Biologie der Mantis religios Teil 1

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Jürgen Fischer
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Biologie der Mantis religios Teil 1

Beitragvon Jürgen Fischer » 23. Aug 2008, 21:23

Eins vorweg: Bis auf das 2. Bild sind alle gezeigten Aufnahmen älteren Datum, als Dia entstanden und geblitzt (lange Zeit meine Art zu foten!) Deswegen und weil ja Diascans, sind die Aufnahmen qualitativ nicht so besonders! Ich hoffe aber doch einigermaßen informativ!
Bild 1 zeigt die Paarung einer religiosa aus dem Gardaseegebiet. Dort sind die braunen Exemplare wesentlich häufiger anzutreffen, als z.B. am Kaiserstuhl oder im Burgenland. Wenn das Männchen geschickt und schnell genug ist, schafft es die klassische Aufreiteposition und kann dann ziemlich sicher und ungefährdet die Paarung vollziehen. Diese kann mehrere Stunden dauern und man hat gute Chancen Päärchen anzutreffen. Während der Paarung verfällt das Weibchen in eine leichte Trance und das Männchen kann danach unversehrt wieder das Weite suchen.
Bild 2 zeigt ein schwangeres Weibchen aus dem Burgenland. Die Eier werden mehrere Wochen ausgetragen. In der Zeit frisst das Weibchen sehr viel, nimmt stark an Gewicht zu und meidet Flugeinlagen aus verständlichen Gründen.
Bild 3: Das Weibchen sucht sich eine geeignete Stelle an Steinen, Ästen und Wurzeln, meist in Bodennähe. Dort werden nun in einer langwierigen Aktion mehrere hundert Eier in einer rasch erhärtenden Sekretmasse abgelegt. Diese Masse erinnert von der Konsistenz ein wenig an Bauschaum, die Eier sind darin super geschützt und auch thermisch gut isoliert. Während der Zeit der Eiablage reagiert Mantis recht empfindlich auf Störung, schließlich möchte sie die Ablage nicht unterbrechen. Insgesamt kann sie mehrere Kokons hintereinander ablegen.
Bild 4: Nach der Überwinterung schlüpfen im April und Mai die ersten jungen Mantiden. Ähnlich wie Fliegenmaden besitzen sie eine Flüssigkeitsblase auf der Stirn und können sich so aus der harten Schaummasse herausarbeiten. die Blase verschwindet sehr schnell nach dem Schlupf.
Bild 5 zeigt nun eine wenige Stunden alte Larve. Mantiden zeigen wie auch Heuschrecken eine unvollkommene Verwandlung, d.h. die jungen Wesen schauen bis auf die Ausbildung von Flügeln, genauso aus wie ihre Eltern. In dieser Phase ernähren sie sich von anderen, in der Größe angemessenen Insekten und Gliederfüßlern. Wachstum ist wie immer bei Insekten nur nach einer Häutung möglich.
Das Bild der Eiablage entstand ebenfalls im Gardaseegebiet, die Bilder der Larven wurden in Ungarn am Plattensee aufgenommen.
Da hier nur 5 Bilder möglich sind, werde ich die nächsten Kapitel des Mantidenlebens in den nächsten Tagen zeigen.
LG Jürgen
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Beitragvon Held » 23. Aug 2008, 21:56

Hallo Jürgen,

eine schöne Scahe deine Vorstelleung der Art in verschiedenen Situationen ihres abwechslungsreichen Lebens.
Die älteren Aufnahmen verspühen einen angenehmen Charme! Gefällt mir gut. Vor allem kleine Larve hats mir angetan.
Grüße, Marcus


Wenn ihr mehr über eure Motive wissen wollt, dann schaut doch mal in die Artengalerie!
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Beitragvon Inger D.-G. » 23. Aug 2008, 22:05

Hallo Jürgen,

danke für deine Mühe und diese schöne Dokumentation.
Die Bilder sind sehr interessant anzuschauen, im jeweiligen Stadium ihrer Entwicklung,
und nebenbei liest man eine lehrreiche Information dazu.
Das Bild der schwangeren Mantis finde ich besonders schön.
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Beitragvon Ute Hahn » 24. Aug 2008, 07:33

hi jürgen,

klasse, vielen dank für die mühe
es sind faszinierende insekten

gruß ute
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Beitragvon SilkeP. » 24. Aug 2008, 09:26

Hallo Jürgen,

eine sehr interessante Doku wieder, danke schön.....
Liebe Grüße, Silke
(Meine Fotos sind meist Naturdokumente, ab und zu beeinflusste Natur, wenn ich den ein oder anderen Halm auf die Seite biege oder abschneide...)
www.seides-naturfotografie.jimdo.com/


*Die Natur ist kein Studio!*
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Beitragvon Magdalena Schaaf » 24. Aug 2008, 12:28

Hallo Jürgen,

super Doku, gefällt mir sehr gut.
Die kleine Larve ist ja echt süß, die habe ich auch schon (leider erfolglos) gesucht.
Diese Kokons habe ich schon gefunden, naja vielleicht klappts ja dieses Jahr mal eine Paarung oder Eiablage zu erwischen.
Freue mich schon auf die Fortsetzung!

Liebe Grüße,
Magdalena
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Beitragvon StefH » 24. Aug 2008, 13:01

Tolle Doku! Die Winzlinge haben schon den gleichen Blick drauf wie die großen :shock:
Viele Grüße von Stefanie
Olympus OMD und Panasonic G6 mit m.zuiko 60/2.8 und Olympus Stylus1 mit Raynox DCR-150/250 und MSN-202

http://stefanie-hamm.de/
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Beitragvon Gabi Buschmann » 24. Aug 2008, 20:44

Hallo, Jürgen,

vielen Dank für diese interessante Doku, aus der ich wieder
viel Neues erfahren habe.
Klasse Bildmaterial!
Ich freue mich schon auf Teil 2!

Gabi
Liebe Grüße Gabi
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Beitragvon Andreas Th. Hein » 28. Aug 2008, 21:30

Hallo Jürgen ! Danke für die tolle Doku. Freue mich schon auf die Fortsetzung. Durfte heute zum 1. mal welche in der Natur erleben und fotografieren. Das mitten in Berlin! LG Andreas
Viele Grüße Andreas
http://www.libellenwissen.de
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Beitragvon SunTravel » 28. Aug 2008, 21:33

Hallo Jürgen,

danke für die tolle Doku, so kleine junge habe ich noch nicht gesehen, auch noch keine Paarung.

Gruß

Uwe
Wer kritisch Bilder löscht, steigert die durchschnittliche Qualität seiner Bildersammlung

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