Exkursion am Steppensee

Interessante Beobachtungen aus dem Leben unserer Makromotive oder unserer Naturmotive mit dokumentarischem Charakter
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Jürgen Fischer
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon Jürgen Fischer » 10. Jan 2021, 13:49

Hi Makrofreunde,

ok, es gibt keinen Steppensee in der nördlichen Oberpfalz. Aber ein Gewässer, das dem schon sehr nahe kommt.
Es ist ein riesiger Weiher, der bereits ab Anfang Juli nur noch sehr wenig Wasser führt. Und diese Wasserflächen sind unregelmäßig verteilt,
doch noch großflächig genug, aber von sehr geringer Tiefe. Es entstehen also viele temporäre Stillgewässer, die sich unheimlich schnell erwärmen. Fische fehlen,
weil spätestens im September kein Wasser mehr da ist. Perfekte Lebensräume für Hochkaräter der Libellenwelt!
Die entstehenden Sandbänke sind darüber hinaus Refugien für Spinnen, Heuschrecken und andere Insekten.

Ich war in 2020 sechsmal am "Steppensee" je zweimal im Juli, im August und im September.
Jedes Mal ein tolles Erlebnis und nur knapp 40 Minuten von meinem Wohnort entfernt.

Die besten Fotos der Exkursionen muss ich euch einfach zeigen, obwohl mir da die Wahl sehr schwer fällt. Und es wird wohl nicht bei einer Doku bleiben!
Ich zeige die Arten wild durcheinander, in etwa so, wie ich sie draußen vor Ort auch vorgefunden habe.
Die Bildbeschreibung ist wieder in den Bildanlagen hinterlegt.
Dateianhänge
Bild 1 zeigt den Lebensraum Im Juli. Dort wo Grün ist, steht das Wasser vielleicht noch 10-20cm hoch und es wimmelt darin von großen Wasserfroschquappen. In der höheren Vegetation der Hochstaudenfluren tummeln sich die Libellen und auf den Sandbänken die Heuschrecken, Spinnen und Sandlaufkäfer.
Eine Besonderheit, die in vielen meiner Bilder einen roten HG erzeugte ist das "Große Johanniskraut" Hybericum majus.
Letztes Jahr war es in wenigen Exemplaren vertreten, in 2020 waren riesige Flächen damit überzogen. Die Pflanze ist ein "Neophyt", der aus Amerika eingeschleppt worden ist und sich zunächst nur in einem nahen amerikanischen Truppenübungsplatz ansiedelte. Von dort aus gelang dem Kraut der Sprung in den "Steppensee", wo es nun bestandsbildend ist.
1 Steppensee.jpg (1.24 MiB) 684 mal betrachtet
1 Steppensee.jpg
Bild 2:
Im Juli fand ich nur noch wenige Blüten dieser, weit über die Blühzeit hinaus, attraktiven Pflanze.
2 Hypericum-majus.jpg (632.66 KiB) 684 mal betrachtet
2 Hypericum-majus.jpg
Bild 3:
Klar, dass in einem solchen Lebensraum die Libellen die Hauptrolle spielen. Beim ersten Besuch im Juli fielen mir Unmengen frisch geschlüpfter Winterlibellen auf. Sympecma schlüpft ja im Juli und August und die adulten Tiere überwintern dann. Das gezeigte Exemplar war ausgefärbt und ausgehärtet, musste sich aber mit seiner eigenen Exuvie herumschleppen. Beim Flug war es aber kaum behindert.
3 Sympecma-fusca.jpg (456.61 KiB) 684 mal betrachtet
3 Sympecma-fusca.jpg
Bild 4:
Sehr gefreut hat mich die Sichtung mehrerer Keilflecklibellen (Aeshna isoceles). Man erkennt die Art recht leicht am gelben Keilfleck auf dem 2. und 3. Hinterleibssegment und selbst im Flug sind sie an den grünen Augen und den farblosen Flügeln gut anzusprechen. Die ähnliche Aeshna grandis (Herbstmosaikjungfer) hat braun getönte Flügel.
Isoceles fliegt bereits ab Mai und ist dann im August meist auch wieder weg. Die extrem wärmeliebende Art ist stark gefährdet.
4 Aeshna-isoceles.jpg (385.08 KiB) 684 mal betrachtet
4 Aeshna-isoceles.jpg
Bild 5:
Am Rand des Weihers lagen immer wieder umgestürzte Kiefern, auf denen sich auch Insekten tummelten. Ein sehr schöner Vertreter ist der kleine "Ameisenbuntkäfer". Dieser nur max. 1 cm langer Käfer hat seinen Namen von seiner Ähnlichkeit mit der Roten Waldameise. Er ist ein hervorragender Borkenkäferjäger und auch wieselflink.
5 Ameisenbuntkäfer.jpg (668.62 KiB) 684 mal betrachtet
5 Ameisenbuntkäfer.jpg
Bild 6:
