schlafende Heuschrecke

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Thorsten
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Beitragvon Thorsten » 23. Jul 2008, 19:09

Hallo Magdalena,

bei Deinem Bild fällt mir §1 des Grundverständnisses dieses Forums ein:
"Über die Förderung der Makrofotografie soll der Blick für die Artenvielfalt geweckt, und das Verständnis für den eigenständigen Wert der Kleinflora und –fauna und deren Bedeutung für die ökologischen Kreislaufprozesse hergestellt und entwickelt werden.
Dabei richtet sie ihren besonderen Blick auf das Kleine, das nicht
ins Auge springende, das nicht sofort Offensichtliche."

Ja... die "kleinen Wunder des Alltäglichen und Unbemerkten", die es zu entdecken gibt.

Du hast eines entdeckt und keiner hats gemerkt :-)

Es gibt einen Grund, weshalb dieser (da gehe ich mit) verm. Chorthippus parallelus tot an den Grashalmen hängt. Es war nicht Altersschwäche!

Der Verantwortliche ist in Deinem Bild nicht zu sehen, auch wenn er quasi im Bild ist, vielleicht sieht man ihn nicht mehr oder noch nicht oder aufgrund der für diesen Zweck zu klein abgebildeten Heuschrecke nicht. Er hört auf den Namen Entomophaga grylli und ist ein an Heuschrecken parasitierender Pilz. Diese Heuschrecke ist befallen und wurde "in die ewigen Jagdgründe" geschickt.

Das "kleine Wunder" daran ist, dass es der Pilz auf (ich glaube) bisher nicht verstandenem Weg schafft das Verhalten der Heuschrecke zu beeinflussen. Kurz vor dem Tod erklimmt sie senkrechte Halme und verbeisst/verkrampft sich in dieser erhöhten Position. Dann bricht der Pilz nach außen durch und verbreitet die Sporen, die auf diese Weise durch Wind viel besser verteilt werden können, als wenn die Heuschrecke am Boden verendet. Entsprechend verendete Heuschrecken kann man übrigens gelegentlich überall und auch nicht so selten finden.

Ähnlich bzw. noch viel "abgefahrener" geht es beim Generationswechsel des Leberegels vonstatten. Dort gibt es das sogenannte Zerkarien-Stadium bei dem jene Ameisen beeinflussen, damit sie sich an Grasspitzen verbeissen, um schließlich vom Endwirt des Leberegels (Schafe) gefressen zu werden. Auch das würde nicht funktionieren, wenn sie am Boden unter der Vegetation rumsitzen würden.

Faszination "Natur pur", besonders Parasiten sind da extrem "einfallsreich" und verblüffen mich immer wieder! Und das alles geschieht alltäglich vor unseren Augen, wenn auch verborgen, es sei denn man fotografiert es! :-)

Ich hab den Pilz auf einem Bild "sichtbar". Ich glaube hier an dieser Stelle darf ich den Forumsrichtlinien nach kein anderes Bild einstellen. Ich stelle es gleich in Dokumentarisches und verlinke es hier.

Gruß, Thorsten

PS: Hier der Verweis auf das Doku-Bild: http://www.makro-forum.de/ftopic20205.html
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Magdalena Schaaf
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Beitragvon Magdalena Schaaf » 23. Jul 2008, 19:35

Hallo Thorsten,

danke für die Erläuterung!
Das wusste ich nicht, danke auch für Deine Kennzeichnung in der Doku.

Den Lebenszyklus des kleinen Leberegels (Dicrocoelium dentriticum) kenne ich, der geht ja noch weiter, bis in die Weinbergschnecke, die dann Schleimballen hustet (also die Schnecke hat den Kot des Schafs mit den Egeleieren aufgenommen, die Egel entwickeln sich bis zu einem gewissen Stadium in der Schnecke, sorgen dann dafür, dass sie ausgehustet werden) und die Ameisen nehmen die Ballen mit.
Da gibts ja noch "tolle", also sehr faszinierende andere Kreisläufe mit der Bernsteinschnecke und den mutierten Fühlern, die Raupen imitieren und Vögel anlocken, so dass der Parasit im Endwirt Vogel landet (ist auch irgendwo im Forum ein Bild dazu).

Grüße,
Magdalena
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Beitragvon Claude » 23. Jul 2008, 19:42

Hallo Magdalena,

farblich sehr harmonisch, auch die Pose der Schrecke finde ich sehr schön, tolles Bild!

LG Claudia
LG Claudia
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Beitragvon canadian » 23. Jul 2008, 22:28

Hi Magdalena,
Schließe mich sehr gern dem allgemeinen Lob an. Bildschnitt, Farben und Schärfe - Alles vom Feinsten! Glückwunsch und .............
Herzlichen Gruß aus dem Burgenland

Charly

Sieh auf die Natur: Sie ist beständig in Aktion, steht nie still, und doch schweigt sie. (Mahatma Gandhi)

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