für die informative Doku mit gut gelungenen Bildern.

Der Sonnentau ist sehr schwer zu fotografieren, wir haben
ihn im Frühjahr in Mecklenburg-Vorpommern an verschiedenen
Seeufern gefunden, ich habe kein vernünftiges Foto hinbekommen.
Werner hat dokumentiert, wie eine Kleinlibelle sich darin verfangen
hat. Das ist schon grausam, man sah immer mal wieder Sonnentau-
ansiedlungen, in denen eine tote Libelle hing, die ja als Beute
viel zu groß und unverdaulich ist, aber eben, einmal angedockt,
nicht mehr loskommt. Das ist besonders traurig, wenn der Tod
noch nicht mal Sinn macht...

Gabi
Liebe Grüße Gabi

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