In einem solchen Lebensraum darf natürlich die Feuerlibelle (Crocothemis erythraea) nicht fehlen. Die Art hat sich ja in den letzten Jahren vehement ausgebreitet, ist nicht mehr soo selten, aber immer wieder schön zu betrachten. Der Ferrari unter den Libellen war ja 2011 Libelle des Jahres. Im Bild sonnt sich ein Männchen auf der Sandbank im Weiher.
6 Crocothemis-erytraea Männchen.jpg (957.58 KiB) 684 mal betrachtet
6 Crocothemis-erytraea Männchen.jpg
Bild 7:
Sicher kein Top-Flugbild, aber mir gefällt es besonders gut, wie das Weibchen der Feuerlibelle vor dem ortstypischen Hintergrund ihre Ansitzwarte ansteuert.
7 Feuerlibelle weibchen.jpg (441.57 KiB) 684 mal betrachtet
7 Feuerlibelle weibchen.jpg
Bild 8 :
Die Große Labyrinthspinne (Agelena labyrinthica) ist ja wegen ihrer weit ausladenden und meist in der Bodenvegetation angelegten Fang- und Wohngespinste jedem bekannt, es wurden auch schon super Bilder im Eingang der Röhre gezeigt. Die Paarung in der Wohnröhre, die im Juli stattfindet habe ich allerdings noch nicht im Foto gesehen (was nix heißen muss!). Im Bild sieht man, wie das Männchen gerade seinen linken Taster in die Epigyne des Weibchens inseriert. Die gefüllte Samenblase, die die Spermien pumpenartig überträgt, ist deutlich zu sehen. Nach der Paarung bleibt das Männchen noch eine Weile im Gespinst.
8 Agelena-labyrinthica-Paarung.jpg (740.77 KiB) 684 mal betrachtet
8 Agelena-labyrinthica-Paarung.jpg
Bild 9:
Auf dem Boden liegend, die Labyrinthspinne betrachtend, sah ich Augenwinkel, diesen Schattenriss einer Spinne.
Natürlich kramte ich erst mal im Hirn, welche Art das sein könnte, das könnt ihr auch tun, die Auflösung folgt aber gleich im nächsten Bild.
Solche Aufnahmen mach ich sehr selten, sie gehen doch sehr in Richtung Ästhetik. Aber wieder mit dem rötlichen HG gefiel mir die Aufnahme dann doch recht gut.
9 Dolomedes-fimbriatus-Schatten.jpg (819.27 KiB) 684 mal betrachtet
9 Dolomedes-fimbriatus-Schatten.jpg
Bild 10:
Die Lösung ist natürlich Dolomedes fimbriatus, die Gerandete Jagdspinne. Es ist ein juveniles Exemplar, das erst im nächsten Jahr geschlechtsreif wird und sich auf dem Blatt sonnt. Meiner Beobachtung nach sind die Jungtiere über viele Wochen hinweg standorttreu. Die Jungspinnen sind meist grünlich gefärbt.
10 Dolomedes-fimbriatus-front.jpg (573.86 KiB) 684 mal betrachtet
10 Dolomedes-fimbriatus-front.jpg
Bild 11:
Während dieser Zeit halten sich die Jungspinnen vorwiegend in der Krautschichtauf, auch weitab vom Wasser. Hier sind sie natürlich hauptsächlich an Nahrung interessiert. Dabei erbeuten sie im Überraschungsangriff alles was in ihre Umgebung gerät und nicht zu groß ist. Hier wurde eine Graue Fleischfliege zum Opfer.
11 Dolomedes-fimbriatus beute.jpg (607.7 KiB) 684 mal betrachtet
11 Dolomedes-fimbriatus beute.jpg
Bild 12:
Fast ein wenig spät dran war dieses Weibchen der Kleine Moosjungfer (Leucorrhinia dubia). Diese Weißnasenart schlüpft ja bereits im Mai und im Ende Juli verschwindet sie meist. Man sieht ihr auch an, dass sie schon einige Flugmeilen in den Tragflächen hat. Die Art lebt gerne in Mooren, aber auch verlandende anmoorige Gewässer werden gern genommen. Fischarmut ist, für die in Deutschland stark gefährdeten Art, ideal.
12 Leucorrhinia-dubia-.jpg (496.59 KiB) 684 mal betrachtet
12 Leucorrhinia-dubia-.jpg
Bild 13:
Auch schon recht abgeflogen war dieses Exemplar der Libellula quadrimaculata, dem Vierfleck. Die Art ist ja auch schon zeitig im Jahr present, aber auch noch kurz vor ihrem Verschwinden ist sie noch ein geschickter Jäger. Natürlich gehören neben zahlreichen Beutetieren auch andere, kleinere Libellen in ihr Beuteschema. Hier hat es wohl eine Lestes dryas, eine Glänzende Binsenjungfer erwischt, die zu dieser Zeit bereits in nicht geringer Zahl im Gebiet fliegt.
13 Libellula-quadrimaculata.jpg (404.05 KiB) 684 mal betrachtet
13 Libellula-quadrimaculata.jpg
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon Gabi Buschmann » 10. Jan 2021, 14:40

Hallo, Jürgen,

was für eine fantastische Dokumentation!
Das ist ja ein ganz wunderbares Biotop, dieser Steppensee, da kann
ich gut verstehen, dass du oft vor Ort warst :-) .
Und die Beute ist ja überreich! Wahnsinn, was du hier an Arten
in wundervollen und interessanten Bildern präsentierst!
Ich war ganz stolz auf mich, dass ich anhand des sehr
schönen Schattenriss-Bildes die Gerandete Jagdspinne
vermutet habe :lol: . Mit dem Großen Johanniskraut
ergeben sich ja wunderschöne Hintergründe in einigen
deiner Bilder.
Die Paarung der Labyrinthspinne ist natürlich ein Hit,
wenngleich ich gestehen muss, dass ich das von
dir Beschriebene weder vor Ort noch im Bild gesehen
hätte und mich auch mit Beschreibung schwer tue.

Jürgen, herzlichen Dank für diese begeisternde Doku,
da steckt viel Arbeit drin, die sich aber gelohnt hat
und uns Einblick in ein außergewöhnliches Biotop
gewährt!
Liebe Grüße Gabi
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon frank66 » 10. Jan 2021, 14:45

Hallo Jürgen,

da bin ich ganz bei Gabi, das ist eine fantastische Doku
geworden die mich total begeistert. Solche "Kleinode" gibt
es heute leider viel zu selten und müssen echt geschützt werden.
Schon beim ersten Teil deiner Doku sieht man den Artenreichtum
des Biotops, bin gespannt was da noch alles auf uns wartet.
Danke fürs zeigen, freue mich schon auf mehr!!!!

LG frank
Liebe Grüße ,

frank
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon Jürgen Fischer » 10. Jan 2021, 15:43

Gabi Buschmann hat geschrieben:Quelltext des Beitrags Die Paarung der Labyrinthspinne ist natürlich ein Hit,
wenngleich ich gestehen muss, dass ich das von
dir Beschriebene weder vor Ort noch im Bild gesehen
hätte und mich auch mit Beschreibung schwer tue.


Hi Gabi, dann geht das wahrscheinlich auch anderen so und dann ist das einfach schlecht erklärt.
Deshalb das Bild hier nochmal kurz angefügt, mit dem was man sehen kann!
Hoffe, das hilft weiter!

LG Jürgen
Dateianhänge
Erklärung des Bildes
8-Agelena-labyrinthica-Paar.jpg (768.82 KiB) 660 mal betrachtet
8-Agelena-labyrinthica-Paar.jpg
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon HärLe » 10. Jan 2021, 15:49

uups, jetzt hab ich den ganzen Thread gelesen...

Hallo Jürgen,

eigentlich wollte ich mir Deinen Artikel im Browser für später bereithalten. Dann war ich zu neugierig und begann Deine Ausführungen zum ersten Bild zu lesen. Dann das nächste Bild und das nächste und... flugs war ich mit dem ganzen Beitrag durch. Das nenn' ich mal fesselnd. Fesselnd wegen der zahlreichen fundierten Informationen und wegen der fabelhaften Aufnahmen. Hätte ich einen Hut auf, ich würde ihn abnehmen. Ganz toll.

Gruß Herbert
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon caesch1 » 10. Jan 2021, 15:50

Hallo Jürgen,
Eine herrliche Dokumentation über dieses Gebiet mit den Bewohnern,
da kann ich mich auch voll Gabi anschliessen. Alle Bilder gefallen mir sehr gut.
LG, Christian
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon Enrico » 10. Jan 2021, 16:08

Hallo Jürgen,

dieses Habitat sieht verlockend aus.

Danke für die tollen Fotos :)
LG Enrico
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon mischl » 10. Jan 2021, 17:16

Hallo Jürgen,

eine tolle Doku mit tollen Bildern, der "Bewohner" dieses schönen Habitats. Da sind ja schöne Tierchen unterwegs und das Johanniskraut gibt nen klasse HG

Lieben Gruß
Mischl
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Exkursion am Steppensee

Beitragvon hawisa » 10. Jan 2021, 17:38

Hallo Jürgen,

das ist ja ein tolle Artenvielfalt.
Da kannst du Vieles beobachten.

:admin: für die schönen Bilder und den Erklärungen dazu. :DH:
Liebe Grüße und immer "Gut Licht"
Willi

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Exkursion am Steppensee

Beitragvon Harmonie » 10. Jan 2021, 18:50

Hallo Jürgen,

nun bin ich aber sowas von Hin und Wech........
Was ist denn das für eine traumhafte Bilderserie von Lebewesen
in diesem Natrubereich.
Mit totaler Begeisterung habe ich mir die Bilder angeschaut und
auch deine Erläuterungen dazu.
Mit dieser Doku hast du mich an einen Bereich erinnert, den ich vor
3 Jahren entdeckt habe, und der so ähnlich in seiner Art wie deiner
hier ist.
Da muß ich im Sommer auch mal wieder hin.
Deine Bilder und auch die Erklärungen/Erläuterungen dazu, finden
bei mir nur ganz dickes Lob und ein dickes DANKE!!!
Das ist so eine der Doku's, die ich mir nicht nur 1x ansehe, da schaue
ich sicherlich öfter mal rein.

LG
Christine
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An dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank an all die User, die meinen Bildern
Beachtung, Aufmerksamkeit und Kommentare schenken.
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--- Alle hier von mir gezeigten Bilder dürfen ungefragt für die Artengalerie verwendet werden. ---

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